REISEN: «Der Schweiz soll es gut gehen»

Knecht Reisen ist auf Erfolgskurs. Ein Grund dafür sind die Rahmenbedingungen in der Schweiz. Diesen sollte man Sorge tragen, sagt Thomas Knecht im Interview.

Interview Dominik Buholzer
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Freier Blick vom 2202 Meter hohen Eggberg in St. Antoenien im Prättigau: Knecht Reisen bietet neben weltweiten Fernreisen auch begleitete Schneeschuhwanderungen in der Schweiz. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Freier Blick vom 2202 Meter hohen Eggberg in St. Antoenien im Prättigau: Knecht Reisen bietet neben weltweiten Fernreisen auch begleitete Schneeschuhwanderungen in der Schweiz. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Thomas Knecht, Knecht Reisen, der viertgrösste Schweizer Reiseveranstalter, ist stark ins vergangene Jahr gestartet. Im ersten Quartal verzeichnete das Unternehmen ein Buchungsplus von gut 5 Prozent. Wie sah es für Sie Ende Jahr aus?

Thomas Knecht: Wir konnten sowohl bei Knecht Reisen wie auch bei Eurobus umsatzmässig zulegen. Wir erwarten also ein sehr solides Resultat.

Baumeler Reisen mit Sitz in Luzern, das ebenfalls zur Knecht-Gruppe zählt, legte 2012 zwar zu, war aber zu wenig profitabel. Wie sieht es für 2013 aus?

Knecht: 2013 wurde wieder zu einem erfreulichen Jahr. Wir liegen bei Baumeler Reisen deutlich über dem Budget. Was die Profitabilität anbelangt, so kann ich erst eine verlässliche Aussage machen, wenn die genauen Zahlen vorliegen.

Was trug zur Wende bei?

Knecht: Wir lancierten neue Produkte, die offenbar bei den Kunden gut ankamen.

Bei Reiseanbietern wie Kuoni oder Hotelplan harzt das Geschäft, Knecht Reisen präsentiert sich dagegen äusserst robust, legt überdurchschnittlich zu. Woran liegt das?

Knecht: Wir sind eine Unternehmensgruppe mit einem hohen Spezialisierungsgrad sowohl in Sachen Destinationen wie auch Themen. Für Spezialistentum und kompetente Beratung besteht offensichtlich eine Nachfrage.

Immer mehr Reisen werden online gebucht. Darunter leiden viele Reiseveranstalter. Wie sehr macht ihnen dieser Trend zu schaffen?

Knecht: Zuerst einmal gilt es festzuhalten: Immer mehr Menschen reisen. Die Reiselust ist also ungebrochen.

Der Trend, dass mehr Personen ihre Reisen selber buchen, wird zunehmen?

Knecht: Dies gilt nur für einfache Reise wie beispielsweise Städtetrips. Für einen Wochenendausflug nach Paris sind sie nicht auf die Beratung eines Reisebüros angewiesen. Bei einer Burma-Reise sieht das aber schon wieder ganz anders aus. Hier sehen wir unsere Chance. Wir stehen für unsere Kunden sowohl vor wie auch während der Reise zur Verfügung.

Schön und gut. Aber auch andere Reiseanbieter warten mit einem Nottelefon auf.

Knecht: Mag sein. Aber bei uns sind es Mitglieder der Geschäftsleitung, die die Telefonanrufe entgegennehmen.

Ist dies mehr als ein guter Werbegag?

Knecht: Auf jeden Fall. Wir sind überzeugt, dass Mitglieder der Geschäftsleitung besser und schneller reagieren können, als wenn wir diese Dienste an irgendein Call-Center auslagern.

Sie legen einen forschen Expansionskurs an den Tag. Diesen Sommer haben Sie mit Glur Reisen einen Spezialisten für Skandinavien übernommen, in Windisch eröffneten Sie ein Millionen teures Center, und in Glattal bauen Sie zusammen mit dem Zürcher Verkehrsverbund ein neues Buszentrum. Wollen Sie mit Knecht Reisen unter die ersten drei grossen Reiseveranstalter der Schweiz vorstossen?

Knecht: Nein, wir hegen keinerlei derartige Ambitionen. Wichtig ist uns, dass wir mit guter Beratung und unseren Produkten für unsere Kunden einen Mehrwert schaffen können.

Das glaube ich Ihnen nicht.

Knecht: Es ist aber so. Ein Umsatzranking kann es nicht sein, so verführerisch dies auch sein mag.

Also ist vorderhand nicht mit neuen Übernahmen zu rechnen.

Knecht: Dieser Rückschluss ist falsch. Wenn sich uns eine Möglichkeit bietet, werden wir dies sehr genau anschauen.

Derzeit ist aber nichts vorhanden?

Knecht: Wir prüfen stets viele Optionen. Wir kommunizieren aber erst, wenn die Angelegenheit in trockenen Tüchern ist.

Zu einem anderen Thema: Seit 1997 führen Sie mit Venture einen Wettbewerb für Jungunternehmer. Wie attraktiv ist die Schweiz für Start-up?

Knecht: Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. Die Start-up-Kultur in der Schweiz kann sich heute sehen lassen. Im Bereich Pharma oder Biotech können wir es mit allen aufnehmen. Die Verfügbarkeit von Risikokapital könnte aber besser sein.

Das war 1979, als Sie den Wettbewerb ins Leben riefen, nicht der Fall. Warum sind Sie aktiv geworden?

Knecht: Das Wirtschaftswachstum der Schweiz lag damals deutlich hinter jenem der EU-Staaten. Grosse Firmen strichen Stellen, es fehlte an neuen, innovativen Unternehmen. Diese Entwicklung beschäftigte mich sehr.

Hatten Sie deshalb schlaflose Nächte?

Knecht: Dies nicht gerade. Aber der Gedanke, dass ich etwas dagegen tun müsste, liess mich nicht mehr los.

Entspringt dieser Gedanke Ihrem Gefühl für soziale Verantwortung?

Knecht: Es steckt von beidem etwas drin. Mir ist es ein Anliegen, dass es der Schweiz gut geht.

Der Druck auf den Wirtschaftsstandort nimmt zu. Mindestlohninitiative, Masseneinwanderungsinitiative – wo sehen Sie die grössten Gefahren für die Schweiz?

Knecht: Die grösste Gefahr ist, dass die Leistungsbereitschaft und die sprichwörtlichen Schweizer Tugenden nicht mehr honoriert werden und abhandenkommen.

Das heisst konkret?

Knecht: Wir müssen uns bei all den bevorstehenden Entscheidungen vor Augen führen, was die Schweiz starkgemacht hat.

Und dies ist in Ihren Augen?

Knecht: Fleiss und Bescheidenheit haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Mit unserer Leistungsbereitschaft haben wir grosse Hürden genommen. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Land über keine Rohstoffe verfügt. Wir müssen uns also über gute Rahmenbedingungen einen internationalen Vorteil erarbeiten. Dies ist uns bisher gut gelungen.

Also sind Sie gegen die Masseneinwanderungs- und die Mindestlohnini-tiative?

Knecht: Ich gebe hier keine Abstimmungsempfehlungen. Tatsache ist, dass wir international gut dastehen. Wir sind konkurrenzfähig. Dem müssen wir Sorge tragen.

Hinweis

Thomas Knecht (63) ist Verwaltungsratspräsident der Knecht Holding zu der unter anderem Knecht Reisen und Eurobus zählen. Knecht Reisen und Eurobus sind der viertgrösste Schweizer Reiseveranstalter und umfassen zehn Marken (u. a. Knecht Reisen, Eurobus, Baumeler Reisen und Lohri Reisen) und 26 Standorte in der Schweiz. Knecht Reisen und Eurobus beschäftigen im Tourismus 375 Angestellte.

Die Knecht-Gruppe zählt total mehr als 850 Angestellte und erzielt einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Franken. Seit dem Jahre 2000 hält die Knecht Holding die Aktienmehrheit an der Firma Rottal Auto AG mit Sitz in Ruswil.

Thomas Knecht ist seit 2008 Präsident des Verwaltungsrates der Knecht Holding. Davor stand er Jahre lang McKinsey Schweiz vor und war Mitglied des Verwaltungsrates von McKinsey weltweit.