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REISEN: Der Sommer soll Kuoni die Wende bringen

Kuoni war mal der Stolz der Schweizer Reisebranche, dann kam der tiefe Fall und vor zwei Jahren schliesslich der Verkauf an die deutsche DER Touristik. Jetzt soll es wieder aufwärtsgehen. In Frankfurt spielt die Schweiz dabei eine spezielle Rolle.
Dominik Buholzer
Bei Kuoni will man die trüben Tage bald hinter sich lassen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 3. Februar 2016))

Bei Kuoni will man die trüben Tage bald hinter sich lassen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 3. Februar 2016))

Dominik Buholzer

Die Lektion hat man in Frankfurt schnell verstanden. «Ein Fahrrad ist bei euch ein Velo, und statt in den Urlaub geht ihr in die Ferien», sagt eine Mitarbeiterin des deutschen Produktionsteams und sorgt damit für Lacher in der Runde. Ingesamt 13 Personen sind hier am Hauptsitz von DER Touristik in Frankfurt ausschliesslich für Kuoni zuständig. «Ein Privileg, das andere Tochterfirmen im Konzern so nicht haben», sagt Mike Lehmann, Director Productmanagement Kuoni. Und damit soll unterstrichen werden, welch hohen Stellenwert die Deutschen dem Schweizer Ferienanbieter beimessen.

Die Gründe sind nachvollziehbar: Kuoni ist eine Traditionsmarke (111 Jahre alt). Der gleichnamige Konzern schickte sich in den 90er-Jahren an, europaweit eine dominante Rolle zu spielen. 1999 bot die Kuoni Group noch 900 Millionen Deutsche Mark für die Übernahme von DER Touristik. Den Zuschlag bekam die Rewe-Gruppe. Sie bot 1 Milliarde Mark. Heute ist es genau dieser Konzern, der den einstigen Schweizer Branchenprimus vor dem Untergang rettet. Der Kauf war ein Schnäppchen: Die Deutschen sollen nicht mehr als 120 Millionen Franken bezahlt haben; die Kuoni Group wollte mit dem Verkauf des Reisegeschäfts mindestens 200 Millionen Franken rausholen.

Spätestens 2019 sollen rote Zahlen Geschichte sein

Seit November 2015 befindet sich Kuoni definitiv in deutschen Händen, und seither wird eifrig am Comeback gearbeitet. «Es ist ein steiniger Weg», sagte René Herzog, CEO Central Europe bei DER Touristik, diese Woche gegenüber Journalisten in Frankfurt. «Aber wir haben nicht die Katze im Sack gekauft.»

Wunschgemäss verlief es trotzdem nicht. In einem ersten Schritt wurden über 60 Stellen abgebaut, auf die Hälfte aller Farbdrucker verzichtet und sämtliche externen Services neu ausgeschrieben. Die Betriebskosten, so dürfen die Verantwortlichen heute behaupten, hat Kuoni im Griff. Noch nicht aber die Technik. Im Winter wurde die IT, einer der ganz grossen Schwachpunkte von Kuoni, ausgewechselt. Das verlief nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Noch immer kämpft man mit Problemen. «Unsere Produkte sind heute noch nicht alle buchbar», sagt CEO Dieter Zümpel mit Betonung auf das «noch».

Das geht ins Geld. Nachdem bereits 2016 negativ war, wird es auch in diesem Jahr nichts mit schwarzen Zahlen. Heute ist es das Spezialistengeschäft, das Kuoni trägt. Doch dies genügt nicht, um wieder in die Gewinnzone zu gelangen. «2018 haben wir aber eine reelle Chance auf den Break-even», betont Herzog. Klappt es nicht, sollte es spätestens 2019 so weit sein.

Entscheidend wird dieser Sommer sein. Bis spätestens am 4. August, wenn die Winterkataloge lanciert werden, sollen sämtliche IT-Probleme behoben und sämtliche Produkte wieder buchbar sein. «Die heutigen Probleme sind nichts im Vergleich zu jenen, die wir in den vergangenen zwei Jahren gelöst haben», sagt Verda Birinci-Reed, Head of Tour Operating Package. Zuversichtlich stimmt die Verantwortlichen zudem, dass Gespräche mit Reisebüros zeigten, dass diese sehr wohl bereit sind, die Kuoni-Produkte zu verkaufen. Zuerst müssen aber die technischen Probleme gelöst sein.

CEO Zümpel wagt bereits wieder zu träumen

Der einstige Schweizer Marktleader hat durch die Wirren in den vergangenen Jahren reichlich Kunden verloren. Insbesondere die Migros-Tochter Hotelplan Suisse profitierte davon. Verloren ist für Kuoni allerdings nichts, wie eine repräsentative Umfrage, die im Auftrag von Kuoni erstellt worden ist, zeigt. Die Bekanntheit der Marke ist immer noch sehr hoch; 92 Prozent der Befragten kannten Kuoni. 71 Prozent der Befragten würden auch bei Kuoni buchen, wenn die Preise nicht so hoch wären.

Diese sind mittlerweile nicht mehr das Problem. Durch die Übernahme durch DER Touristik haben sich die Einkaufskonditionen verbessert, insbesondere für die Destinationen Asien, Indischer Ozean und Nordamerika. Davon profitieren die Kunden in Form von tieferen Preisen.

CEO Dieter Zümpel wagt angesichts dessen bereits wieder zu träumen. Er träumt von einer Rückkehr an die Spitze. Die Parole dazu hat er diese Woche in Frankfurt schon mal rausgegeben: «Wir wollen das bekannteste, beste und erfolgreichste Schweizer Tourismusunternehmen werden.» Zumindest am Ehrgeiz mangelt es der neuen Kuoni-Crew nicht.

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