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PTT-Erben in Nöten

Eva Novak, Chefreporterin «Zentralschweiz am Sonntag», zu den aktuellen Problemen bei Post und Swisscom.
Eva Novak
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Post und Swisscom: Die beiden Nachfolger der Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe PTT sorgen diese Woche für Negativschlagzeilen. Ziemlich genau 20 Jahre nach Auf­teilung des ehemaligen Flaggschiffs des Bundes trifft es ausgerechnet dessen Erben. Die Post-Tochter Postauto ertrickste sich Subventionen in Millionenhöhe; die Swisscom kämpft mit Datenklau und Störungen.

Dass es beide fast gleichzeitig getroffen hat, ist Zufall. Kaum zufällig ist hingegen, dass ausgerechnet diese zwei bundesnahen Betriebe gröbere Probleme bekunden. Das hängt mit der dominanten Marktposition von Postauto und Swisscom zusammen.

Anders als ihre Vorgängerin sind sie zwar keine Monopolistinnen, zumindest nicht mehr auf der ganzen Linie. Allerdings wurden beide Unternehmen von der Politik mit Wettbewerbsvorteilen in den freien Markt entlassen. Von diesen profitieren sie zwar bis heute, zugleich aber machen sie diese anfälliger.

Die Mischform der staats­nahen Betriebe stellt besonders hohe Ansprüche an ihre Führung. Obwohl privatwirtschaftlich organisiert, müssen sie dem Staat Gewinne abliefern. Anders als die rein private Konkurrenz sind sie nicht nur den Aktionären verpflichtet, sondern auch dem Steuerzahler. Weil sich deren Interessen teils widersprechen, kommt es zu Zielkonflikten.

Das zeigt sich exemplarisch an dem, was in den letzten Tagen ans Licht gekommen ist. Bei der Swisscom – dem nach bisherigen Informationen weniger gravierenden Fall – sind 800 000 Mobilfunkkunden von einem Datenleck bei einem Vertriebspartner betroffen. Gleichzeitig häufen sich seit Jahresbeginn die Störungen bei dem Telekomriesen, der lange als zuverlässigster Anbieter galt. Vor ähnlichen Problemen ist die private Konkurrenz zwar auch nicht gefeit. Doch nehmen diese kaum ein derartiges Ausmass an, und die Öffentlichkeit schaut nicht so genau hin.

Gefragt wäre da eine offene und professionelle Kommunikation, die man der Swisscom aber nicht zusprechen kann. Schon bei den Störungen fühlten sich die Kunden alleingelassen. Erst recht nach dem Datendiebstahl, über den so gut wie gar nicht informiert wurde.

Bei der Post wirkte die Kommunikation am Anfang zwar proaktiver. Doch der erste positive Anschein ist rasch dem Eindruck gewichen, dass das Problem während Jahren bekannt war, aber niemand von den Verantwortlichen beim Unternehmen und bei den politischen Behörden genau hinschauen wollte. Namentlich die Postchefin erscheint in wenig vorteilhaftem Licht.

Besonders bitter ist, dass rund um die Postautos gemauschelt worden ist – auch sie ein Sinnbild der Zuverlässigkeit. Mehr noch als die SBB-Züge stehen sie für den nationalen Zusammenhalt, weil sie bei Wind und Wetter ins abgelegenste Dorf im hintersten Tal fahren und es mit dem Rest des Landes verbinden.

Postautochauffeure gelten als überdurchschnittlich gute Fahrer und geniessen ein hohes Ansehen. Sie schaffen es, auch in den schwierigsten Situationen den Überblick zu behalten und ihre Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Dieses Geschick vermisst man bei ihrer obersten Führung. Man wünscht ihr, dass sie den Karren auch bei schlechtem Wetter kutschieren und aus dem Dreck ziehen kann. Den Beweis dafür ist sie indessen bis jetzt schuldig geblieben.

Eva Novak

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