REISEN: Ein Abenteuer will geplant sein

Erstmals stagnieren die Online-Buchungen. Vor allem die junge Generation überlässt die Planung wieder dem Fachmann. Reiseveranstalter haben sich auf diesen Trend eingestellt.

Bernard Marks
Drucken
Teilen
Eine Kundin lässt sich in einem Kuoni-Reisebüro beraten. (Bild: Keystone)

Eine Kundin lässt sich in einem Kuoni-Reisebüro beraten. (Bild: Keystone)

Ausgangspunkt des Treckings ist der Ort Lukla in Nepal. Das Tor zur Region des Mount Everest liegt auf einer Höhe von 2860 Meter über dem Meeresspiegel. Auf der ausgewählten Route und mit ein paar Liegestützen nebenbei können sich die 12 Trecker schrittweise an die Höhe gewöhnen. Es geht Richtung Basislager. Dabei haben die Reisenden den Everest immer im Blick. Mit von der Partie ist die preisgekrönte Reise-Bloggerin Laurel Robbins. Sie stellt ihre Erlebnisse mit Fotos ins Internet.

«Es ist die erste Reise von 17, die wir neu anbieten», sagt Michael Mettler. Der 43-Jährige ist Geschäftsführer von Baumeler Reisen in Luzern. «Junge Reisende wollen heute in den Ferien etwas erleben. Sie wollen aber kein Risiko eingehen», sagt er weiter. Baumeler hat deshalb mit den beiden Reiseveranstaltern SNP aus den Niederlanden und World Expeditions, die in Australien, Nordamerika, Grossbritannien und Neuseeland vertreten sind, Yomads gegründet. Die neue Marke soll die Reisebedürfnisse der 20- bis 39-Jährigen ansprechen.

Zielgruppe 20 bis 39 Jahre

Ob Inselhüpfen in Griechenland, Canyoning und Riverrafting in Slowenien, Abenteuer-Trecking durch Georgien oder Rundreisen durch Peru oder Namibia. «Wer älter als 39 Jahre ist, kommt bei uns leider nicht mit», sagt Mettler weiter. Denn bei Yomads gilt eine klare Altersbeschränkung. Das Konzept des neuen Angebotes ist einfach. Reisende aus der ganzen Welt kommen zusammen und erleben gemeinsam ein Abenteuer. «Doch ein solches Abenteuer will gut geplant sein», sagt Mettler. Das ist in der heutigen Zeit keine leichte Aufgabe. Seiner Erfahrung nach überlässt die Internet-Generation aus diesem Grund immer häufiger die Planung einer Abenteuerreise dem Fachmann. Die Yomads-Reisen werden im Reisebüro oder direkt bei Baumeler Reisen in Luzern vertrieben.

Wertvolle Freizeit nutzen

«Die jungen Reisenden wollen heute vermehrt sichergehen, dass sie in ihrer wertvollen Freizeit auch bestimmt etwas erleben», sagt dazu Jürg Stettler, Leiter des Institutes für Tourismus Wirtschaft an der Hochschule Luzern. Aus diesem Grund schätzen seiner Ansicht nach gerade die 20- bis 39-Jährigen eine gute Beratung im Reisebüro. Er bezeichnet die Gruppe als «Generation Y». Diese Altersgruppe ist gebildet und hat ein überdurchschnittlich gutes Einkommen. «Sie arbeiten viel und wollen sich in der wenigen freien Zeit etwas Gutes leisten», sagt Stettler. Diese jungen Menschen haben ähnliche Interessen. Sie sind über mobile Empfangsgeräte wie Smartphones oder Tablets miteinander gut vernetzt und kommunizieren dank sozialen Medien länderübergreifend.

Die Generation Y ist gefragt, denn sie stellt die Stammkunden von morgen. Das Marktpotenzial ist entsprechend gross. Neben Yomads bietet auch Tui Abenteuer- oder Erlebnisreisen an. Zum Beispiel in der Schweiz unter der Marke Tui FlexTravel. «Das Wachstum beim Umsatz liegt jährlich im zweistelligen Prozentbereich», schätzt der Sprecher von Tui Schweiz, Roland Schmid. Dass gerade junge Menschen, die ständig im Internet unterwegs sind, für die speziellen Reisen lieber eine Beratung im Reisebüro in Anspruch nehmen, hat Gründe. Denn die Kundenzufriedenheit lässt im Netz oft zu wünschen übrig. Der Ruf von vielen Internetreiseveranstaltern leidet unter Reklamationen von Kunden, die sich schnell im Internet verbreiten. Auf der Facebook-Seite von Bravofly beschwerten sich zum Beispiel zahlreiche verärgerte Kunden wegen intransparenter Preisgestaltung, schrieb die «NZZ am Sonntag» im April dieses Jahres. Zudem wurde der Kundenservice beanstandet.

Bravofly ist kein Einzelfall: Auch der Ombudsmann der Schweizer Reisebranche Beat F. Dannenberger verzeichnete im Jahr 2013 auffallend mehr Beschwerden über Online-Reiseveranstalter. «Ferienbuchungen landen sehr oft bei einem ausländischen oder unbekannten Vermittler und Veranstalter, obwohl die Website mit .ch endet», sagt Dannenberger. Er mahnt daher zur Vorsicht bei Internetbuchungen. Bevor man im Internet eine Reise buche und Kreditkarten-Informationen hinterlege, rät der Ombudsmann deshalb, immer noch zuerst Dinge zu hinterfragen wie: Kennen Sie das Unternehmen, seine Reputation? Wie steht es um die Sicherheit, die Zuverlässigkeit und die Kundengeldabsicherung? Sind auf der Website auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sofort zu finden?

Online-Buchungen stagnieren

Für die Schweizer Reisebüros hat das Internet sicher unter anderem aus diesem Grund etwas von seiner Bedrohung verloren. Jahrelang fürchteten die Anbieter, dass dieser Vertriebskanal für Reisen ihnen die Existenzgrundlage entziehen könnte. Diese Gefahr ist zwar nicht vollständig abgewendet, sie scheint aber weniger massiv zu sein als lange Zeit angenommen.

Dies bestätigte auch eine Umfrage des Schweizerischen Reisebüroverbandes und von Allianz Global Assistance. Danach verharrte der Anteil der Internetbuchungen in der Schweiz in den vergangenen zwei Jahren bei knapp über 50 Prozent (siehe Grafik). Auch Senioren buchen offenbar wieder häufiger im Reisebüro. Damit werde die Rolle der Reisebüros als «Risikominimierer» bei der Planung einer Reise bestätigt, so der Tenor der Umfrage. Die Qualität der Beratung werde wieder wichtiger.