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PROGNOSEN: «Frankenschock überwunden»

Die Konjunkturforscher erwarten für 2017 ein bescheidenes, aber stabiles Wachstum. Gemäss BAK-Basel-Chef Martin Eichler legt die Zentralschweiz leicht überdurchschnittlich zu.
Rainer Rickenbach
Martin Eichler, Chefökonom BAK Basel Economics. Bild: PD

Martin Eichler, Chefökonom BAK Basel Economics. Bild: PD

Hat die Schweizer Wirtschaft den Frankenschock vom Januar 2015 verdaut?

Im Grossen und Ganzen hat die Wirtschaft den Frankenschock überwunden. Es bestehen natürlich Unterschiede, nicht alle Unternehmen und Branchen kommen mit 1.10 Franken für 1 Euro gleich gut zurecht. Ich denke dabei etwa an das Gastgewerbe, das erheblich zu kämpfen hat. Doch vor allem in der Güter exportierenden Wirtschaft nutzt die Mehrheit der Firmen die Möglichkeiten, sich gegen Währungsunwägbarkeiten abzusichern. Sie kommt so immer besser mit dem Wechselkursniveau zurecht.

Sie haben die Prognosen der Schweizer Wirtschaft für das kommende Jahr auf 1,7 Prozent nach oben geschraubt. Woher nehmen Sie diese Zuversicht?

Nun, bei 1,7 Prozent Wachstum wachsen die Bäume noch nicht in den Himmel. Für die leicht verbesserten Aussichten spricht jedoch beispielsweise, wie die Pharmaindustrie wieder stärker wächst und andere mitzieht. Zu Sorgen Anlass geben aber die zurückhaltenden Investitionen der Firmen. Ursache sind einerseits die unterdurchschnittlich ausgelasteten Kapazitäten in den Betrieben, die keine Ausbauten notwendig machen. Andererseits kommen die Unsicherheiten hinzu, welchen die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und die Volksabstimmung über die Unternehmenssteuerreform III mit sich bringen. Beide sind für die Wirtschaft von zentraler Bedeutung und erschweren die Planung.

Welche Richtung schlägt die Weltwirtschaft ein?

Die Weltwirtschaft stabilisiert sich und wächst leicht dynamischer. Sie bietet keine ausserordentlichen Chancen. Für die geografisch breit aufgestellte Schweizer Exportwirtschaft ist das dies jedoch trotzdem eine gute Nachricht.

Was erwarten Sie für die wichtigsten Exportmärkte der Schweiz?

In der EU ist eine Festigung auf vergleichsweise tiefem Niveau im Gange – immerhin zeichnen sich keine neuen Schockwellen ab. In den USA herrscht momentan viel Unsicherheit wegen der Präsidentschaftswahlen. Doch der Arbeitsmarkt tendiert weiter in Richtung Vollbeschäftigung und das Wirtschaftswachstum dürfte auf über 2 Prozent zu liegen kommen. In China hat sich die Lage beruhigt, alles deutet dort auf ein solides, aber geringeres Wachstum hin. Auch die meisten andern Emerging Markets erholen sich dank der steigenden Rohwarenpreise.

Wird es in der Schweiz wieder die Pharmabranche sein, die im kommenden Jahr durchstartet?

Sie bleibt auf jeden Fall ein grosser Wachstumstreiber. Ihr Anteil am gesamten Güterexport beziffert sich inzwischen auf 40 Prozent. Die Zukunftschancen der Schweizer Pharmaindustrie sind gut, denn sie ist in der Forschung und Entwicklung gut aufgestellt und weltweit wächst der Mittelstand, der sich ihre Produkte leisten kann. Sie dürfte in den kommenden Jahren um jeweils 3 bis 4 Prozent zulegen.

Welche Aussichten bieten sich der Uhrenindustrie?

Die Uhrenindustrie litt im Gegensatz zur Maschinenindustrie nicht so stark unter dem starken Franken, sondern mehr unter der vorübergehenden wirtschaftlichen Schwäche in China. Da zeichnet sich eine Entspannung ab. Doch die Uhrenhersteller müssen innovativer werden. Denn auch im Luxussegment werden die «Smart Watches» den Markt wohl verändern.

Ist im Tourismus das Tal der Tränen endlich durchschritten?

Der Frankenschock traf die Tourismusbranche in einer ohnehin schon schwierigen Situation und bescherte ihr ein schlechtes 2015 und ein noch schlechteres 2016. Hinzu kommen weltweit neue Reisegewohnheiten, die zahlreiche Alternativen zu Berg- und Wintersportorten bieten. Selbst beim beliebten Städtetourismus schneidet die Schweiz im Wettbewerb mit den andern europäischen Städten unterdurchschnittlich ab. Immerhin dürfte für die Branche 2017 der Schrumpfungsprozess zu Ende gehen, ihr Wachstum bleibt aber trotz einzelner Leuchtturmprojekte auch in den kommenden Jahren hinter dem Schweizer Durchschnitt zurück. Lichtblicke bilden die neuen Resorts wie in Andermatt und auf dem Bürgenstock. Sie machen deutlich, in welche Richtung die Umstrukturierung geht.

Die Zahl der asiatischen Gäste ist rückläufig. Wie geht es weiter?

Die Flaute wird vorübergehen. Der ganze asiatische Raum bleibt ein Wachstumsmarkt. Die Ursachen für den Rückgang sind in China Sondereffekte wie etwa die biometrischen Pässe, mit denen die chinesischen Touristen vor Europareisen nun die wenig zahlreichen Visa-Abgabestellen aufsuchen müssen. Zum andern dämpfte in China die unsichere Konjunktur die Reiselust. Nun zeichnet sich eine wirtschaftliche Stabilisierung ab. Die Schweiz tut indes gut daran, Indien ebenfalls im Auge zu behalten, auch dieser Markt birgt ein sehr grosses Wachstumspotenzial in sich.

Wächst die Zentralschweiz nach einem eher durchzogenen Jahr wieder überdurchschnittlich?

Die Zentralschweiz hatte, wie sich jetzt zeigt, bereits 2015 ein starkes Wachstum von über 3 Prozent. Grund dafür ist der Rohwarenhandel, der nebst Genf in Zug eine wesentliche Rolle spielt und trotz der tiefen Preise boomte. Abgesehen davon entwickelte sich die Region im kommenden Jahr solide und leicht über dem Schweizer Durchschnitt. Die Industrie und der Fahrzeugbau mit den Pilatus-Flugzeugwerken stecken in einer starken Phase. Der Bau verliert zwar etwas an Schwung, bewegt sich aber immer noch auf einem gutem Niveau. Die Tourismusprojekte Bürgenstock und Andermatt sind für die Standortkantone Nidwalden und Uri hilfreich. Für die ganze Region erwarten wir im nächsten Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 1,8 Prozent.

Welche Branchen haben es schwer?

Das Gastgewerbe, das abseits des asiatischen Touristenstroms beheimatet ist, wird es weiterhin schwer haben. Vor allem für Zug und Schwyz wäre zudem ein Nein des Volkes zu Unternehmenssteuerreform III ein zweischneidiges Schwert. Dann drohen die Privilegien für ausländische Holdingsgesellschaften ohne besondere Massnahmen wie Steuersenkungen und Patentboxen zu entfallen. Die entsprechenden Gesellschaften könnten der Schweiz den Rücken kehren, den Kantonen entgingen dadurch hohe Steuereinnahmen. Möglich ist jedoch auch, dass die Holdinggesellschaften dann in den Zentralschweizer Kantonen mit den tiefen Unternehmenssteuern Zuflucht suchen. Wie es herauskommt, hängt auch von der noch nicht absehbaren Entwicklung des internationalen Steuerumfelds ab.

Zeichnen sich innerhalb der Region grosse Wachstumsunterschiede ab?

In Zug dürfte der Rohwarenhandel derzeit noch einmal für starke Wachstumsimpulse sorgen, 2018 werden sie aber verpuffen. Ob- und Nidwalden wachsen eher über dem schweizerischen Durchschnitt; Luzern, Schwyz und Uri etwas weniger. Die Unterschiede halten sich aber in engen Grenzen.

Rainer Rickenbachrainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

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