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REISEN: Brexit bereitet Hotelplan Group Bauchweh

Ein erfolgreiches Geschäftsjahr, ein Startup mit grossem Potenzial – eigentlich hätte die Hotelplan Group allen Grund zur Zufriedenheit, wäre da nicht Grossbritannien.
Vor allem im Skiferien-Bereich macht sich die Abwertung des Pfunds bemerkbar. (Bild: Philipp Schmidli (Melchsee-Frutt, 2. Februar 2016))

Vor allem im Skiferien-Bereich macht sich die Abwertung des Pfunds bemerkbar. (Bild: Philipp Schmidli (Melchsee-Frutt, 2. Februar 2016))

Am 23. Juni 2016 stimmten 51,89 Prozent der britischen Wähler für einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union. Seither ist unklar, wohin die Reise wirklich geht beziehungsweise welche konkreten Auswirkungen dies hat. «Das ist eine sehr unangenehme Situation, dies bereitet uns Bauchweh», sagt Hotelplan Group-CEO Thomas Stirnimann. Denn das Geschäft in Grossbritannien ist nicht unwesentlich für den Erfolg des Schweizer Reiseanbieters. Insbesondere profitiert Hotelplan von der Personenfreizügigkeit. Letztlich geht es um 1500 Personen, die für die Gästebetreuung tätig sind. «Fällt die Personenfreizügigkeit für Briten weg, wird unser Geschäft auf eine echte Probe gestellt», betont Strinimann.

Mit englischen Touristen erzielte Hotelplan im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende Oktober abgeschlossen wurde, einen verrechneten Umsatz von 251,8 Millionen Pfund, das sind zwar 3,2 Prozent mehr als im vorausgegangenen Geschäftsjahr. Doch umgerechnet in Schweizer Franken resultierte durch die Abwertung des britischen Pfunds ein Rückgang auf 318,6 Millionen. Zum Vergleich: Hotelplan Group erzielt mit dem Schweiz-Geschäft, das noch rund 43 Prozent ausmacht, im abgelaufenen Geschäftsjahr einen verrechneten Umsatz von 590,4 Millionen Franken (+1,4 Prozent).

Noch läuft das England-Geschäft, doch es ziehen erste Wolken auf. Vor allem im Skiferien-Bereich macht sich die Abwertung des Pfunds und damit der Umstand, dass Ferien für Briten teurer werden, bemerkbar. «Der Winter 2018/19 dürfte trübe werden», sagt Stirnimann. Dafür zeigt sich das Geschäft mit Wander- und Veloferien als robust. Um dies abzusichern, eröffnet Hotelplan spätestens im Sommer 2019 ein Jurtendorf in Island.

Zusammenarbeit mit Airbnb und booking.com

Doch ansonsten bewegt sich die Hotelplan-Gruppe auf Erfolgskurs. Das vergangene Geschäftsjahr war mit einem verrechneten Gesamtumsatz von 1379,4 Millionen Franken laut Stirnimann «sehr erfreulich». Der Ebit stieg auf Gruppenebene um 16,7 Millionen Franken und liegt bei 5 Millionen Franken. Alle Geschäftseinheiten sind im Plus, ausser das Buchungsportal Bedfinder. Dieses muss auch noch nicht schwarze Zahlen liefern, weil es erst Ende 2016 als Startup lanciert worden ist.
Dafür sind die Aussichten vielversprechend. Bedfinder vereinfacht das Online-Buchen von Reisen wesentlich, indem die Suchplattform nicht verlassen werden muss. Im ersten Jahr erzielte das Schweizer Startup einen Umsatz von 13,7 Millionen Franken. Für dieses Jahr wird mit einem Umsatz von 30 bis 50 Millionen Franken gerechnet. «Bedfinder hat Fuss gefasst», sagt Stirnimann. Bedfinder ist mit einer Zusammenarbeit mit Google für die USA und später Grossbritannien gestartet. Mittlerweile setzen auch Trivago und Kajak auf die Angebote von Bedfinder und seit Montag auch neu Tripadvisor. In der Schweiz kann der Dienst derzeit lediglich über Bedfinder direkt oder Trivago genutzt werden.

Heute beschränkt sich das Angebot von Bedfinder auf Hotelbuchungen, im Verlaufe dieses Jahres soll nun auch Testes mit ganzen Packages gemacht werden.

Mit den vermeintlichen Konkurrenten zusammen zu arbeiten, hat sich für die Hotelplan Group zu einem erfolgsversprechenden Modell entwickelt. Im Ferienwohnungsbereich liefert das Unternehmen für Online-Riesen wie «booking.com» oder Airbnb Angebote. Dies zahlt sich nicht nur für die Ferienwohnungsbesitzer aus, sondern auch für Hotelplan. Die Sparte Holiday Home Division mit Interhome und Inter Chalet legte im vergangenen Geschäftsjahr beim Umsatz um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.


Dominik Buholzer

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