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REGULIERUNG: Wenn der Computer die Gesetze einhält

Bei detailreichen und länderspezifischen Vorschriften den Überblick zu bewahren, stellt Rechtsabteilungen in Finanzinstituten vor grosse Herausforderungen. Immer öfters werden deshalb Computerprogramme eingesetzt, die kaum eine Regel übersehen.
Andreas Lorenz-Meyer
Rechenpower statt meterlange Gesetzessammlungen: Rechtsabteilungen von Finanzinstituten setzen zunehmend auf Computerprogramme. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Rechenpower statt meterlange Gesetzessammlungen: Rechtsabteilungen von Finanzinstituten setzen zunehmend auf Computerprogramme. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Andreas Lorenz-Meyer

Bei Compliance, frei übersetzt Regeltreue, geht es um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien. Die Abteilungen in den Finanzinstituten, die sich damit befassen, haben viel zu tun, denn es gibt immer mehr regulatorische Vorschriften. Für deren Bewältigung sind sogenannte Regtech-Dienstleistungen gedacht. Sie sollen helfen, den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Das Kürzel Regtech setzt sich aus den Wörtern ­Regulatory und Technology zusammen. Hier werden regulatorische Aufgaben mit Unterstützung technischer Hilfs­mittel gemeistert. Ein Unternehmen verwaltet die Vorschriften nicht mehr analog in Papierform, sondern digital. IT-Wissen und juristisches Wissen verschmelzen also. Das kann auch über Technologien wie künstliche Intelligenz, Big Data und Cloud-Speicher laufen.

Thomas Ankenbrand vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern, Autor einer neuen Fintech-Studie, betont, dass Regtech nicht einfach nur ein Teilbereich von ­Fintech ist: «Es geht darüber hinaus. Fintech meint ja Dienstleistungen speziell für die Finanzindustrie. Regtech bietet dagegen digitale Compliance-Services – und die eignen sich für alle Unternehmen, die mit regulatorischen Anforderungen zu tun haben.» Die Compliance digital zu verwalten, bringe Vorteile in der Effizienz, erklärt Ankenbrand weiter. «Ein Compliance Officer hat einen bestimmten Aufwand an Zeit, um zu prüfen, ob ein Geschäft den regulatorischen Vorschriften entspricht. Wenn das Ganze elektronisch abgebildet ist, hat er die Antwort automatisch in Sekunden.»

Höhere Sicherheit

Bis jetzt hatten die Bereiche IT und Compliance bei Finanzdienstleistern eher wenig Berührungspunkte, sagt Ralf ­Huber, Präsident der Schweizer Zweigstelle der International Regtech Association (Irta), des 2017 gegründeten Branchenverbandes mit Sitz in Zürich. Das soll sich nun ändern. Die technischen Hilfsmittel, die Regtech bietet, helfen vor allem, eine höhere regulatorische ­Sicherheit zu erlangen.

Dafür müssen komplexe rechtliche Probleme digital korrekt abgebildet werden. Eine juristische Fragestellung lässt sich über Entscheidungsbäume darstellen. Sie wird dabei in ihre Einzelteile zerlegt und Schritt für Schritt beantwortet. Ein typisches Beispiel sind Anlage­instrumente. Welche Anlageinstrumente eine Bank dem Kunden anbieten darf, hängt von mehreren Faktoren ab: Welches Heimatland hat der Kunde, welchen Aufenthaltsort, welche Art von Kunden­beziehung besteht? «Sind alle Informationen zur Hand, kann eine geeignete Software die Frage beantworten, in welche Produkte der Kunde in einer ganz bestimmten Situation investieren darf und in welche nicht.» Darüber wird der Kunde dann informiert. Oder die Software regelt es so, dass der Kunde zum Beispiel einen Wertschriftenauftrag auf einer Online-Plattform nur dann auslösen kann, wenn alle erforderlichen regulatorischen Bedingungen erfüllt sind.

Huber ist Mitgründer von Apiax, einem von rund 30 Unternehmen, die es im Regtech-Sektor hierzulande mittlerweile gibt. Das Zürcher Unternehmen bietet Cloud-basierte Regtech-Services an. Dazu gehören Crossborder-Lösungen für Kunden, die von Land zu Land unterschiedliche Vorschriften berücksichtigen müssen. Zudem gibt es digital abrufbare Steuerregeln. Kundenberater können damit direkt im Anlagegespräch die Besteuerung eines Anlageinstruments abhängig vom Steuerdomizil eines Kunden prüfen. Huber: «Das ist deshalb sehr wichtig, weil die Besteuerung von Finanzinstrumenten in gewissen Ländern signi­fikante Auswirkungen auf die Performance eines Finanzinstruments haben kann.» Der Kundenbetreuer behält bei dem Ganzen immer das letzte Wort. Regelauslegung gehört zu den zentralen Elementen für Finanzdienstleister, so Huber. Der Compliance-Experte könne mit der Apiax-Lösung die Regeln «an den Risikoappetit oder die Inhouse-Meinung eines Finanzinstituts anpassen.» Es gehe nicht um Automatisierung, sondern um Digitalisierung. Den Ex­perten soll kein Handlungsspielraum genommen, sondern dieser im Gegenteil vergrössert werden.

Mehr Spezialisten sind nötig

Mit der Baloise-Bank Soba arbeitet ­Apiax im Bereich Anlageberatungsprozess zusammen. Die Kundenberater der Bank sollen komplexe regulatorische Sach­verhalte «on the go», also von unterwegs, auf ihren mobilen Geräten beantworten können. Das hilft ihnen nicht nur, Zeit in der Vorbereitung von Kunden­gesprächen zu sparen, es gebe ihnen auch die Sicherheit, sich immer regelkonform zu verhalten. Die Kooperation läuft über den noch recht neuen Open Banking Hub der Swisscom. Open Banking bezeichnet Schnittstellen, die Banken für Dienstleister von aussen öffnen, um darüber bestimmte Services laufen zu lassen. Digitale Compliance-Verwaltung reagiert sehr schnell auf Gesetzesänderungen, betont Huber. Das habe damit zu tun, wie ein digitaler Arbeitsplatz die Zusammenarbeit verändert. Bei Apiax geht es weniger um Einsparungen als darum, die «teilweise schier unglaubliche Arbeitsbelastung der Legal- und Compliance-Experten in den Griff zu bekommen.» Dafür braucht es die Bereitschaft der Banken, Schnittstellen für Regtech zu öffnen. Mehr und mehr sind Finanz­institute dazu bereit, stellt Huber fest. Natürlich eigne sich Regtech auch für andere stark regulierte Branchen, Vermögens­verwalter und Versicherungen. Entsprechend sieht Huber ein riesiges Potenzial. «Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Noch geht es um die Digitalisierung von Regulatorien. Langfristig ist aber ein komplett digitales regulatorisches Ökosystem denkbar, das völlig anders funktionieren wird als heute.»

Thomas Ankenbrand vom IFZ sieht, von Regtech ausgelöst, eine Aufgabenverschiebung in den Compliance-Abteilungen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Die Standardaufgaben würden zwar digitalisiert, bei Spezialaufgaben und komplexen Fällen seien aber nach wie vor menschlicher Input und Differenzierungsfähigkeit gefragt. Insgesamt werden mehr Spezialisten benötigt, und die Anforderungen an die Compliance-Mitarbeiter steigen. Welche Bedeutung dem Regtech-Sektor insgesamt zukommt? «Für den Finanzstandort Schweiz ist es wichtig, dass die Prozesse in den Banken effizient ablaufen.» Regtech leiste da ­einen Beitrag.

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