Basel
Privatbankiers hinterfragen Verrechnungssteuer

Der Bundesrat steht unter Druck: Die Privatbanken diskutieren Änderungen der Quellensteuer und hinterfragen die Verrechnungssteuer. Der Privatbanken-Präsident, Christoph Gloor, fordert einen Neubeginn und mehr Informationsaustausch.

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Die Privatbanken machen bei der Verrechnungssteuer Druck auf den Bundesrat. (Symbolbild)

Die Privatbanken machen bei der Verrechnungssteuer Druck auf den Bundesrat. (Symbolbild)

Keystone

Die Privatbanken machen bei der Verrechnungssteuer Druck auf den Bundesrat. Dieser will in den kommenden Wochen über Änderungen der Quellensteuer beraten. Es sei nun abzuklären, ob dieser Schutzmechanismus noch Sinn mache, sagte Privatbanken-Präsident Christoph Gloor am Freitag in Basel.

«Wie lässt sich die Erhebung dieser Quellensteuer von 35 Prozent auf Beträgen rechtfertigen - wenn diese im Rahmen des automatischen Informationsaustausches an eine ausländische Steuerbehörde geliefert wurde?», fragte Gloor an der ersten Mitgliederversammlung der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken gemäss Redetext. Es sei nun ein Neubeginn - ein Paradigmenwechsel - hin zum automatischen Informationsaustausch nötig.

Die Schweiz müsse als erstklassiger internationaler Finanzplatz dieselben Regeln wie die wichtigsten Konkurrenten anwenden, sagte der Chef der Basler Privatbank La Roche. Die Standards müssten aber international gleich sein. Denn bei einheitlichen Regeln hätten die Privatbanken dank ihrer logistischen Kompetenzen und ihrem internationalen Know-How gute Chancen gegenüber der internationalen Konkurrenz, sagte Gloor weiter.

Dennoch soll der Informationsaustausch nicht für alle Staaten gelten. «Die Schweiz sollte keinen automatischen Informationsaustausch mit Staaten anstreben, die von den wichtigsten konkurrierenden Finanzplätzen nicht als vertrauenswürdig betrachtet werden.» Hier brauche es einen internationalen Konsens.

Gegen Änderungen im Geldwäschereigesetz

Ein weiterer Dorn im Auge der Privatbanken ist die geplante Verschärfung des Geldwäschereigesetzes, das derzeit im Parlament hängig ist. Nach dem Willen des Bundesrates sollen bei Banken erhöhte Sorgfaltspflichten gelten, wenn sie mit politisch exponierten Personen Geschäfte machen.

Solch ein «Helvetismus» müsse unbedingt vermieden werden, da er in keinem andern Land Gültigkeit hätte, sagte Gloor weiter. Das verstehe im Ausland niemand: «Weder die Kunden noch die ausländischen Behörden, welche die Schweiz unter Druck setzen.»

Seit Anfang Jahr gibt es bei den Schweizer Privatbanken zwei Verbände. Die neu gegründeten Vereinigung Schweizerischer Privatbanken zählt zehn Banken, welche ihre Rechtsform in eine Aktiengesellschaft geändert hatten, zu ihren Mitgliedern.

Die ältere Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers umfasst sieben Banken mit Teilhaberhaftung. Zur Abspaltung kam es nach der Zerschlagung der Bank Wegelin, als einige Institute ihre Rechtsform ändern mussten.