Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

RAIFFEISEN: Affäre um Pierin Vincenz: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist überhaupt passiert? Was wird Pierin Vincenz vorgeworfen? Was hat die Raiffeisen damit zu tun? - Neun Fragen und neun Antworten zum Fall Vincenz.
Zurzeit sitzt Ex-Chef der Raiffeisen-Gruppe Pierin Vincenz in Untersuchungshaft. (Bild: Keystone)

Zurzeit sitzt Ex-Chef der Raiffeisen-Gruppe Pierin Vincenz in Untersuchungshaft. (Bild: Keystone)

Thomas Griesser Kym/Tim Naef

Was ist passiert?

  • Die Zürcher Justiz steckt den einst gefeierten Raiffeisen-Chef und ehemaligen Aduno-Verwaltungsratspräsidenten Pierin Vincenz in Untersuchungshaft. Sie wirft Vincenz ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Auslöser des Strafverfahrens ist eine Anzeige der Aduno-Gruppe vom Dezember 2017. Nach Bekanntwerden der Untersuchungen reichte Raiffeisen ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef ein. Zuvor hatte bereits die Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen Vincenz ermittelt, das aufsichtsrechtliche Zwangsverfahren aber im Dezember 2017 eingestellt.
  • Am gestrigen Donnerstag ist der Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm per sofort von seinem Amt zurückgetreten ().

Was wird Pierin Vincenz genau vorgeworfen?

  • Vincenz soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und Raiffeisen Schweiz ein doppeltes Spiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Dabei geht es um den Vorwurf der persönlichen Bereicherung. Vincenz bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was bedeutet ungetreue Geschäftsbesorgung im Fall Vincenz?

  • Vincenz soll sich an der Herisauer Investmentgesellschaft Investnet heimlich via Strohmänner beteiligt und diese verdeckten Treuhandgeschäfte vor Raiffeisen verborgen gehalten haben. Später kaufte Raiffeisen Investnet, wobei Vincenz persönlich abkassiert haben soll. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen unter Ex-Präsident Johannes Rüegg-Stürm will von alledem nichts gewusst haben. Auch Vincenz’ langjährige rechte Hand und sein Nachfolger als Raiffeisen-Chef, Patrik Gisel, gab sich bisher unwissend. Inzwischen verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass Gisel zumindest in Teilen von Vincenz’ Transaktionen wusste oder davon hätte wissen müssen. Weiter geht es um den Fall Aduno. Das Unternehmen hat 2007 die Commtrain Card Solutions übernommen. Zwei Jahre später wurde diese mit Aduno, die zu gut einem Viertel von Raiffeisen kontrolliert wird, fusioniert. Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht, dass sich Vincenz 2007, damals Verwaltungsratspräsident von Aduno, im Vorfeld der Transaktion privat an Commtrain beteiligt und dann ebenfalls Kasse gemacht hat.

Weshalb hat die Finma das Verfahren eingestellt?

  • Die Finma eröffnete im Oktober 2017 ein sogenanntes Enforcementverfahren (Zwangsverfahren). Untersucht wurden insbesondere Interessenkonflikte rund um Pierin Vincenz. Im Dezember wurde dieses Verfahren dann eingestellt. Dieses sei gegenstandslos geworden, nachdem Vincenz entschieden habe, von seinen Führungsfunktionen (Verwaltungsratspräsident der Helvetia) bei beaufsichtigten Instituten zurückzutreten und künftig auf solche zu verzichten, schreibt die Finma in der abschliessenden Medienmitteilung.

Was droht Pierin Vincenz?

  • Wer sich der vorsätzlichen ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig macht, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB)

Bin ich als Raiffeisen- oder Aduno-Kunde betroffen?

  • Hier ist die Antwort einfach: Nein.

Womit muss noch gerechnet werden?

  • Der Fall Vincenz hat das Zeug, sich zu einem Fall Raiffeisen auszuweiten. Unter Druck stehen Patrik Gisel als Vincenz’ früherer Vize und heutiger Raiffeisen-Chef sowie der Verwaltungsrat. Diesem wird von Experten wie dem Berner Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz vorgeworfen, er habe seine Aufsicht über Bankchef Vincenz nicht wahrgenommen. Zudem verfüge der Verwaltungsrat über zu wenig Bankwissen und zu wenig Kompetenz in Sachen Recht und Compliance.

Was hat Vincenz’ Frau mit der Sache zu tun?

  • Als Pierin Vincenz im September 2015 als CEO der Raiffeisen-Gruppe abtrat, wurde gleichzeitig seine Frau, Nadja Ceregato, in die erweiterte Geschäftsleitung berufen. Zudem war sie noch während Vincenz’ Amtszeit Leiterin der Rechtsabteilung, musste also ihrem Mann bei geschäftlichen Entscheiden juristisch auf die Finger schauen. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagte Ex-Raiffeisen-Präsident Johannes Rüegg-Stürm, dass dies «rückblickend betrachtet eine unglückliche Konstellation» war. Ob dies auch die Finma kritisiert hat, wollte Rüegg-Stürm aber nicht sagen. Er gibt jedoch zu, dass die Kontrollmechanismen durchaus mangelhaft waren. Zurzeit befindet sich Ceregato in einem Sabbatical. Wie erst kürzlich bekannt wurde, wird sie höchstwahrscheinlich nicht mehr zur Raiffeisen-Gruppe zurückkehren.

Weshalb hat auch die Raiffeisen-Group ebenfalls Anzeige erstattet?

  • In einer ersten Medienmitteilung begründet die Raiffeisen-Gruppe ihren Entscheid wie folgt: «Das Unternehmen (Raiffeisen) nimmt die neuen Indizien der Staatsanwaltschaft Zürich zum Anlass, auf eine juristische Aufklärung aller Vorgänge in der Vergangenheit zu drängen.» Deshalb habe man beschlossen, dem bereits laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft als Privatklägerin beizutreten und Strafanzeige gegen Pierin Vincenz einzureichen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.