Raststaette
Raststätte: Pendler kommen – ausländische Gäste fehlen (noch)

Pendler zwischen den Zentren Zürich und Zentralschweiz sowie lokales Publikum nutzen die Autobahnraststätte in Affoltern oft. Was noch fehlt, sind die ausländischen Gäste, welche diese neue Reisemöglichkeit auf der Nord-Süd-Achse offenkundig noch nicht kennen.

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Raststätte: Pendler kommen – ausländische Gäste fehlen (noch)

Raststätte: Pendler kommen – ausländische Gäste fehlen (noch)

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Werner Schneiter

Bei der Autobahneröffnung am 13. November pilgerten am Tag der offenen Tür Hunderte zur Autobahnraststätte. Und auch in den folgenden Wochen blieb die Besucherfrequenz hoch. Das Publikum zeigte sich neugierig und besuchte vor allem das Restaurant. «Wir fragten uns, ob wir die Zwischengeschosse für nichts gebaut haben», sagt Raststätten-CEO Thomas Zweifel. Die Kaffeebars laufen inzwischen gut, ihr Umsatz liegt heute über dem erwarteten Durchschnitt. Und auch der Treibstoffverkauf zog an, als Autofahrende den verhältnismässig günstigen Benzinpreis realisiert haben.
Laut Thomas Zweifel zeigt das auf, dass Pendler und Mittelstreckenreisende die Raststätte stark nutzen - also jene Kategorie Gäste, die sich 5 bis 15 Minuten Zeit nimmt. Und schnell einmal verzeichnete die Raststätte ein Stammpublikum aus der Region, insbesondere über Mittag. «Das hat uns erstaunt. Dieses Segment ist inzwischen ein tragender Pfeiler, sorgt für eine Grundauslastung und zeigt, dass die Qualität stimmt», sagt Zweifel.
Auf der anderen Seite flachte das Geschäft in den Läden wie im Restaurant nach der Neugier-Phase ab. Die Monate Januar, Februar und März waren nicht besonders gut. Besser lief das Geschäft an Ostern, blieb aber ebenso hinter den Erwartungen.

Nord-Süd-Reisende fehlen
60 Prozent des Umsatzes wird laut Thomas Zweifel derzeit mit Pendlern erzielt, 10 Prozent mit den lokalen Gästen und 30 Prozent mit den Reisenden. «Beim internationalen Reiseverkehr sind wir noch weit vom Ziel entfernt. Dieser ist sehr wichtig, weil die Rastsuchenden auch essen. An einem guten Tag halten bei der Gotthard-Raststätte in Erstfeld mehr als 30 Busse, hier sind es zwei bis drei», fügt der CEO bei und nennt Gründe: Der Streckenabschnitt durchs Säuliamt ist nördlich der Schweiz noch nicht bekannt. Es gibt andere Möglichkeiten, in den Süden zu fahren. Es braucht mehr Zeit als erwartet, bis die gewünschten Frequenzen des Reiseverkehrs einsetzen. Die grosse Reisezeit steht jetzt vor der Türe. Und bis dann haben die Navigationsgeräte der in den Süden Reisenden vielleicht ein Update hinter sich...
Thomas Zweifel bleibt optimistisch: «Das Produkt Raststätte stimmt, die Faktoren stimmen. Der Trend ist positiv. Sie wird zur Erfolgsstory. Es wäre die erste in der Schweiz, bei der das nicht der Fall wäre - in welcher Zeit, das ist die Frage.»
Er verweist auch darauf, dass die Raststätte mitten in der Wirtschaftskrise und am Ende des Schweizer Autobahnbaus eröffnet worden ist. Letzteres ist ein Vorteil, weil die Raststätten-Erbauer Erfahrungszahlen zur Hand hatten. «Mit Ausnahme der Parkplätze werden wir in den nächsten fünf bis sechs Jahren keine Platzprobleme haben», ist Thomas Zweifel überzeugt.