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REISEN: «Der Schweizer erwartet Transparenz»

Per Mausklick die Ferien buchen: Das ist bequem und wird deshalb immer populärer. Doch geben wir dadurch nicht zu viel preis? Auf Tuchfühlung bei einem der weltweit grössten Anbieter.
Interview Dominik Buholzer
Ab in die Ferien? Jeder Fünfte in der Schweiz greift bei der Suche nach Reiseinspirationen zum Tablet. (Bild: Getty)

Ab in die Ferien? Jeder Fünfte in der Schweiz greift bei der Suche nach Reiseinspirationen zum Tablet. (Bild: Getty)

Jede Sekunde verkauft Expedia über seine Webseiten sechs Hotelübernachtungen, der Bruttobuchungsumsatz belief sich im dritten Quartal auf 55 Milliarden US-Dollar. Expedia ist das weltweit grösste Online-Reisebüro. Seit 2010 unterhält das US-Unternehmen in Genf eines seiner grössten Büros in Europa. Aktiv im Schweizer Markt war Expedia bislang jedoch nur über seine Schwestermarken Hotels.com, Trivago und Egencia. Das hat sich jetzt geändert. Seit September hat Expedia nun auch eine eigene Schweizer Webseite. Es sei nicht leicht gefallen, so lange nicht in der Schweiz aktiv zu sein, sagte Andreas Nau, Geschäftsführer Zentraleuropa bei Expedia, am Mittwoch anlässlich einer Präsentation des Webauftrittes in Zürich.

Andreas Nau, Expedia bietet seine Dienstleistungen jetzt auch unter einer Schweizer Domain an. Ist der Schweizer Markt interessant geworden?

Andreas Nau: Die Schweiz war für uns schon immer sehr attraktiv, und wir zählen ja bereits heute sehr viele Schweizer Kunden. Aber bevor wir mit einer eigenen Schweizer Webseite an den Start gingen, wollten wir unsere Technologie zukunftsträchtig machen. Kurz: Wir wollten zuerst unsere Hausaufgaben lösen. Es hat uns aber schon geschmerzt, dass wir so lange nicht stärker in der Schweiz auftreten konnten.

Was zeichnet den Schweizer Kunden aus?

Nau: Er bucht in der Regel längere Ferien und ist bereit, dafür mehr zu zahlen als Kunden sonst in Europa. Aber dafür erwartet er Transparenz und setzt sehr grossen Wert auf Verlässlichkeit. Er will einen vernünftigen Preis haben und nicht noch zuerst auf zehn anderen Webseiten Vergleiche anstellen müssen. Das wollen wir ihm bieten, aber noch viel mehr. Wir wollen auf seine spezifischen Bedürfnisse eingehen.

Das funktioniert nur, weil Sie die Daten von Kunden sammeln. Was machen Sie mit den Informationen?

Nau: Wie alle Internetunternehmen müssen wir mit diesen Daten sehr vorsichtig umgehen. Es geht uns nicht um einzelne Personendaten. Am Ende macht es erst die grosse Masse an Daten möglich, gewisse Trends und Muster zu identifizieren, über die wir schliesslich auch dem einzelnen Konsumenten einen Mehrwert bieten können. Man darf den Kunden aber auch nicht mit Informationen überfluten. Nur weil jemand mal nach Mallorca im Internet gesucht hat, können wir ihn nicht einfach mit Angeboten zudecken. Vielleicht will er ja dort gar nicht seine nächsten Ferien verbringen. Wir wollen unsere Kunden auch nicht auf Schritt und Tritt verfolgen.

Wirklich?

Nau: Wir haben Tricks nicht nötig, unser Geschäft ist profitabel.

Was verstehen Sie denn unter dem richtigen Mass an personifizierten Informationen?

Nau: Wenn wir sehen, dass jemand immer wieder Tennisferien gebucht hat, dann ist es doch angezeigt, dass wir ihn auf ähnliche lukrative Orte und Angebote aufmerksam machen. Bei der Buchung eines Fluges wollen wir ihm aufzeigen, wo sich die bequemeren Sitze befinden.

Welche Ziele wollen Sie in der Schweiz erreichen?

Nau: Im Idealfall sollte den Schweizern automatisch Expedia in den Sinn kommen, wenn sie an Reisen denken. Und wir wollen, dass in der Schweiz kein einziges Hotelzimmer frei bleibt. Die Schweizer Hotellerie profitiert bereits heute stark von uns.

Inwiefern?

Nau: Expedia ist dank seiner Technologie in der Lage, Hotelzimmer in der Schweiz weltweit zu vermarkten. Heute buchen viele Gäste aus den USA, Grossbritannien und Asien, allen voran Japan, ihren Aufenthalt in der Schweiz über Expedia. Noch vor wenigen Jahren war der Hotelvertrieb noch sehr stark auf den deutschen beziehungsweise französischen Markt ausgerichtet.

Wie hat sich denn der Schweizer Markt bislang für Expedia entwickelt?

Nau: In der Schweiz buchen immer mehr Personen ihre Ferien online. Wir stellen fest, dass vermehrt über Mobilgeräte wie Smartphone oder Tablet gebucht wird, und massiv weniger über die herkömmlichen Computer. Diese Entwicklung ist eine Herausforderung.

Wieso?

Nau: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Der Kunde setzt im Büro auf seinem Computer kurz vor Feierabend eine Suchabfrage ab. Dann fährt er im Tram nach Hause und will auf seinem Smartphone weiter die verschiedenen Angebote prüfen. Wenn er zu Hause auf dem Sofa sitzt, will er auf seinem Tablet buchen. All dies will er machen, ohne dass er jeweils wieder von neuem eine Suchabfrage starten muss.

Welche Trends machen Sie im Reiseverhalten aus?

Nau: Die Kunden wollen nicht mehr ein Portal für Hotels und ein weiteres für Flüge. Sondern sie wollen mit einem Klick die gesamte Reise samt Mietwagen, Aktivitäten vor Ort usw. buchen. Wir können dies Konsumenten in der Schweiz zwar noch nicht vollständig anbieten, aber bereits einen grossen Teil davon. Und wo wir Lücken haben, versuchen wir diese zu schliessen. Wir werden beispielsweise ab 2016 auch einen Railservice aufbauen.

Sind die SBB mit von der Partie?

Nau: Wir machen in den USA mal den Anfang und dehnen dann das Angebot aus.

Die Schweizer Wettbewerbskommission hat jüngst entschieden, dass Online-Buchungsportale Hotels nicht verbieten dürfen, ihre Zimmer woanders günstiger anzubieten?

Nau: Wir nehmen den Entscheid zur Kenntnis und analysieren ihn eingehend. Da wir von den Hotels keine Bestpreis-Garantie mehr verlangen, sind wir erfreut, dass die Wettbewerbskommission unsere aktuellen Vertragsbedingungen mit Schweizer Hotels nicht beanstandet.

Hotelbuchungsplattformen sind in ganz Europa unter Beschuss geraten, weil sie zum Teil von den Betrieben verlangen, dass sie über andere Kanäle keinen tieferen Preis anbieten dürfen. Können Sie den Ärger der Hotelbranche verstehen?

Nau: Ich glaube, der Ärger beruht auf vielen Missverständnissen. Eine Plattform funktioniert nur, wenn der Preis auch stimmt. Wir geben den Hotels nicht nur Gäste, sondern stellen ihnen auch Tools zur Verfügung, damit sie ihre Produkte noch besser verkaufen oder neue Märkte erschliessen können. Das kommt an. Wir zählen heute 35 Prozent mehr Hotels in der Schweiz zu unseren Kunden als noch vor zwei Jahren. Zudem wollen wir die Kommission in Zukunft reduzieren.

Interview Dominik Buholzer

Hinweis

Andreas Nau. (Bild: pd)

Andreas Nau. (Bild: pd)

Andreas Nau ist Geschäftsführer Zentraleuropa bei Expedia. Er war davor Manager beim Reiskonzern TUI. Nau ist in Berlin geboren, hat in London studiert und besitzt die amerikanische wie auch die österreichische Staatsbürgerschaft.

Das zieht Schweizer in die Ferien. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

Das zieht Schweizer in die Ferien. (Bild: Grafik: Oliver Marx)

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