Verluste vor Parlamentsdebatte
Putin: Zypern-Abgabe ist «unfair, unprofessionell und gefährlich»

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eindringlich vor der Verabschiedung der geplanten Zypern-Sonderabgabe gewarnt. Diese Abgabe in der vorgeschlagenen Form sei «unfair, unprofessionell und gefährlich», sagte ein Sprecher Putins.

Matthias Niklowitz
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Geplante Zypern-Abgabe ist gemäss Präsident Putin unfair.

Geplante Zypern-Abgabe ist gemäss Präsident Putin unfair.

Keystone

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eindringlich vor der Verabschiedung der geplanten Zypern-Sonderabgabe gewarnt. Diese Abgabe in der vorgeschlagenen Form sei "unfair, unprofessionell und gefährlich", sagte ein Sprecher Putins am Montag nach einem Sondertreffen zu dem Thema. Viele Russen haben ihr Geld in Zypern angelegt.

Das Parlament in Zypern soll im Laufe des Tages über das europäische Rettungspaket für das Land abstimmen. Besonders strittig ist dabei die geplante Zwangsabgabe aller Kontoinhaber in Zypern, die dadurch an der Bankenrettung beteiligt werden sollen. Der russische Vize-Finanzminister Anton Schatalow plädierte unterdessen dafür, nur die Zinserträge extra zu besteuern.

Zypern setzt neben den EU-Hilfen auch auf Unterstützung von Russland. EU-Vertreter hatten gesagt, sie rechnen damit, dass Russland seinen Kredit im Volumen von 2,5 Mrd. Euro an den verschuldeten Inselstaat um fünf Jahre bis 2021 verlängert und möglicherweise seine Konditionen neu verhandelt.

Börsen tauchen

Die Aktienbörsen in Europa haben am Montagvormittag durchwegs negativ auf die Entwicklung in Zypern reagiert. Durch das Land sei die Eurokrise wieder in das Bewusstsein gerückt, hiess es aus Börsenkreisen. Am Dienstag wird das zypriotische Parlament voraussichtlich über die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen befinden. Laut Agenturmeldungen wird die Regierung einen Vorschlag präsentieren, der die auf Sparkonten lagernden Vermögen unter 100000 Euro niedriger belastet. Im Gegenzug sollen die Vermögen über 100000 Euro stärker für die Rettung des Bankensystems und der zypriotischen Staatskasse herangezogen werden.

Börse Schweiz: Abgaben um 1 Prozent

An der Schweizer Börse hielten sich die Kursrückgänge in Grenzen. Am meisten unter Druck kamen die Aktien von Banken und Versicherungen. Auch die Aktien von Luxusgüterfirmen wie Swatch oder Richemont verbilligten sich überdurchschnittlich. Stabilisierend wirkten die beiden defensiven Indexschwergewichte Nestlé und Novartis.

Börse Europa: Banken unter Druck

Die im EuroStoxx-50-Index zusammengefassten grosskapitalisierten europäischen Werte hielten sich unterschiedlich: Banken und Versicherungen aus den Euro-Mittelmeerländern fielen zwischen 2,5 und 5 Prozent. Die Aktien der italienischen Vertreter Unicredit und Intesa Sanpaolo sowie der beiden französischen Grossbanken Société Générale und BNP Paribas litten am meisten. Auch die Aktien von vergleichsweise robusten Finanzdienstleistern wie Allianz, Axa und Munich Re fielen um mehr als 1,8 Prozent. Kaum Verluste gab es bei defensiven Werten wie Unilever, AB Inbev, Danone und L’Oreal. Auch bei LVMH, dem französischen Luxusgüterkonzern und Konkurrenten von Richemont und Swatch, hielten sich die Abgaben in Grenzen.

Euro: Anfangsverluste teilweise aufgeholt

Nachdem der Euro im Morgenhandel zunächst gegenüber dem japanischen Yen und dem US-Dollar deutlich an Boden verloren hatte, erholten sich die Notierungen bis Mittag wieder. Auch gegenüber dem Franken stabilisierten sich die Kurse. Der Dollar stieg bis Mittag um 0,9 Prozent. Gegenüber dem Franken fiel der Euro um 0,2 Prozent.

Weil die Schweizerische Notenbank den Eurokurs über der 1.20-Franken-Grenze hält, macht der Franken die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und dem Yen praktisch voll mit.

Obligationen: Bundesobligationen steigen wieder

Der SBI Bundesobligationenindex steig um 0,3 Prozent. Anleger flüchten wieder in die praktisch zinslosen schweizerischen Bundesobligationen. Um 0,5 Prozent verteuerte sich der deutsche Euro-Bund-Future. Der Future mit Verfall Dezember 2013 steig um 2,1 Prozent. Auch hier zeigt sich laut Kommentatoren eine Flucht der Anleger in die Sicherheit.

Gold: Etwas teurer

An den Edelmetallmärkten gab es eine gespaltene Entwicklung. Gold, die klassische Krisenwährung, verteuerte sich in London um 0,6 Prozent auf 1603 Dollar pro Unze. Laut Analysten war der Goldpreis seit 2010 jedesmal gefallen, wenn sich die Eurokrise massiv zugespitzt hatte. Grund waren Verkäufe von Investoren, die aus dem Edelmetall in die liquideste Anlage überhaupt, den US-Dollar gewechselt hatten. Im Schlepptau des Goldes verteuerte sich auch das Silber.

Umgekehrt fiel der Preis von Platin deutlich. Das Minus von 1,7 Prozent lässt sich laut Analysten mit einer Furcht vor einem schwächeren weltweiten Autoabsatz begründen. Platin ist für die Herstellung von Autokatalysatoren überaus wichtig.

Grund für den fallenden Platinpreis ist laut Analysten die Einführung einer Immobiliensteuer in China. Diese soll die steigenden Wohnkosten in urbanen Gebieten bremsen. Laut Analysten machen sich Befürchtungen breit, dass damit auch die Nachfrage nach Autos zurück gehen könnte.