Reinacher Sonne aus der Steckdose

Ende Mai ging die EWS Energie AG mit einer Photovoltaik-Anlage ans Netz und speist Strom ein. Selbst bei diffuser Beleuchtung liefern die blauen Panels noch Strom.

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Aargauer Zeitung

Peter Siegrist

Die EWS Energie AG in Reinach ist Stromversorgerin in der Region für rund 17 000 Einwohner und diverse Industrie- und Gewerbebetriebe. Seit einem Monat ist die EWS auch Stromproduzentin. EWS-Geschäftsführer Bruno Bühlmann erklärt weshalb: «Das Flachdach auf unserem Betriebsgebäude im Winkel musste dringend saniert werden, da haben wir eine Solaranlage miteingeplant.»

Strom aus der Sonne

In der Schweiz liefern Solarstromanlagen mit einer Fläche von über 225 000 Quadratmetern Strom. Die Anlagen beruhen auf dem Prinzip, dass Sonnenstrahlen in der Solarzelle direkt elektrischen Gleichstrom erzeugen. Die industrielle Nutzung setzt erst richtig ein. In den letzten fünf Jahren lag das Wachstum der Photovoltaikbranche bei über 35 Prozent pro Jahr. Damit der in den Zellen erzeugte Gleichstrom in Netz gespeist werden kann, muss er in Wechselstrom umgewandelt und auf die richtige Spannung transformiert werden. Eine Kilowattstunde entspricht der Energie, die eine 100-W-Birne in 10 Stunden verbraucht. (psi)

Gleichzeitig mit der Planung wurde die Anlage für die «Kostendeckende-Einspeise-Vergütung» (KEV) angemeldet. Als im November 2008 die Netzbetreiberin Swissgrid positiven Bescheid gab und die Fördergelder zusicherte, bewilligte der EWS-Verwaltungsrat kurz darauf die Investition von 285 000 Franken.

Schalter gedreht: Ans Netz

Am 20. April begannen die Monteure mit der Installation und der Integration der Solarpanels auf dem Flachdach. Am 27. Mai bereits, drehte ein EWS-Mann den roten Schalter auf «Ein» und die neue Anlage ging ans Netz. Bei einer integrierten Anlage werden die Solarpanels mit den Solarzellen nicht aufgeständert und nach der Sonne ausgerichtet. In Reinach sind die Solarzellen mit der Dachhaut verschweisste Bestandteile und liegen beinahe flach auf. Hier wurde eine Photovoltaikanlage nach dem System Sarnafil in Betrieb gesetzt.

Strom für sechs Haushalte

Die Anlage mit einer Fläche von 630 Qudratmetern produziert knapp 30 Kilowatt bei maximaler Sonneneinstrahlung. Der Gleichstrom mit einer Spannung von 500 Volt wird in Wechselrichtern in Wechselstrom umgewandelt. Die Spitzenleistung beträgt rund 27 Kilowatt.

Bruno Bühlmann erwartet, dass sie mit der Anlage pro Jahr rund 27 000 Kilowattstunden einspeisen können. «Das entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von sechs Haushalten», sagt Bühlmann. Während der ersten vier Produktionswochen lieferte die Anlage bereits 4106 Kilowattstunden, die Schönwetterperiode trug dazu bei. Bei einem Augenschein konnte sich die AZ davon überzeugen, dass die Solarzellen selbst bei diffuser Beleuchtung noch Strom liefern.

Die EWS erhält vertraglich zugesichert während 20 Jahren einen garantierten Preis von 79,5 Rappen pro produzierte Kilowattstunde. Zum Vergleich: Für den Strom (ohne Netzkosten) bezahlen die Reinacher heute bei Niedertarif 4 Rappen, bei Hochtarif 8,2 Rappen pro Kilowattstunde.

Die Anlage sei unter diesen Bedingungen kostendeckend zu betreiben, sagt Bruno Bühlmann, ebenso auf 20 Jahre abzuschreiben. Geld zu verdienen sei aber noch nicht möglich. Aber in Reinach ist jetzt eine Musteranlage im Rahmen der Förderung der Solarenergie in Betrieb.