REISEN: Entweder schön warm oder richtig kalt

Das eigentliche Reisegeschäft beginnt im Januar, aber auch im Dezember buchen Schweizer ihre Ferien. Ob europäischer Norden oder Stranddestinationen – beides ist beliebt. Nur an Weihnachten bleiben die meisten zu Hause.

Andreas Lorenz-Meyer
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New York ist ein beliebtes Reiseziel über Silvester.Bild: Cem Ordel/Getty (1. Januar 2015)

New York ist ein beliebtes Reiseziel über Silvester.Bild: Cem Ordel/Getty (1. Januar 2015)

Andreas Lorenz-Meyer

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Zum Jahresende hin sind viele von uns damit beschäftigt, Geschenke zu besorgen – so wie jedes Jahr. Manche überlegen aber auch, in die Ferien zu fahren. Die einen zieht es eher in die Ferne an irgendeinen Strand, die anderen wählen eine Destination in der Nähe aus. Es hängt meist vom Wetter ab, ob die Winterferien im eigenen Land verbracht werden. Lässt der Schnee hierzulande nämlich auf sich warten, zieht es die Kunden von Hotelplan Suisse im Dezember und Anfang Januar eher in den Norden, nach Finnisch-Lappland oder Nordnorwegen.

Dort können sie an Husky-Safaris teilnehmen, Motorschlitten fahren oder auf Schneeschuhen wandern. Nordwärts geht es auch beim speziellen Silvesterangebot mit der Individual-Reisemarke Travelhouse. Die geführte Island-Rundreise dauert acht Tage, auf dem Programm stehen Reykjavik und die raue Vulkanlandschaft rund um die Hauptstadt. «Mit etwas Glück sieht man da auch Nordlichter», so Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Pressesprecherin von Hotelplan Suisse. Die Reise mit Flug ab Zürich kostet pro Person je nach Unterkunft zwischen 1935 und 3120 Franken.

Thailand Nummer eins bei Langstreckendestinationen

Städtereisen gehören auch zu den Verkaufsschlagern in der Weihnachtszeit. New York, London, Wien, Lissabon und Berlin stehen in der Beliebtheitsskala vorne. Bei den Individual- und Rundreisen verkaufen sich die USA, Kreuzfahrten, Australien/Neuseeland, Finnland und Kuba am besten. Kunden, die in der Ferne etwas Sonne tanken wollen, bevorzugen eher die Langstreckendestinationen. Thailand ist Nummer eins, dahinter kommen die Malediven und Kuba. Auch Mauritius läuft gut, nicht zuletzt wegen des Direktflugs ab Zürich, so Huguenin-dit-Lenoir. Wer keine Langstreckenflüge mag, der bucht die Kanarischen Inseln.

Der Anteil des Sommerferien­geschäfts ist bei Hotelplan Suisse mit rund 35 Prozent des Gesamtumsatzes immer noch am grössten. Jedoch kommen die Winterferien auch auf gut 30 Prozent. Wobei Weihnachten selbst als Reisetermin oft ausgespart bleibt. Huguenin-dit-Lenoir: «Die Vorweihnachtszeit ist generell sehr gefragt. Und anschliessend, nach dem 25. Dezember, liegen auch wieder vermehrt Buchungen vor. Durchschnittlich verbringen Herr und Frau Schweizer die Festtage also gerne unter dem Weihnachtsbaum in den eigenen vier Wänden. Sie wollen die Weihnachtsstimmung in der Schweiz noch miterleben und verreisen gleich danach.» Reisegutscheine werden natürlich auch zu Weihnachten verschenkt. Allerdings ergibt sich für Hotelplan kein markanter Anteil speziell am Jahresende. Die Leute kaufen die Gutscheine das ganze Jahr über. Vor allem in den Filialen laufen die Gutscheine gut. Es gibt ein Plus im tiefen zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr. Die Werte reichen von 10 bis 10000 Franken.

Reisen zu Weihnachtsmärkten beliebt

Kuoni legt während der Adventszeit über den Partner Railtour speziell Reisen zu den Weihnachtsmärkten und fürs weihnächtliche Shopping in benachbarten Ländern auf. Die Anreise darf dabei nicht allzu lang sein. Die Reiseziele: Stuttgart, Karlsruhe, München, Salzburg, Strassburg. Viele Schweizer zieht es über die Festtage aber auch in den Süden. «Die Kanarischen Inseln und Madeira schwingen obenaus», so Marcel Schlatter vom Reiseveranstalter. Auf der Langstrecke sind Thailand, die Dominikanische Republik, Yukatan und die Malediven sehr beliebt. Der Trend weg von Destinationen im arabischen Raum beziehungsweise in den Nahen Osten setzt sich bei Kuoni fort. Klassische Städtereisen halten sich rund um Weihnachten stabil. Vor allem die grossen europäischen Metropolen sind gefragt: Wien, London, Berlin oder Paris. Gerade bei Silvesterreisen in eine Stadt sollte es ein attraktives Rahmenprogramm und gute Ausgeh- und Amüsiermöglichkeiten geben, sagt Schlatter. Bei jüngeren Zielgruppen läuft Mailand zurzeit sehr gut, weil es von der Schweiz aus schnell und bequem per Zug erreichbar ist. Von Bern aus sind es nur drei Stunden in die lombardische Metropole. Über Railtour kann man das passende Hotel buchen. Schlatter: «Die Preise in Mailand sind vernünftig, und die Stadt bietet viele Ausgehmöglichkeiten.»

Bei den Kunden von TUI Suisse ist es so, dass sich die meisten während der Festtage überlegen, wohin es nächstes Jahr gehen soll, und dann ab Januar ihre Ferien buchen. Im Vergleich zu den Vorjahren läuft das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr aber stabil, so Bianca Schmidt vom Reiseveranstalter. Die Mehrheit zieht es über die Festtage in die Badeferien. Besonders Gran Canaria und Teneriffa laufen als Weihnachtsferienziel gut. «Warme Temperaturen und weisser Sandstrand sind bei uns beliebter als Schnee und Kälte», so Schmidt.

Per Schiff von Luzern nach Strassburg

Zu den Nachbarn geht es auch bei Lohri Reisen aus Luzern. Sie bieten über den Partner Rivage Flussreisen, der wie Lohri zur Knecht-Gruppe gehört, eine Silvesterflussreise auf dem Rhein an. Ab Basel geht es auf dem MS «Amadeus Silver III» rheinabwärts nach Speyer, danach durch das Mittelrheintal mit dem Loreleyfelsen und einer Menge Burgen und Burgruinen. Nach Aufenthalten in Frankfurt und Mainz erreicht das Schiff schliesslich Strassburg, den Schlusspunkt der Reise. Die siebentägige Fahrt kostet pro Person je nach Unterbringung zwischen 1490 und 3115 Franken. Im Preis inbegriffen sind unter anderem An- und Rückreise von und nach Basel, Vollpension an Bord und das Silvester-Dinner. Zu den Einsteigeorten gehört auch Luzern. Die Reise verkauft sich sehr gut, sagt Christine Ziegler von Lohri Reisen.

Spezielle Angebote für Reisen zu Weihnachtsmärkten in der Schweiz oder im benachbarten Ausland offeriert Knecht Reisen, viertgrösster Schweizer Reiseveranstalter. Auch Christmas-Shopping in New York ist im Angebot. Ansonsten sind warme Destinationen und der hohe Norden auch bei den Knecht-Kunden zum Jahresende gefragt. «Es lohnt sich, für diese Reisezeit früh zu planen und zu buchen», rät Patrick Meyer von Knecht Reisen Luzern. Für Kurzentschlossene gebe es aber immer noch freie Plätze.