Profi-Bauten für eine spezielle Mission

Bauprojekte auf über 2000 Metern Höhe sind für die Landwirtschaftliche Baugenossenschaft Nidwalden keine Seltenheit. Sie gehören gar zu ihrem Kernauftrag.

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Im Dienst der Baugenossenschaft Nidwalden: Geschäftsführer Roland Frei (links) und Präsident Peter Scheuber Ennetbürgen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Im Dienst der Baugenossenschaft Nidwalden: Geschäftsführer Roland Frei (links) und Präsident Peter Scheuber Ennetbürgen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Der Jahresumsatz liegt bei 3 Millionen Franken. Das Unternehmen beschäftigt zehn Mitarbeiter, darunter einen Lehrling. Von der Grösse her entspricht die Landwirtschaftliche Baugenossenschaft Nidwalden (LBN) einem kleinen KMU, die Zusammensetzung der Mitarbeiter aber ist speziell. «Bei uns arbeiten fast ausschliesslich Bauernsöhne», sagt Geschäftsführer Roland Frei (37). Und auch sonst ist einiges anders als bei herkömmlichen Bauunternehmen. Aufträge von Landwirten haben immer Priorität, möglichst grosser Profit ist nicht das erklärte Ziel. Das hängt mit der Geschichte und den Statuten des in Buochs ansässigen Unternehmens zusammen.

1965 wurde die LBN als Selbsthilfeeinrichtung der Bauern gegründet. In der ganzen Schweiz entstanden damals derartige Genossenschaften unter der Federführung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Das Unternehmen gehört den Nidwaldner Landwirten. 786 Mitglieder zählt die Genossenschaft heute, Tendenz leicht steigend. «Die Bauern wollten möglichst kostengünstig bauen und die Arbeitskraft von Familienmitgliedern und Freunden mit einbringen können», sagt Roland Frei, der selbst auf einem Mastbetrieb in Bristen im Kanton Uri aufgewachsen ist.

Eigene Arbeitskräfte stellen, das können Bauherren noch heute. «In der Regel braucht es dann einen Polier von uns oder einen Vorarbeiter», sagt Roland Frei. Der Bau von Erschliessungsstrassen und landwirtschaftliche Bauten dominierte in den ersten Jahrzehnten des Bestehens. «Heute übernehmen wir auch private Bauaufträge», sagt Frei. Knapp ein Drittel der Projekte stammt mittlerweile aus dem Privatbereich, die Zahl der Anfragen ist indes noch viel höher. «Wenn wir uns zwischen zwei Projekten entscheiden müssen, hat aber die Landwirtschaft immer Vorrang», erklärt der Geschäftsführer.

Bauprojekte auf der Musenalp

Auch Bauvorhaben in entlegeneren Berggebieten sind für die Genossenschaft Routine. So hat die LBN vor einigen Jahren auf 2200 Metern Höhe die Wasserversorgung am Restaurant Jochpass erneuert, die einzelnen Bauteile mussten mit dem Helikopter in die Höhe geschafft werden. Ebenso zeigte sich die LBN verantwortlich für den Bau des grossen Alpstalls auf der Musenalp.

Ursprünglich sass aus jeder Nidwaldner Gemeinde ein Landwirt im Vorstand der Genossenschaft, heute besteht dieser nur noch aus fünf Mitgliedern. Präsident ist Peter Scheuber, Landwirt und Gemeindepräsident von Ennetmoos. Das Ziel der Genossenschaft ist es, vor allem den Nutzen der Mitglieder und der Kunden zu steigern. Dabei profitieren die Mitglieder auch von der Einkaufsmacht des Verbunds aller landwirtschaftlichen SAB-Baugenossenschaften in der Schweiz. Am Hauptsitz der LBN im Buochser Gewerbegebiet Fadenbrücke können Genossenschaftsmitglieder und andere Bauwillige beispielsweise verschiedenste Baumaterialien einkaufen und Maschinen mieten. Für Scheuber ist die Genossenschaft genau die richtige Rechtsform für das Unternehmen. «Wir sind nicht gewinnorientiert. Wir müssen den Lohn unserer Mitarbeitenden erwirtschaften und brauchen eine gewisse Rücklage für Investitionen und Fortbildungen», sagt der 50-Jährige. Der Stundenansatz liege mit rund 75 Franken die Stunde eher an der unteren Grenze der im Baugeschäft üblichen Lohnsätze. Scheuber selbst hat vor einigen Jahren sein neues Wohnhaus mit Hilfe der Genossenschaft gebaut.

Polier war damals Roland Frei, der heutige Geschäftsführer der LBN. Frei hat bei einem privaten Bauunternehmen gelernt und ist dann zur LBN gewechselt. «Bei uns geht es noch familiärer zu als bei einem privaten Bauunternehmen», ist Frei überzeugt. Das wissen auch die Lehrlinge zu schätzen. Mittlerweile hat der dritte Lernende im Betrieb die Ausbildung begonnen. Der erste Lehrling, Stefan Odermatt, hat vor einigen Monaten seine Maurerprüfung erfolgreich abgeschlossen. «Als Jahrgangsbester in Ob- und Nidwalden», sagt Peter Scheuber nicht ohne Stolz.

Hans-Peter Hoeren