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PRODUKTPIRATERIE: Riskantes Spiel mit Fälschungen

Der Handel mit gefälschter Ware ist ein Milliardengeschäft. Dieses verlagert sich zunehmend ins Internet. Gefälschte Produkte bergen für die Käufer zahlreiche Gefahren.
Andreas Lorenz-Meyer
Wird gefälschte Ware wie hier bei einer Postsendung durch den Zoll entdeckt, wird sie eingezogen. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Wird gefälschte Ware wie hier bei einer Postsendung durch den Zoll entdeckt, wird sie eingezogen. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Andreas Lorenz-Meyer

Nicht alles, was ein klangvoller Markenname ziert, ist Originalware. Uhren, Schokolade, Jeans, Accessoires, DVDs, Kosmetika, Medikamente – alles Mögliche wird gefälscht und unter die Konsumenten gebracht. Das Problem der Produktpiraterie lässt sich kaum in den Griff bekommen; der Zoll kann nur einen kleinen Teil der Waren, welche die Grenze passieren, kontrollieren. In der Schweiz beschlagnahmte man im vergangenen Jahr 3621 Warensendungen, mehr als im Jahr davor. 80 Prozent der Fälschungen stammten aus Hongkong oder China. Hauptsächlich waren es Taschen, Uhren, Schmuck, Bekleidung. Beim Reiseverkehr gab es weniger Beschlagnahmungen als im Vorjahr: genau 2377. Bei den Ländern, aus denen die gefälschten Produkte mitgebracht wurden, stand die Türkei mit 39 Prozent vorn. Dahinter folgten die EU und der Kosovo.

Hohe Dunkelziffer

Es kommen viel mehr gefälschte Produkte ins Land als in den Statistiken auftauchen. Schätzungen über die Dunkelziffer gibt es aber nicht, so Jürg Herren vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum in Bern. Er sieht den Trend, dass sich die Produktpiraterie ins Internet verlagert. Beim Handel mit Fälschungen verhalte es sich nicht anders als in der legalen Wirtschaft. Auch dort wachsen Online-Shops zu Lasten herkömmlicher Ladengeschäfte, denn im Netz gibt es eine grössere Auswahl und mehr Verfügbarkeiten. Diese Entwicklung zieht Fälscher an. Herren: «In der Anonymität des Internets gehen sie ein kleineres Risiko ein, als wenn sie Waren auf einem Markt oder in einem Laden anbieten.»

Im April erschien eine Studie von OECD und EUIPO, dem Markenamt der Europäischen Union. Gestützt auf Zollstatistiken hat man versucht, den Umfang, nicht den Schaden, des internationalen Handels mit Fälschungen zu schätzen. Der machte im Jahr 2013 bis zu 2,5 Prozent des Welthandels oder bis zu 338 Milliarden Euro aus. In der EU betrug der Anteil gefälschter Produkte bis zu 5 Prozent aller Einfuhren (bis zu 85 Milliarden Euro). Laut Bericht steht China bei den Herkunftsländern der Fälscherware einsam an der Spitze.

Das Ausmass der Produktpiraterie ist nur das eine, das andere der tatsächliche Schaden für die Volkswirtschaft. Es ist praktisch unmöglich, diesen zu bemessen, sagt Herren. Die Gleichung «eine Fälschung gleich ein verkauftes Original weniger» greife viel zu kurz, weil die Piraterie viele Facetten hat. Es spielt zum Beispiel eine Rolle, ob eine Fälschung «nur» den Ruf des Originalherstellers schädigt oder dieser dadurch Marktanteile verliert. Letzteres kommt bei Originalprodukten, die erschwinglich sind, häufig vor. Der Kauf von Fälschungen senkt hier generell die Nachfrage. Herren erklärt, warum: «Es kann passieren, dass ein Uhrenhersteller des unteren oder mittleren Preissegments wie Swatch weniger Stücke verkauft, weil die Konsumenten die 100 Franken lieber in die Fälschung einer Luxusmarke investieren.»

Um den Schaden bemessen zu können, muss man auch berücksichtigen, ob eine Fälschung die Exklusivität eines Produkts beeinträchtigt. Für Edelmarken wie Rolex oder Louis Vuitton ist es ganz wichtig, dass sich nicht jeder eines ihrer Produkte leisten kann. Auch mangelnde Qualität verändert die Wahrnehmung einer Marke. Wenn ein gefälschtes Produkt versagt, wird der Fehler möglicherweise dem Originalhersteller zugeschrieben. Beispiel: explodierende Handy-Batterien. Herren fasst zusammen: «Fälschungen verursachen Wettbewerbsverzerrungen. Die Fälscher sparen die Kosten für Innovation, Produktentwicklung, Marketing. Sie zahlen keine Steuern und keine Sozialabgaben. Das kann innovative Unternehmen langfristig aus dem Markt drängen. Es führt zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu niedrigeren Steuereinnahmen.»

Käufer riskieren Anzeige

Werden Käufer von gefälschten Produkten angehalten, müssen sie das Plagiat abgeben. Es wird anschliessend vernichtet. Wer die gefälschte Ware nicht aushändigt, riskiert eine Anzeige des Unternehmens, von dem man ein gefälschtes Produkt besitzt. Der gewerbsmässige Handel mit Fälschungen wird hierzulande mit bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug und einer Busse von über 1 Million Franken bestraft. Hohe Strafen nützen aber nichts, wenn Abnehmer den Kauf von Fälschungen für im Grunde harmlos halten, sagt Herren. Wer exklusive Luxusprodukte zum Schnäppchenpreis haben will, begünstige Produktpiraterie. Konsumenten sollten nicht kriminalisiert, sondern informiert werden. Dafür hat man die Plattform Stop Piracy gegründet. Herren ist Vizepräsident dieses Vereins, dem 36 Mitglieder angehören: Schweizer Firmen, Verbände, Konsumentenorganisationen, Behörden.

Woran erkennt man, dass es auf einer Bestellseite nicht mit rechten Dingen zugeht? Tipp- oder Übersetzungsfehler und ins Leere führende Links geben einen Hinweis darauf. Herren empfiehlt, eine Suchmaschinensuche zum betreffenden Shop durchzuführen und zu prüfen, was andere Käufer über die Seite berichten. Auf mögliche Preisdifferenzen sollte man zudem achten. Eine Original-Schweizer-Markenuhr ist auch im Ausland normalerweise nicht viel günstiger zu haben.

Bisweilen werben Fälscher mit Aussagen wie «Lagerverkauf» oder «Verkauf von Vorjahresmodellen». Vom Üblichen abweichende Kaufbedingungen deuten auch darauf hin, dass Kriminelle am Werk sind. Ob das versprochene Rückgaberecht von 30 Tagen dann aber auch wirklich gilt, ist eine andere Frage. Was tun, wenn man reinfällt, beim Erhalt der Ware merkt, dass sie gefälscht ist? Wenn möglich, wendet man sich dann an den Händler und versucht, den Kauf rückgängig zu machen. Was aber in der Regel aussichtslos ist, sollte dieser in Asien sitzen. Lief die Zahlung über Kreditkarte, wendet der Käufer sich an seine Bank und beantragt, die Buchung zu stornieren.

Bild: Grafik Neue LZ

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