Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Reiches Axa-Erbe für die Swiss Life

Tausende von Schweizer KMU haben ihre Pensionskassen zum Marktführer transferiert. Das Vorsorgesystem erweist sich nach dem Axa-Rückzug als erstaunlich stabil.
Daniel Zulauf
Swiss Life kann sich in Zukunft auf 300 Millionen Franken zusätzliche Prämieneinnahmen pro Jahr freuen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone; Zürich)

Swiss Life kann sich in Zukunft auf 300 Millionen Franken zusätzliche Prämieneinnahmen pro Jahr freuen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone; Zürich)

«Die Vollversicherung ist ein Grundbedürfnis», sagt Markus Leibundgut, der das für den Swiss-Life-Konzern mit Abstand wichtigste Inlandgeschäft leitet. Für die Behauptung kann der Berner einen einfachen Beweis vorlegen. Tausende von KMU-Kunden, die im Frühjahr 2018 mit ihren Vorsorgeeinrichtungen noch bei Axa unter Vertrag standen, haben auf Anfang 2019 zu Swiss Life gewechselt. Die überwiegende Mehrheit habe eine Vollversicherungslösung nachgefragt, nachdem Axa im April den vollständigen Rückzug aus diesem Geschäft vollzogen hatte.

In einer Vollversicherung übernimmt die Assekuranzgesellschaft nebst der Bewirtschaftung der von den Versicherten angesparten Vorsorgekapitalien auch das gesamte Anlagerisiko. Swiss Life ist durch den Axa-Knall zum unbestrittenen Marktführer in diesem Geschäft aufgestiegen. Der Marktanteil bewegt sich ­gemäss Leibundgut zwischen 45 und 50 Prozent. Den Rest teilen sich die vier im Markt verbliebenen Anbieter Baloise, Helvetia, Allianz Suisse und Pax.

Bezahlen für ein Mehr an Sicherheit

Eigentlich wäre die Vollversicherung ein Renner im Schweizer Vorsorgegeschäft. Seit der Finanzkrise ist das Vertrauen der Investoren in die Finanzmärkte an­geschlagen. Viele Kleinbetriebe können und wollen es sich nicht leisten, die Altersersparnisse ihrer Mitarbeiter den unberechenbaren Schwankungen der Märkte auszusetzen. Für dieses Mehr an Sicherheit sind sie bereit, einen Aufpreis gegenüber einer sogenannten teilautonomen Lösung ohne Versicherung des Anlagerisikos zu zahlen. Doch Axa begründete den Ausstieg aus dem Vollversicherungsgeschäft vor Jahresfrist mit dem Argument, dass sich die Bedingungen im Markt derart verschlechtert hätten, dass es zunehmend schwierig geworden sei, den Kunden gute Leistungen anzubieten. In der Tat figurieren Vollversicherungslösungen bei neutralen Preisvergleichen mit teilautonomen Lösungen in der Regel nur im Mittelfeld. Axa argumentierte denn auch, dass ihre KMU-Kunden bei einem Wechsel von der Vollversicherung in eine teilautonome Lösung durchschnittlich 30 Prozent tiefere Risikoprämien erwarten dürften.

Doch davon will die Swiss Life nichts gesehen haben. In den teilautonomen Axa-Offerten, die sie von wechselwilligen Kunden zu sehen bekommen habe, hätten die Risikoprämien lediglich einige Prozente unter jenen im Vollversicherungsmodell gelegen, sagt Leibundgut. Dennoch behauptet Axa, die eigenen teilautonomen Vorsorgelösungen stellten für die KMU und deren Mitarbeiter ein attraktiveres, faireres und flexi­bleres Angebot dar. Schliesslich hätten neun von zehn KMU diesen Systemwechsel mitgemacht. Wie gut der Wechsel angekommen wäre, wenn der herbstliche Börseneinbruch ein bisschen früher erfolgt wäre, bleibt eine offene Frage. Nun übernimmt die Swiss Life nach Angaben Leibundguts Vorsorgekapitalien im Wert von fast 3 Milliarden Franken, die ­vorher von der Axa bewirtschaftet worden waren. Die Übernahme beschert dem Konzern jährlich rund 300 Millionen Franken an zusätzlichen Prämieneinnahmen.

Noch vor 15 Jahren hatte auch Swiss Life über die Möglichkeit eines Ausstieges aus der kapital­intensiven Vollversicherung nachgedacht. Doch seither hat man die einstigen Expansionsgelüste im Ausland zurückgestellt, die Effizienz verbessert und das heimische Lebengeschäft wieder ganz in den Blick genommen. Das hat der Firma nicht nur bessere Resultate beschert, wie das gute Jahresergebnis bestätigt (siehe Kasten), sondern auch dem Schweizer Vorsorgemarkt die Stabilität erhalten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.