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Regionalmedien brauchen digitalen Kraftakt

Das garstige Umfeld der Printmedien prägte die GV der RMH Regionalmedien. Die Folge des Inserateschwundes sind Zusammenschlüsse wie CH Media.
Rainer Rickenbach
Felix Graf, Verwaltungsratspräsident der RMH Regionalmedien AG, an der Generalversammlung im Casino Luzern. (Roger Grütter, 7. Mai 2019)

Felix Graf, Verwaltungsratspräsident der RMH Regionalmedien AG, an der Generalversammlung im Casino Luzern. (Roger Grütter, 7. Mai 2019)

Warum gelingt es den Verlagen nicht, die in den Printausgaben verlorenen Werbeeinnahmen auf ihren Onlinekanälen wettzumachen? «Es sind gewaltige Verschiebungen im Gang. Etwa ein Viertel der gesamten Schweizer Werbeausgaben geht an Internetgiganten wie Google oder Facebook. Bei den Einnahmen aus den digitalen Kanälen sind es sogar mehr als 90 Prozent», sagte Felix Graf, Verwaltungsratspräsident der RMH Regionalmedien AG, am Dienstag an der von 120 Aktionären besuchten Generalversammlung im Casino Luzern.

Die RMH Regionalmedien gingen im vergangenen Jahr aus der Fusion zwischen den Holdings der «Luzerner Zeitung» und des «St. Galler Tagblatts» hervor. Mehrheitsaktionärin ist die NZZ, sie besitzt knapp 97 Prozent der RMH-Aktien. Die NZZ brachte im Oktober 2018 ihre regionale Tochtergesellschaft in das neue Gemeinschaftsunternehmen CH Media mit den AZ Medien ein. Die Aargauer und die Zürcher besitzen je 50 Prozent am Joint Venture CH Media.

CEO Axel Wüstmann an der Generalversammlung im Casino Luzern. (Roger Grütter, 7. Mai 2019)

CEO Axel Wüstmann an der Generalversammlung im Casino Luzern. (Roger Grütter, 7. Mai 2019)

Wie die «Luzerner Zeitung», das «St. Galler Tagblatt» und die «Aargauer Zeitung» als gemeinsames Unternehmen die Umwälzung in der Medienbranche angehen, erläuterte Gastredner Axel Wüstmann, CEO von CH Media. «Heute trägt die digitale Werbung nur 4 Prozent zu den Einnahmen bei. Wir müssen digitaler werden. Hätten wir mehr davon, würde es uns besser gehen», sagte er. Die Werbeeinnahmen aus den Printmedien machen zwar nach wie vor mehr als die Hälfte des Umsatzes aus, doch Rückgang und Margenerosion beschleunigen sich weiter.

Fokus auf regionale Inhalte

Der Kraftakt in den digitalen Kanälen ist eine der Stossrichtungen des zweitgrössten Zeitungsverlag der Schweiz. Die Fokussierung auf regionale Inhalte bildet eine weitere. «Mit grossen Unternehmen lassen sich die Veränderungen besser bewältigen. Wir haben den Vorteil, dass unsere Produkte bereits regional stark verankert sind. Es fand sich zusammen, was zusammengehört.» Der dritte strategische Eckpunkt hat eine Senkung des finanziellen Aufwandes zum Inhalt. Einsparungen von rund 45 Millionen Franken verspricht sich CH Media, indem das Unternehmen bis Ende des kommenden Jahres mehr als 200 seiner insgesamt 2000 Stellen abbaut.

Sonderdividende geht an die NZZ

Von den Aktionären trat der Zuger Daniel Brunner ans Mikrofon. Er störte sich daran, dass die Onlineausgabe der «Luzerner Zeitung» keine Leserkommentare zulässt, dass die Bezahlbarriere «etwas gar harsch» eingeführt wurde und warf der NZZ vor, zu viel für ihre technologischen Dienstleistungen zu verlangen. Sein Antrag: «Überweisen wir die Sonderdividende besser an CH Media. Sie braucht das Geld dringender als die NZZ.» Die Sonderdividende umfasst 5,2 Millionen Franken, sie kommt zu knapp 97 Prozent dem Zürcher Medienunternehmen zugute.

Die Aktionäre lehnten es indes grossmehrheitlich ab, über Brunners Antrag abzustimmen. Die übrigen Geschäfte fanden grossmehrheitliche Zustimmung und die Verwaltungsräte Felix Graf (Präsident), Hanspeter Kellermüller und Jörg Schnyder wurden anstandslos wiedergewählt. Aktionär Vijay Singh erkundigte sich, warum der frühere, langjährige LZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser nicht mehr als Autor in der Zeitung aufscheine. Der anwesende Bornhauser gab die Antwort gleich selber: Sein Vertrag als Autor sei im vergangenen September gekündigt worden, er befinde sich im Ruhestand.

Die RMH-Gruppe mit der «Luzerner Zeitung» und dem «St. Galler Tagblatt» sowie deren Radio- und TV-Sendern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 159,8 Millionen Franken. Der Gruppengewinn beziffert sich auf 5,9 Millionen Franken. Der Vergleich mit 2017 sei nicht aussagekräftig, sagte RMH-Verwaltungsrat Jörg Schnyder. Denn die Holdings in Luzern und St. Gallen präsentierten 2017 noch eigene, separate Rechnungen und beide wurden am 1. Oktober 2018 Teil von CH Media. Das «St. Galler Tagblatt» hat gemäss der WEMF AG 269000 Leserinnen und Leser, die «Luzerner Zeitung» 284000.

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