RAV-Mitarbeiter schlagen Alarm
RAV-Mitarbeiter schlagen Alarm

Trotz steigender Arbeitslosenzahlen sei für die RAV Basel-Stadt ein Personalstopp verfügt worden. Mitarbeiter seien überlastet, was Auswirkungen auf die Arbeit habe. Bei der Amtsleitung sieht man dies anders.

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Keystone

Von Daniel Ballmer

«Die Verantwortlichen haben aus der letzten Rezession offensichtlich nichts gelernt - zulasten der Versicherten und der Angestellten.» Der Mitarbeiter will anonym bleiben, will seine Stelle nicht gefährden. Er hat vertieften Einblick in das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum RAV Basel-Stadt. Und er schlägt Alarm. Hauptvorwurf: Trotz Rezession stellt das Basler Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) vorerst keine weiteren Personalberater mehr an. Und dies, obwohl bis 2010 mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,6 auf 5 bis 6 Prozent gerechnet wird. Konkret entspricht dies einem Anstieg von 5100 auf rund 7000 Stellensuchende.

«Schon im vergangenen Herbst wurde zu spät Personal rekrutiert», heisst es aus den Reihen des RAV. Und: «Man braucht nicht Ökonom zu sein, um zu wissen, dass eine weltweite Finanzkrise sich auf die Realwirtschaft niederschlägt.» Das zu späte Aufstocken der Kapazitäten habe zu einer Überbelastung des RAV-Personals geführt; zumal noch 14 neue Personalberater hätten eingearbeitet werden müssen.

Weiter werde im Juni ein neues Betriebssystem eingeführt, das bei Tests «wesentlich versagt» habe und beim «bereits hoch belasteten» Personal zusätzliche Ressourcen in Anspruch nehmen werde. Unter dem Strich führe dies dazu, dass Versicherte nicht rechtzeitig zu ihren Taggeldern kämen. Auch werde die Dauer bis zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt verlängert, ist aus dem RAV zu hören. «Die Fristen bei der Anmeldung können schon jetzt nicht eingehalten werden.»

«Die Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt verlangen von uns allen hohe Flexibilität», entgegnet AWA-Leiter Hansjürg Dolder. «Und bei den steigenden Arbeitslosenzahlen erwarte ich, dass das Personal eben auch mehr leistet.» Dieses sei um 11 auf 69 Stellen aufgestockt worden, wovon aber noch nicht alle neuen Mitarbeiter ihre Arbeit aufgenommen haben. «Kann sein, dass sich derzeit einzelne Mitarbeiter überlastet fühlen.» Objektiv gesehen sollte die Belastung aber nicht allzu hoch sein, kommentiert Dolder. Das RAV Basel-Stadt habe im Verhältnis zu den Stellensuchenden 14 Prozent mehr Personal als der Schweizer Durchschnitt: «Hier wird also auf hohem Niveau geklagt.» Die Versicherten zumindest seien sicher nicht betroffen. Es gebe keine Verzögerungen bei den Taggeldern, betont Dolder. Im Gegenteil: «Wir zahlen derzeit schweizweit am schnellsten aus.»

Zurzeit reiche der Personalbestand aus, um die Stellensuchenden zu betreuen, ist AWA-Leiter Dolder überzeugt. «Wir erwarten aber jeweils im Herbst 2009 und 2010 nochmals einen Schub bei den Arbeitslosenzahlen.» Das AWA nehme alle zwei Monate eine Standortbestimmung vor. «Steigt die Arbeitslosenquote auf fünf bis sechs Prozent, ist das eine sehr hohe Zahl. Wir hatten aber bereits Mitte der 90er-Jahre ähnliche Zahlen.» Sollten die Prognosen eintreffen, werde das AWA im 2010 nochmals Personalberater rekrutieren. Der Personalbestand sei eben immer eine Gratwanderung. Dolder: «Wir können nicht zu viele Leute anstellen, dürfen aber auch nicht zu wenige beschäftigen.»

Beim RAV-Personal können diese Erklärungen die Gemüter nicht beruhigen. Werde erst 2010 nochmals zusätzliches Personal rekrutiert, sei dies viel zu spät. «Wegen Kündigungsfristen vergehen bis zur Einstellung meist nochmals drei Monate», erklärt ein Mitarbeiter. Auch müssten dann erneut Personalberater eingearbeitet werden - und dies in einer Zeit, in der die Arbeitslosenzahlen saisonalbedingt ohnehin jeweils stark ansteigen.

Zudem habe Dolder an der AWA-Vollversammlung von diesem Monat erklärt, dass in Basel-Stadt 1000 Leute von Kurzarbeit betroffen seien, und er davon ausgehe, dass diese alle entlassen würden. «Wie passt dies mit einem Personalstopp auf dem RAV zusammen?» Die Verantwortlichen würden sich «den aussergewöhnlichen Umständen einer weltweiten Rezession überhaupt nicht anpassen» und handelten zulasten von Versicherten und Angestellten.

Der Kanton Basel-Stadt spare beim RAV-Personal, wo er nur könne. Grund: Der Kostenplafonds, welcher der Bund den Kantonen abhängig von der Zahl Stellensuchender setzt. Personalkosten werden so vom Bund rückfinanziert. Stelle der Kanton aber zu viel Personal ein, müsse er dies aus dem eigenen Sack berappen. «Da will der Kanton Basel-Stadt keinerlei Risiken eingehen», heisst es aus den Reihen des RAV-Personals. Ganz anders beurteilt AWA-Leiter Hansjürg Dolder die Situation: «Wir schöpfen die Bundesmittel vollständig aus.» Unzufriedene Mitarbeiter aber beharren auf ihrer Meinung: «Der Personalbestand wird so immer zu knapp kalkuliert, weil der Kanton natürlich nicht extra zahlen will.» Und sie versichern, dass sie deswegen «viele Überstunden machen».

Unter dem Strich kann AWA-Leiter Dolder die Kritik nicht nachvollziehen, «auch wenn ich anerkenne, dass das RAV-Personal einen schwierigen Job macht». Selber sei er in letzter Zeit mit genannten Vorwürfen nicht konfrontiert worden. «Und ich erwarte eigentlich schon, dass solche Probleme intern gelöst werden.» Aus dem RAV wird entgegengehalten, dass sich die Amtsleitung zu wenig um das Personal kümmere. «Herrn Dolder haben wir bis jetzt in dieser einmaligen Krisensituation noch nie an der Front gesehen, wo er nachgefragt hätte, welche Probleme für Versicherte und Mitarbeiter bestehen, um rascher handeln zu können», sagt ein Mitarbeiter. «Bei einer dreiköpfigen Geschäftsleitung wäre dies wohl nicht zu viel verlangt.»