Putzmaschinenhersteller Aebi Schmidt kehrt Hochdorf den Rücken

Die ehemalige Maschinenfabrik Hochdorf macht Ende Jahr dicht. Sieben Stellen gehen verloren. Noch vor zehn Jahren waren bei Aebi Schmidt in Hochdorf 70 Personen beschäftigt.

Maurizio Minetti
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Als in Hochdorf noch Putzmaschinen produziert wurden: Ein Fahrzeug der ehemaligen Maschinenfabrik Hochdorf MFH aus dem Jahr 2007. (Bild: Markus Forte, Hochdorf, 24. April 2007)

Als in Hochdorf noch Putzmaschinen produziert wurden: Ein Fahrzeug der ehemaligen Maschinenfabrik Hochdorf MFH aus dem Jahr 2007. (Bild: Markus Forte, Hochdorf, 24. April 2007)

In Hochdorf geht ein Stück Industriegeschichte zu Ende. Aebi Schmidt, der Berner Hersteller von Landmaschinen und Kehrfahrzeugen, schliesst sein Service-Zentrum in Hochdorf. Firmensprecher Thomas Schiess bestätigte gegenüber unserer Zeitung die Schliessung des Standortes im Verlauf dieses Jahres. Intern habe man bereits letztes Jahr darüber informiert. In Hochdorf beschäftigt Aebi Schmidt heute noch sieben Personen, die künftig im bernischen Burgdorf arbeiten werden.

Als Begründung für die Verlagerung gibt das Unternehmen an, dass man das Service-Angebot verbessern wolle und durch die Zentralisierung in Burgdorf dafür Synergien nutzen könne. In Burgdorf habe man in das Servicezentrum investiert und den Mietvertrag kürzlich um zehn Jahre verlängert.

Die Hochdorfer Gemeindepräsidentin Lea Bischof-Meier bedauert den Wegzug: «Grundsätzlich ist jeder Arbeitsplatz, der verloren geht, einer zu viel. Eine Ära geht damit definitiv zu Ende.»

Einst Nummer eins in der Schweiz

Aebi Schmidt war 1998 mit dem Kauf der Maschinenfabrik Hochdorf (MFH) zu dem Standort gekommen. Die Vorgängerfirma hatte in Hochdorf 1905 mit der Produktion von Schokoladenmaschinen und Zuckermühlen begonnen. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sie dann Geräte für die Landwirtschaft herzustellen.

1973 diversifizierten die Hochdorfer in den Bereich der Kommunalfahrzeuge – mit Erfolg. Mehrere Jahrzehnte lang galt MFH als Nummer eins unter den Herstellern von Strassenputzmaschinen. Ende der Neunzigerjahre hatte MFH den Umsatz mit Kehrmaschinen innerhalb von vier Jahren verdreifacht. Die Sparte mit 40 Beschäftigten erwirtschaftete im Jahr der Übernahme durch Aebi Schmidt einen Umsatz von 16 Millionen Franken.

Aebi Schmidt könnte an die Börse kommen

Zehn Jahre später – die Belegschaft war auf knapp 70 angewachsen – verkündete Aebi Schmidt aber die Verlagerung der Produktion von Hochdorf nach Deutschland. «Die Fabrik steht auf abschüssigem Gelände. Die Höhenabstufungen sind ungünstig für den Fertigungsablauf», begründete die Aebi-Schmidt-Führung 2008 den Entscheid. 

Seitdem werden in Hochdorf keine Kehrmaschinen mehr hergestellt. Zunächst fungierte der Hochdorfer Standort als Service- und Vertriebszentrale. Vor vier Jahren zügelte Aebi Schmidt auch den Vertrieb nach Burgdorf. Heute wird in Hochdorf nur noch Service angeboten.

Aebi Schmidt gehört mehrheitlich dem Stadler-Rail-Patron Peter Spuhler. Die «Handelszeitung» berichtete vor zwei Wochen, dass Aebi Schmidt in zwei oder drei Jahren an die Börse gehen könnte. Die Firmengruppe dürfte den Schätzungen zufolge dieses Jahr eine halbe Milliarde Euro umsetzen.