REISEN: «Einheitliche Lösung wäre von Vorteil»

Bei Flügen dürfen Flüssigkeiten seit 10 Jahren nur bis zu einer fixen Menge mit an Bord. Zudem gibt es bestimmte Vorgaben, was Grösse und Gewicht angeht. Jede Airline stellt hier eigene Regeln auf. Für Passagiere bleibt die Situation vorerst unübersichtlich.

Andreas Lorenz-Meyer
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Einige Beispiele von Dingen, die im Handgepäck erlaubt sind.Bild: Nick Veasey/Getty

Einige Beispiele von Dingen, die im Handgepäck erlaubt sind.Bild: Nick Veasey/Getty

Wer in ein Flugzeug steigt, möchte ein paar Dinge dabei haben. Zum Beispiel etwas zum Lesen. Die Mitnahme von Handgepäck ist bekannterweise erlaubt. Jedoch gibt es Beschränkungen: Seit November 2006 gilt in der Schweiz die Regelung der Europäischen Union über Flüssigkeiten im Handgepäck. Die Vorschriften sollen verhindern, dass jemand Sprengstoff an Bord schmuggelt. Durch die Sicherheitskontrolle kommen nur Flüssigkeiten in Behältnissen von maximal 100 Millilitern. Wobei man unter Flüssigkeiten auch Cremes, Gele und Lotionen versteht. Die Behälter – Tuben, Dosen, Fläschchen – müssen in einem durchsichtigen, wieder verschliessbaren Plastikbeutel von maximal 1 Liter Fassungsvermögen untergebracht sein. Pro Person ist ein Plastikbeutel erlaubt, das gilt auch für Kinder und Säuglinge.

Ebenfalls erlaubt sind Baby- und Spezialnahrung sowie unverzichtbare Medikamente in flüssiger Form, etwa für Diabetiker. Sie können in grösseren Behältnissen mitgeführt werden. Für Flüssigmedikamente empfiehlt es sich, den Attest eines Arztes in englischer Sprache mitzunehmen. Was auch an Bord darf: flüssige Duty-Free-Artikel aus dem Flughafen-Shop. Auch hier spielt die Grösse keine Rolle. Der Artikel muss jedoch in einer versiegelten Tasche stecken. Und die Kaufquittung darf nicht fehlen. Kann man sie nicht vorzeigen, werden die Artikel konfisziert. Damit nichts schief geht, befestigen die Angestellten im Duty-Free-Geschäft die Quittung mit einem Tacker am Plastikbeutel, erklärt Sonja Zöchling Stucki, Sprecherin des Flughafens Zürich.

Routine hat sich eingestellt

Nur ins Handgepäck und nie ins Check-in-Gepäck gehören Batterien und Akku-Aufladegeräte. Die Batterien in der Kamera oder im Laptop zu lassen ist erlaubt. Auch die Batterien im Aufladegerät müssen nicht separat verpackt werden. Lose Batterien sind jedoch gegen Kurzschluss zu sichern. «Man deckt dafür die Pole mit Klebeband ab oder steckt die Batterie in eine Schutzhülle», so Zöchling Stucki. Was nicht den Handgepäckregeln entspricht, wird an der Sicherheitsschleuse eingezogen. «Das kommt öfter vor», sagt Zöchling Stucki. Häufig sind es Petflaschen, Kosmetika und Sonnencremes. Bei den Passagieren habe sich zwar eine gewisse Routine eingestellt, allerdings konfisziert man an den Kontrollstellen in Zürich nach wie vor einige hundert Kilogramm Flüssigkeiten täglich. Anfänglich lag diese Zahl sogar bei knapp einer Tonne pro Tag. In der Hauptreisezeit, Juli und August, kommen manchmal immer noch über 24 Tonnen im Monat zusammen. Zu richtigen Verzögerungen führt die Flüssigkeitenregel nicht, so Zöchling Stucki. Aber einige Passagiere haben sie anscheinend vergessen. Man sollte beim Fliegen nicht nur auf die Flüssigkeiten achten, sondern auch das Handgepäck vorher genau abmessen, Griffe und Rollen inklusive. Auch sollte man es vorab wiegen, sonst erlebt man am Flughafen eine böse Überraschung. Denn: Was zu gross oder zu schwer ist, darf nicht mit an Bord. Wobei die Airline selbst Maximalgrösse und -gewicht bestimmen. Bei der Swiss ist in der Economy Class ein Gepäckstück bis 8 Kilogramm Gewicht und maximal 55x40x23 Zentimetern erlaubt.

In Business und First Class dürfen es zwei Gepäckstücke sein. Die Airline weist darauf hin, dass man die Regelungen beim Einsteigen «konsequent durchsetzt». Sprich: Nicht Passendes wird dem Passagier am Gate abgenommen und als Check-in-Gepäck transportiert. Das kommt gelegentlich vor, so Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott. Die Kosten dafür betragen 55 Franken. Auch eine Hand- oder Laptoptasche und ein Kindersitz dürfen bei Swiss zusätzlich mit an Bord. Der Kindersitz aber nur, sofern das Kind einen eigenen Sitzplatz hat. Er muss für Flugreisen zertifiziert sein und auf die Sitze (bei Swiss 43x43 Zentimeter) passen. Grundsätzlich können auch Gehhilfen und medizinische Geräte mitgenommen werden. «Die Passagiere sollten uns bereits bei der Buchung darüber informieren», betont Fuhlrott. Bei einem zusammenklappbaren Rollstuhl teilt man dessen Masse, Gewicht und Typ vorab mit.

Jede Airline hat eigene Vorgaben

Bei Easyjet läuft es etwas anders ab. Alle Fluggäste können ein Handgepäckstück mit einer maximalen Grösse von 56x45x25 Zentimeter mit an Bord nehmen. Garantiert ist die Mitnahme aber nicht. Der Platz in den Gepäckfächern über den Sitzen werde je nach Verfügbarkeit vergeben, informiert die Airline. Sobald diese Fächer voll sind, bittet man alle weiteren Fluggäste, ihr Handgepäck aufzugeben. Bei einem stark ausgelasteten Flug kann es also passieren, dass es im Frachtraum landet, obwohl die Grösse korrekt ist. Air France und British Airways erlauben 25 Zentimeter Tiefe. Bei Air China und Ryan Air sind es nur 20 Zentimeter Tiefe. Auch das Maximalgewicht variiert: 7 Kilogramm bei Singapore Airlines, 10 Kilogramm bei Air Canada. Die Vorgaben können sich jederzeit ändern, man sollte sich immer vor dem Flug noch einmal erkundigen.

Bleibt es bei der unübersichtlichen Situation? 2015 schlug die Internationale Luftverkehrsvereinigung Iata vor, die Handgepäckmasse zu standardisieren. Mit den 55x35x20 Zentimetern, um die es ging, wäre der Stauraum für Handgepäck jedoch geschrumpft. Die Swiss unterstützte die Initiative seinerzeit. «Es hätte mehr Einheitlichkeit und Transparenz für die Fluggäste bedeutet», so Fuhlrott. Ausserdem wäre die Beladung der Kabinen effizienter geworden. Letztlich scheiterte der Vorstoss aber am Widerstand einiger Airlines.

«Natürlich wäre eine einheitliche Gepäcklösung für Passagiere von Vorteil», findet der Schweizer Reiserechtsexperte Rolf Metz. Doch habe das Ganze auch mit Marketing zu tun, damit man günstigere Preise anbieten kann. Billigflieger wie Ryanair haben im Basispreis länger schon kein Check-in-Gepäck mehr. Für den aufgegebenen Koffer zahlt man also extra. Bei den normalen Carriern gibt es ähnliche Tendenzen. Sie stellten irgendwann fest, dass bestimmte Passagiere, etwa Geschäftsreisende, nur mit Handgepäck fliegen, so Metz. Daraufhin führten unter anderem Air France, Lufthansa und Swiss einen Spezialtarif ein. Bei Swiss heisst dieser Economy Light. Er ist auf allen Europastrecken buchbar. Handgepäck geht hier kostenlos mit, aufgegebenes Gepäck nicht. Passagiere können es für 19 Franken pro Flug online hinzubuchen, am Flughafen für 35 Franken.

Neuerungen am Flughafen

EU Seit 2014 gibt es eine kleine Erleichterung. Sie betrifft Passagiere, die von ausserhalb Europas in den EU-Raum (auch Schweiz) hineinfliegen und von dort innerhalb Europas weiterreisen. Beispiel: Jemand reist von New York nach Paris und steigt dort nach Zürich um. Er darf das in den USA gekaufte Duty-Free-Parfüm im Handgepäck behalten und muss es nicht wie vorher in Paris ins Check-in-Gepäck geben. Bei einer weiteren Neuerung geht es um stichprobenartige Kontrollen mit Sprengstoffspuren-Detektionsgeräten, die seit September 2015 durchgeführt werden müssen. Die EU verlangt diese zusätzliche Massnahme. Wer bei der Sicherheitskontrolle in der Schlange steht, muss also damit rechnen, dass Hände und Taillenbereich untersucht werden. Die Auswertung der Stichproben mittels chemischer Analyse dauert nur Sekunden. Die Kontrollen sind laut Flughafen Zürich gesundheitlich unbedenklich. (alm)

Andreas Lorenz-Meyer
wirtschaft@luzernerzeitung.ch