REISEKRANKHEITEN: Souvenir der unangenehmen Art

Nicht nur das Zika-Virus ist ein Risiko für Reisende. Wer Ferien macht, sollte insbesondere beim Essen achtsam sein. Doch nicht nur bei Nahrungsmitteln muss man aufpassen.

Andreas Lorenz-Meyer
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Laut Bundesamt für Gesundheit gab es 2015 420 Malariafälle in der Schweiz. (Bild: Getty)

Laut Bundesamt für Gesundheit gab es 2015 420 Malariafälle in der Schweiz. (Bild: Getty)

25 Grad und Sonnenschein mitten im Winter sind eine schöne Sache. Darum machen sich in der kalten Jahreszeit viele auf in südlichere Gefilde, um dort etwas Wärme zu tanken. Doch während der Ferien in den Tropen und Subtropen lauern auch Unannehmlichkeiten. Das zeigt die aktuelle Nervosität. Die hohen Temperaturen fördern zusammen mit hoher Luftfeuchtigkeit das Wachstum von Krankheitserregern auf der Oberfläche von Lebensmitteln. Auch um die Trinkwasserqualität ist es in einigen Reiseländern nicht gut bestellt. Eine kontaminierte Südfrucht, ein Schluck aus der Wasserleitung – und schon verbringt man viel Zeit auf der Hoteltoilette, anstatt die Pyramiden zu besichtigen.

«Fluch des Pharaos» erwischt viele

Der klassische Reisedurchfall gehört nach wie vor zu den häufigsten Gesundheitsproblemen, mit denen es Touristen zu tun haben. Je nach Destination spricht man auch von «Montezumas Rache» oder dem «Fluch des Pharaos». Meist wird Reisediarrhö durch das Bakterium E. Coli ausgelöst. Etwas seltener sind andere Bakterien, etwa Salmonellen, im Spiel. Roland Dürig, Reise- und Tropenmediziner aus Luzern: «Während die virale Magen-Darm-Grippe nach einigen Tagen selbst ausheilt, müssen bakterielle Durchfälle häufig mit Antibiotika behandelt werden, dauern länger an und sind oft mit Fieber oder blutigen Stühlen verbunden.» Hin und wieder kommt es auch zu länger anhaltenden Darmstörungen mit Blähungen, Krämpfen und allgemeinem Unwohlsein.

Dieses «Reiseandenken» geht auf Parasiten wie Giardia zurück. Die Übertragung der Darmkeime erfolgt auch hier durch verschmutztes Trinkwasser oder kontaminiertes Essen. Die Faustregel für Urlauber lautet: «Cook it, boil it or peel it». Wer Nahrungsmittel genügend lange kocht oder brät und Früchte selbst schält, der ist halbwegs auf der sicheren Seite. Wasser sollte zudem vorher abgekocht oder aus Flaschen mit versiegeltem Verschluss getrunken werden. Sehr gute Hotels haben oft eine Küchenkontrolle, die das Risiko kleinhält. Vorsichtig sollte man hingegen bei Essen vom Strassenstand sein.

Gefährliche Mücken

Nicht nur bei Nahrungsmitteln muss man aufpassen. In Malariagebieten etwa sind mit Einsetzen der Abenddämmerung lange Kleidung und Socken unbedingt zu empfehlen. Dann beginnen die Anophelesmücken herumzuschwirren. Ein Stich reicht, um infiziert zu werden. Malaria ist die häufigste von Mücken übertragene Tropenkrankheit. Weltweit kam es 2014 zu 215 Millionen Erkrankungen und 438 000 Todesfällen. Mehr als 700 000 Personen reisen jedes Jahr aus der Schweiz in Regionen, wo Malaria übertragen werden kann.

Die Meldungen eingeschleppter Infektionen haben hierzulande deutlich zugenommen. 2013 waren es noch rund 160 Malariafälle, 2015 laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) schon um die 420. Es gibt zwar Touristen unter den Infizierten, so das BAG. Zum Teil handelt es sich auch um Schweizer mit ausländischen Wurzeln, die sich beim Familienbesuch in einem Malarialand infizierten. Grösstenteils sind es aber Immigranten und Asylsuchende aus afrikanischen Ländern, die die Krankheit mitgebracht haben.

Spezielle Medikamente schützen vor einer Infektion. Jedoch bestehen bei Schweizern hin und wieder Hemmungen, eine Dauerprophylaxe einzunehmen, stellt Reisemediziner Roland Dürig fest. Was am schlechten Ruf älterer Medikamente liegt. Früher hat man oft Mephaquin (und Lariam) verschrieben, welches billig ist und nur einmal pro Woche eingenommen werden muss. Leider führt es manchmal zu Albträumen oder Depressionen. Heute verschreiben Ärzte oft Malarone oder Atovaquon plus. Dürig: «Diese Medikamente sind etwas teurer und müssen täglich eingenommen werden, haben jedoch nur selten schwere Nebenwirkungen.»

Eine Prophylaxe sollte man in Hochrisikogebieten einnehmen. Dazu zählen vor allem Afrika südlich der Sahara, der östliche Teil von Südostasien sowie kleine Gebiete in Südamerika. In allen restlichen Malariagebieten reicht es, Medikamente mitzunehmen und bei aufkommendem Fieber darauf zurückzugreifen.

Keine Impfung gegen Dengue-Fieber

Im November meldete das Schweizer Portal safetravel.ch, dass auf Hawaii das Dengue-Fieber ausgebrochen ist. Auch in typischen Reiseländern wie Ägypten oder Dominikanische Republik kam es letztes Jahr zu einer Epidemie. Einzelne Übertragungen wurden zudem in Südfrankreich und in Kroatien beobachtet. Bei Erkrankung hat man hohes Fieber, starke Muskelschmerzen und Hautausschlag. Eine Impfung für Reisende oder eine Therapie gibt es nicht. Zwar hat Mexiko jetzt als erstes Land eine Impfung für die eigenen Staatsbürger zwischen 9 und 45 Jahren zugelassen.

In der Schweiz führt man diese aber nicht durch, und ausländische Touristen dürfen sich auch nicht in Mexiko impfen lassen. Cornelia Staehelin, Reise- und Tropenmedizinerin vom Insel-Spital in Bern: «Dieser Impfschutz ist deutlich besser bei Personen, die schon einmal Kontakt mit Dengue hatten. Der Impferfolg wird hier mit 84 Prozent angegeben.

Die Tigermücken, die das Denguefieber übertragen, stechen tagsüber. Die einzige Möglichkeit für Urlauber, sich die Insekten vom Leib zu halten: Mückenspray. Den besten Schutz bieten Präparate, die DEET oder Icaridin beinhalten. DEET sollte in einer Konzentration von 30 Prozent, Icaridin von 20 Prozent vorhanden sein, um guten Schutz zu gewährleisten, erklärt Dürig. Bei Kindern unter 12 Jahren empfiehlt er eine niedrigere Konzentration (DEET und Icaridin je 10 Prozent), bei Kindern unter 2 Jahren die Absprache mit einem Tropenarzt. Pflanzliche Produkte wie Citronellaöle bieten ebenfalls Schutz. Sie sind aber, was Wirkungsgrad und -zeit angeht, ungenügend in Gebieten mit Dengue- oder Malariagefahr.

Zika-Virus: Fieber Hepatitis

Bei den Tropenkrankheiten neu hinzugekommen ist das Zika-Virus (Siehe Grafik), das auch Tigermücken übertragen. Werden Schwangere infiziert, so der Verdacht, kann bei den Ungeborenen eine Mikrozephalie ausgelöst werden. Die Babys kommen dann mit Schädelfehlbildungen zur Welt. In Brasilien stieg die Zahl der Fälle, die mit dem Zika-Virus in Verbindung gebracht werden. Also keine gute Zeit für Schwangere, Rio oder den Amazonas-Regenwald zu besuchen? Die US-Gesundheitsbehörde wie auch Schweizer Experten der Reisemedizin raten ihnen aktuell davon ab, in Gebiete mit einer Zika-Epidemie zu reisen.

Man muss allerdings bei der Beurteilung der Lage vorsichtig sein, sagt Staehelin. Alle dokumentierten Mikrozephaliefälle sind in nur 4 brasilianischen Bundesstaaten aufgetreten. Man sucht nun fieberhaft nach der Ursache. Eine Vermutung: Die betroffenen Mütter erkrankten innerhalb kurzer Zeit an zwei Virusinfektionen, an Chikungunya, das Anfang 2014 in Südamerika auftauchte, und nachfolgend an Zika.

Erkrankungen wie Hepatitis A, Gelbfieber und Tollwut sind dank der Impfungen bei Reisen in Endemie-Gebiete seltener geworden. Aber eine Entwarnung gibt es nicht. Die weltweite Reisetätigkeit hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, stellt Dürig fest. Sowohl im geschäftlichen wie auch im touristischen Bereich. Mit den Touristen reisen auch die Krankheiten. Dadurch besteht stets die Gefahr, dass Erkrankungen, die früher nur in isolierten Gebieten vorkamen, nun auch weltweit verbreitet werden können.

Andreas Lorenz-Meyer