Luftfahrt
Privatjet-Idee hebt ab: für 4000 Franken im Monat so viel fliegen, wie man will

Surfair fliegt neu von Zürich nach London. Wer pro Monat 4000 Franken hinblättert, darf beliebig oft fliegen. Der All-you-can-fly-Club steuert auch andere Destinationen an.

Philipp Felber
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Surfair-Europe-CEO Simon Talling-Smith.

Surfair-Europe-CEO Simon Talling-Smith.

HO

Eine Schar Auserwählte steht in einem Privatjet-Terminal am Flughafen Zürich. Es gibt Gipfeli, Mini-Sandwiches und Champagner. Draussen wird gerade ein Flugzeug der Airline Surfair mit einer Wassertaufe empfangen. Als erstes Privatflugzeug überhaupt, wie den Anwesenden erklärt wird. Wobei Surfair nicht im engeren Sinne einen Privatflugzeugservice anbietet. Denn die Airline wird mit festem Flugplan operieren. Seit dieser Woche fliegt Surfair von Zürich nach London: Für 4000 Franken monatlich können Vielflieger die Dienste der Airline in Anspruch nehmen. Und so viel fliegen, wie sie wollen.

Das Geschäftsmodell von Surfair gibts in den USA seit 2013, momentan zähle der All-you-can-fly-Club 4000 Mitglieder, schreibt die Firma. In Europa fliegt die Airline mit ihren Businessfliegern von London nach Cannes, Ibiza und nun auch nach Zürich. Und dabei soll es nicht bleiben. Kontinuierlich will Surfair das Europageschäft ausbauen. Demnächst sollen Destinationen wie Luxemburg oder Brüssel dazukommen. Um das Risiko zu minimieren, werden neue Destinationen erst angeflogen, wenn genügend Kunden eine bestimmte Reiseroute wünschen. Somit stellt die Airline sicher, dass die Flüge ausgelastet werden. «Wir brauchen ungefähr 200 Kunden pro Flugzeug, um dieses auszulasten», sagt Surf- air-Europe-CEO Simon Talling-Smith. Ein weiterer Vorteil für die Kunden, sei das einfache Ticket-System, mit dem man innert 30 Sekunden ein Ticket bestellen könne. Simon Talling-Smith sieht Geschäftsreisende als Zielpublikum. Darum sei Zürich eine wichtige Destination für Surfair. Die Flatrate-Idee, ein System ähnlich wie bei Spotify oder Netflix, sei laut Talling-Smith das Zukunftsmodell für die Fliegerei. In Europa ist mit Take Air eine Airline mit einem ähnlichen Modell gescheitert.

Eine Minute für das Check-in

Surfair verspricht mit ihrem Modell vor allem eines: Zeitersparnis. So soll, wer einmal in der Woche mit Surfair statt einer normalen Airline fliegt, über das Jahr 200 Stunden an Zeit einsparen. Dies weil man von den Privatflugzeugterminals abfliegt und sich so die Abfertigungszeiten verringern sollen. Der Jungfernflug von Zürich nach London dauerte in etwa gleich lang wie ein normaler Linienflug. Der Check-in dauerte jedoch nur eine Minute und auch nach der Ankunft in London gings schneller als bei einem normalen Flug. Der Nachteil: Zielflughafen in London ist Luton und dieser liegt etwas weiter ausserhalb als etwa der City Flughafen von London.

Auf dem Jungfernflug kam ein Flugzeug des Typs Embraer Phenom 300 zum Einsatz. Ob jedoch alle weiteren geplanten Strecken mit Flugzeugen von diesem Typ abgedeckt werden, ist unklar. Surfair hat 2014 über 60 Pilatus PC-12 bestellt. Auf längeren Flügen verliert man mit den einmotorigen Maschinen jedoch Zeit im Vergleich mit einem Düsenjet. Hinter dem Expansionsdrang der Firma stehen illustre Investoren: etwa Rothschild-Sprössling Alexandre de Rothschild, der amerikanische Milliardär Rick Caruso oder Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin.