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Raiffeisen Rigi betritt Neuland: Kunden und Genossenschafter werden für den Verwaltungsrat rekrutiert

Die Raiffeisenbank Rigi sucht neue Verwaltungsräte. Die Schwyzer gehen dabei einen ungewöhnlichen Weg.
Rainer Rickenbach
Eine der Generalversammlungen der Raiffeisenbank Rigi in der Zingelhalle Seewen. (Bild: Christoph Jud, 16. April 2018)

Eine der Generalversammlungen der Raiffeisenbank Rigi in der Zingelhalle Seewen. (Bild: Christoph Jud, 16. April 2018)

«Werden Sie Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Rigi.» So hat die Genossenschaftsbank mit Hauptsitz in Schwyz ihren Brief an Kunden und Genossenschafter betitelt, den sie in den zurückliegenden Tagen verschickte. Das ist ungewöhnlich, denn üblicherweise sucht der Verwaltungsrat seine neuen Ratskollegen selber. Die Kandidaturen der Neuen nickt die Generalversammlung dann meistens ab. Die Führung der Raiffeisenbank Rigi indes geht bei der Besetzung zweier Vakanzen gezielt auf ihre Genossenschafter zu.

«Wir betreten innerhalb der Raiffeisen-Gruppe Neuland. Das Potenzial an möglichen Kandidatinnen und Kandidaten ist bei unseren mehr als 17'000 Mitgliedern ohne Zweifel sehr gross. Wir sind überzeugt, mit diesem Vorgehen die genossenschaftlichen Werte auch zu leben», begründet Verwaltungsratspräsident Reto Purtschert die spezielle Aufforderung an die Genossenschafter.

Bank will vor allem Frauen zur Kandidatur ermuntern

Es reicht natürlich nicht, einfach auf der Mitgliederliste aufgelistet zu sein. Im Brief an die Genossenschafter sind eine Reihe von Qualifikationen aufgeführt, die Bewerber für das Strategiegremium mit sich bringen müssen. Sie reichen von betriebswirtschaftlichen Kenntnissen über Erfahrungen mit Organisationen in starkem Wandel bis hin zum Wohn- und Arbeitsort im Geschäftskreis der Bank.

Zudem soll der achtköpfige Verwaltungsrat weiblicher werden: «Bei vergleichbarer Qualifikationen werden Bewerbungen von Frauen bevorzugt», heisst es im Informationsschreiben. Verwaltungsratspräsident Purtschert: «Frauen möchten wir ganz besonders ansprechen und sie ermuntern, sich zu bewerben.» Heute sind zwei Frauen im Gremium vertreten. Nach mehreren Fusionen umfasst das Einzugsgebiet von Raiffeisen Rigi die Bezirke Küssnacht und Gersau, die Gemeinden Arth, Schwyz, Ingenbohl, Morschach, Sisikon, Greppen und Vitznau. Im ersten halben Jahr erzielte die Bank einen Gewinn von 1,5 Millionen Franken, die Kundeneinlagen belaufen sich auf 1,8 Milliarden Franken.

Noch ist nicht bekannt, welche beiden Verwaltungsräte sich im kommenden Frühling aus dem Führungsgremium ver­abschieden. «Bisher wurden die Verwaltungsratskandidaten eher zufällig aus dem Kreise der Genossenschafter oder dem Netzwerk der Verwaltungsräte angesprochen. Vereinzelt haben sich auch Interessenten bei der Bank gemeldet», blickt Verwaltungsratspräsident Purtschert zurück. Die Rekrutierung soll sich neu nicht mehr nur näher an der Basis vollziehen, sondern auch professioneller werden. «Unsere Bank gehört mittlerweile zu den grössten innerhalb der Raiffeisen-Gruppe. Zudem haben die Anforderungen an die Verwaltungsräte in den letzten Jahren stets zugenommen», begründet er. Als Erstes können nun Interessenten aus der Genossenschaft und deren Beziehungsnetz ihr Interesse bekunden. Später werden die beiden vakanten Sitze öffentlich ausgeschrieben, damit sich auch Leute bewerben können, die noch keine Berührungspunkte mit der Raiffeisenbank Rigi haben. «Das tun wir im Sinne einer umfassenden Transparenz», so Purtschert.

Jährlich elf Sitzungen des Verwaltungsrates

Der Verwaltungsrat von Raiff­eisen Rigi tagt in der Regel elfmal im Jahr. Hinzu kommen ­diverse Sitzungen in verschiedenen Zusammensetzungen, Klausurtagungen sowie der Vorbereitungsaufwand. Mit wie viel Geld wird das Engagement entschädigt? Purtschert: «Da wir uns dem genossenschaftlichen Denken und Handeln verpflichtet fühlen, bewegt sich die Entschädigung eines Verwaltungsrates in einem sehr moderaten Rahmen.»

Zumindest bei der Raiff­eisen Schweiz deutet viel darauf hin, dass die Bankführung während der Ära Vincenz den genossenschaftlichen Gedanken nicht sonderlich ernst nahm, und nebenbei lukrative Privatgeschäfte betrieb. Bemüht sich die Raiffeisen in der Innerschweiz nun, den Reputationsschaden zu mindern? Purtschert winkt ab: «Unser Vorgehen hat mit den Vorgängen bei Raiffeisen Schweiz keinen Zusammenhang. Unsere Genossenschafter haben das Vertrauen in unsere Bank nie verloren. Im Gegenteil, wir konnten in letzter Zeit eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder und Kunden gewinnen.»

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