Raiffeisen will den Neuanfang besiegeln

Die Genossenschaft beschliesst eine Eignerstrategie und passt die Statuten an.

Daniel Zulauf
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Der Neuanfang der Raiffeisen Gruppe nach der Ära Pierin Vincenz hat längst begonnen. Heute Samstag soll er auf einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung in Zürich besiegelt werden. Die 169 Abgeordneten, welche die 229 rechtlich selbstständigen Raiffeisenbanken repräsentieren, befinden darüber, wie die stärkere Einbindung dieser Banken in Arbeit der St. Galler Zentrale zu regeln und wie der Interessensausgleich zwischen den Banken selbst zu verbessern ist.

Kurt Sidler. (Bild: David Agosta/Keystone)

Kurt Sidler. (Bild: David Agosta/Keystone)

Die Verabschiedung der Eignerstrategie erfolgt unter Leitung von Kurt Sidler, dem Verwaltungsratspräsidenten der Raiffeisenbank Luzern. Sidler ist zusammen mit Guy Lachappelle, dem Präsidenten von Raiffeisen Schweiz, seit Jahresbeginn im Rahmen der 15-köpfen Arbeitsgruppe «Reform 21» mit der Ausarbeitung entsprechender Vorschläge betraut. Die Delegierten haben diese bereits im Sommer mittels Konsultativabstimmungen im Grundsatz gutgeheissen. Im anschliessenden Vernehm­lassungsprozess in den Regionen wurden weitere Anregungen gesammelt.

Die Eignerstrategie legt fest, welche Aufträge die St. Galler Zentrale für die Raiffeisenbanken erfüllen und über welche Kanäle der Austausch stattfinden soll. Einige Massnahmen sind bereits im Stadium der Umsetzung. So führt eine Arbeitsgruppe derzeit eine ergebnisoffene Prüfung durch, ob die von Raiffeisen Schweiz direkt geführten Niederlassungen in städtischen Agglomerationen verselbstständigt werden sollen.

Zu besiegeln gibt es heute die Ein­führung eines Eignerausschusses, der als Sparringpartner für den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz fungieren soll. Diese Form des Austausches, sollen die Delegierten in ihrer Versammlung in den Statuen verankern. Ein institutionalisiertes und statutarisch festgelegtes Forum für den Austausch zwischen Raiffeisen Schweiz und legitimierten Vertretern der Raiffeisenbanken gab es bislang nicht.

Bestätigen soll die Delegiertenversammlung unter Leitung des Verwaltungsrates von Raiffeisen Schweiz auch den informell bereits im Juni gefassten Beschluss, die komplizierte Formel über die Mitbestimmungsrechte der Kassen an der Delegiertenversammlung durch ein simples «one bank one vote»-Prinzip zu ersetzen. Im Zug des Vincenz-Skandals hatte die Finanzmarktaufsicht die Raiffeisen aufgefordert, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zu prüfen. Der Verwaltungsrat verwarf die Idee und will stattdessen das Genossenschaftsmodell modernisieren.