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Raiffeisenverbände machen Druck

Der Verwaltungsrat der drittgrössten Schweizer Bank wird fast vollständig neu besetzt. Die Regionalverbände von Raiffeisen stellen dabei klare Forderungen.
Roman Schenkel
Nach den Turbulenzen der letzten Monate kommt es bei der Raiffeisen zum grossen Umbruch: Filiale am Limmatquai in Zürich. (Gaëtan Bally/Keystone, 18. April 2018)

Nach den Turbulenzen der letzten Monate kommt es bei der Raiffeisen zum grossen Umbruch: Filiale am Limmatquai in Zürich. (Gaëtan Bally/Keystone, 18. April 2018)

Beim Aufsichtsgremium von Raiffeisen kommt es in den nächsten zwei Jahren zum fast kompletten Umbruch. 9 von 11 Verwaltungsmitglieder treten bis dann zurück. Bis auf Übergangspräsident Pascal ­Gantenbein, der nach dem Rücktritt des angeschlagenen Präsidenten Johannes Rüegg-Stürm Anfang März das Ruder übernahm, und Olivier Roussy werden bis 2020 alle anderen Mitglieder des Gremiums ihre Posten aufgeben.

Die Suche nach möglichen Mitstreitern bei der Aufräumaktion ist in vollem Gange. Klar ist, dass die regionalen Verbände ein gewichtiges Wort bei der Besetzung des obersten Leitungsgremiums mitreden. «Wir haben Pascal Gantenbein deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Regionalverbände und die einzelnen Genossenschaftsbanken als eigentliche Eigentümer von Raiffeisen Schweiz ernst genommen werden müssen», sagt Kurt Sidler, Präsident des Raiffeisen-Regionalverbandes Luzern, Ob- und Nidwalden. «In der Vergangenheit hat die Raiffeisenspitze zu wenig auf uns gehört», sagt Sidler, der zudem bis 2021 den Vorsitz der 21 Schweizer Raiffeisenverbände innehat.

«Nachhaltig enttäuscht und verärgert»

Nach Gesprächen mit Gantenbein, aber auch mit CEO Patrik Gisel hat er den Eindruck, dass die Botschaft der Verbände angekommen ist. In den Regionen sei man zwar «nachhaltig enttäuscht und verärgert» über die Affäre rund um den ehemaligen CEO Pierin Vincenz, die Krise biete nun aber die Chance, die falsche Entwicklung der Vergangenheit zu stoppen. «Wir sind keine Grossbank, welche den Gewinn maximieren muss. Wir sind in erster Linie für unsere Mitglieder da», stellt Sidler klar. Gantenbein ist erst 2017 in den Raiffeisen-Verwaltungsrat gewählt worden. Entsprechend befreiter dürfte er die Aufarbeitung der Vincenz-Affäre und die Erneuerung anpacken können.

«In der Vergangenheit hat die Raiffeisenspitze zu wenig auf uns gehört»

Kurt Sidler, Präsident Raiffeisenverband Luzern, Nidwalden, Obwalden. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 10. April 2017)

Kurt Sidler, Präsident Raiffeisenverband Luzern, Nidwalden, Obwalden. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 10. April 2017)






















Die Verbände haben laut Sidler darauf gepocht, dass diese Erneuerung des Verwaltungsrats mit mehr Tempo als ursprünglich vorgesehen angegangen werden soll. Dabei wurden sie erhört. Gantenbein hat einen hohen Wechselrhythmus vorgeschlagen. Bereits an der Delegiertenversammlung am 16. Juni sollen zwei Posten neu besetzt werden. Der Wirtschaftsprüfer und Bankenexperte Rolf Walker und der Unternehmer Thomas Rauber sollen die wegen der Amtszeitbeschränkung abtretenden Edgar Wohlhauser und Werner Zollinger ersetzen. Ebenfalls abtreten wird Franco Taisch, der sich nicht mehr zur Wiederwahl stellt. Der Rechtsanwalt befand sich seit Mitte November im Ausstand und soll nicht mehr an den Verwaltungsratssitzungen teilgenommen haben. Ursache sind Vorgänge an der Universität Luzern, wo Taisch als ordentlicher Professor für Wirtschaftsrecht arbeitete und gleichzeitig als Direktor das Institut für Unternehmensrecht aufgebaut hat. Es gab eine Untersuchung wegen Interessenkonflikten.

Verwaltungsräte sollen aus eigenen Reihen kommen

An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung im Herbst 2018 werden weiter Daniel Lüscher und Urs Schneider aus dem Verwaltungsrat zurücktreten. An der ordentlichen Delegiertenversammlung im Juni 2019 werden Rita Fuhrer und Philippe Moeschinger demissionieren. Angelo Jelmini wird im Juni 2020 aus dem Verwaltungsrat zurücktreten.

Doch nicht nur beim Tempo, auch bei den Kandidaten stellen die Regionen klare Forderungen: «50 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder sollen aus den eigenen Reihen kommen», erklärt Sidler. Dadurch werde die Raiffeisenphilosophie im künftigen Verwaltungsrat klar verankert. Es gebe 250 Raiffeisenbanken mit je fünf Verwaltungsräten, «da werden wir sicher genügend fähige und gut ausgebildete Leute finden», sagt Sidler.

Ein weiteres Thema das den Verbänden auf dem Magen liegt, ist die Vergütung des Aufsichtsgremiums. Die kommunizierte Erhöhung um 40 Prozent ist bei den Genossenschaftern in der aktuellen Situation «ganz schlecht angekommen», so Sidler. Die Verbände fordern, dass der Verwaltungsrat zumindest die Erhöhung des Grundlohnes um 20 Prozent wieder rückgängig macht. «Wir sind die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz, von dem her müssen wir auch eine anständige Vergütung bezahlen», sagt Sidler. Diese soll aber den Raiffeisenkriterien entsprechen.

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