Projekt «Helvetia»
Wo der E-Franken Realität werden könnte

Digitales Zentralbankgeld besteht Test als Mittel zur Abwicklung von Grosstransaktionen im Schweizer Finanzsystem.

Daniel Zulauf 1 Kommentar
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Die Nationalbank will Transaktionen mit digitalisierten Vermögenswerten ermöglichen.

Die Nationalbank will Transaktionen mit digitalisierten Vermögenswerten ermöglichen.

Anthony Anex / KEYSTONE

Die Digitalisierung des Geldsystems nimmt unaufhaltsam ihren Lauf. Im Kontext eines Innovations-Hubs, den die Nationalbank 2019 in Zusammenarbeit mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gestartet hatte, werden verschiedene Experimente durchgeführt, wie und in welcher Form Transaktionen mit digitalisierten Vermögenswerten im bestehenden Finanzsystem rechtlich möglich sind und praktisch durchgeführt werden können.

Unter dem Projektnamen «Helvetia» hat die Nationalbank in Zusammenarbeit mit der Börsen- und Finanzmarktinfrastrukturbetreiberin Six sowie fünf Geschäftsbanken und mit Hilfe der BIZ nun nachgewiesen, dass digitales Zentralbankgeld zur Abwicklung von Transaktionen innerhalb der bestehenden Infrastruktur und den IT-Systemen der Banken möglich ist.

Experimente werden fortgesetzt

Zu den konkreten potenziellen Anwendungsfeldern von digitalem Notenbankgeld gehört die die Plattform Swiss Digital Exchange (SDX) der Six, auf der tokenisierte Vermögenswerte gehandelt werden können. Tokenisierung ist eine Form von Verbriefung oder elektronischen Stückelung von Vermögenswerten, die auf der sogenannten Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert. Mit der DLT-Technologie werden Transaktionen einem Journal ähnlich in elektronischer Form dokumentiert und gespeichert.

Die SDX ist in beschränktem Rahmen bereits operativ, wobei die Abwicklung der Transaktionen bislang über Zwischenschritte erfolgen muss. Die Nationalbank könnte die Funktionsweise der digitalen Börse mit der Ausgabe von digitalem Zentralbankgeld zu Handen von Finanzinstituten (wholesale CBDC) erheblich erleichtern und beschleunigen. Die Experimente werden ergebnisoffen fortgesetzt.

Kein Gehör hatte die Nationalbank bislang für die Idee, digitales Zentralbankgeld im breiten Publikum zu verankern. Die Schaffung eines E-Frankens könnte Sparer dazu verleiten, ihre Gelder direkt bei der Nationalbank anzulegen, was das bestehende Finanz- und Bankensystem destabilisieren würde.

1 Kommentar
Andreas Morello

Ein durch die SNB für alle Einwohner ausgegebener E-Franken würde meines Erachtens nicht zwangsläufig dazu führen, dass die Geschäftsbanken destabilisiert würden. Zumindest nicht, solange die SNB nicht gleichzeitig auch in den Retail- und Firmenmarkt einsteigt und selbst Hypothekarkredite vergibt.

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