REISEN: Etwas teurer, dafür unbekannt: Das sind die nächsten aufstrebenden Ferien-Destinationen

Neue Reiseländer wie Kolumbien oder der Iran müssen sicher und attraktiv sein, um ins Programm der Reiseveranstalter zu kommen. Sie kosten etwas mehr als vergleichbare Destinationen. Wichtig sind möglichst komfortable Flugverbindungen.

Andreas Lorenz-Meyer
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Der kanadische Fischerort Lunenburg. (Bild: Getty)

Der kanadische Fischerort Lunenburg. (Bild: Getty)

Andreas Lorenz-Meyer

Die Maya-Stadt Tikal, die Inka-Festung Machu Picchu – diese Orte sind bei Touristen sehr beliebt. Zu den weniger prominenten Fundstätten alter lateinamerikanischer Kulturen gehört San Agustín im Süden Kolumbiens. Die nach dem Ort benannte San-Agustín-Kultur hat ihre Anfänge weit vor Christus. Übrig geblieben sind Hunderte von monolithischen Stein- und Felsskulpturen, Tempeln und Grabanlagen. Die archäologischen Parks, rund um den Ort verstreut, zählen zu den bedeutendsten Ausgrabungsstätten des Kontinents und sind fester Bestandteil von Kolumbien-Touren. Auf dem Reisemarkt spielte das südamerikanische Land bisher keine allzu grosse Rolle. Bei TUI Schweiz verkauft es sich in den letzten Jahren aber immer besser.

Das grössere Interesse der Schweizer rührt auch daher, dass sich die politische Lage nach dem Friedensabkommen entspannt hat. «Kolumbien gehört zu den noch ganz unbekannten Reiseländern», sagt Bianca Schmidt von TUI Schweiz. Es punktet mit Kultur und warmem Klima das ganze Jahr über. Lediglich in den Monaten April bis Juni und Oktober bis November herrscht Regenzeit. Die meisten Kunden wählen eine Rundreise ab Bogotá bis Cartagena, dem kolonialen Touristenzentrum an der Karibikküste. «Kolumbien ist günstiger als vergleichbare Länder wie Chile oder Costa Rica», betont Schmidt. Die 8-tägige Rundreise mit Übernachtungen im Doppelzimmer gibt es ab 1650 Franken mit Frühstück, Tourguide und allen Eintrittskarten. Die Hotels an den «wunderbaren karibischen Sandstränden» sind modern ausgestattet.

Direkte Flugverbindungen fehlen, jedoch dauern die Flüge ab Schweiz über Amsterdam oder Paris relativ kurz. Schmidt: «14 Stunden Flug und eine kurze Aufenthaltsdauer bei den jeweiligen Transferflughäfen – das ist angenehm für Südamerikareisen.»

Sicher nicht überfüllt: Kanadas Atlantikküste

Immer wieder schaffen es neue Reiseländer in die Kataloge der Reiseveranstalter. Voraussetzungen sind die Sicherheit vor Ort und die Qualität des Angebots. Hinzu kommen die Zuverlässigkeit der Vertragspartner und marktgerechte Preise, erklärt Marcel Schlatter von Kuoni. Ein «bereicherndes Urlaubserlebnis» muss auch gegeben sein. Was bei Atlantik-Kanada offensichtlich der Fall ist. Die Region umfasst die Provinzen Nova Scotia, Neufundland, New Brunswick und Prince Edward Island und gehört mit einstelligem Plus zu den Aufsteigern bei Kuoni. «Hier finden Nordamerika-Fans Reiseerlebnisse fernab vom Mainstream», erklärt Schlatter. Überfüllte Touristenorte sind Fehlanzeige, dafür bestimmen herbe Natur und bunte Fischerdörfer das Bild. Die Qualität von Essen und Unterkünften sei sehr gut. Es gibt Shrimps, Muscheln und Lobster zu vergleichsweise attraktiven Preisen. Trotz «einer gewissen Exotik» weist die Region wegen ihrer Historie als Ziel europäischer Auswanderer auch viel Vertrautes auf.

Zudem entspricht der Osten Kanadas dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis beim Reisen. Schlatter: «Gerade die Ruhe und Abgeschiedenheit vieler Orte vermittelt das Gefühl, dass die Welt hier noch in Ordnung ist.» Die Zweisprachigkeit der Region – neben Englisch wird meist Französisch gesprochen – sei auch ein Pluspunkt. Kuoni bietet Autorundreisen, Resorts, Hotels, individuell geführte Country Inns. Reisehöhepunkte: der Gros-Morne-Nationalpark mit Fjorden und Bergen, der Cape-Breton-Nationalpark «mit einer sehr hohen Elch-Dichte», das musikbegeisterte St. John’s, Eisberg-Watching in Twillingate. Flüge gibt es mit Air Canada von Zürich über Toronto oder Montreal nach Halifax in Nova Scotia oder St. Johns auf Neufundland, mit Condor über Frankfurt oder mit Icelandair über Reykjavik ins Zielgebiet.

Fahrten durch faszinierende Landschaften im Oman

Populärer ist in den letzten Jahren eine Destination auf der Arabischen Halbinsel geworden: Oman. Hier gibt es bei Kuoni ein zweistelliges Plus. «Das Land passt sehr gut zum Schweizer Markt», erklärt Schlatter. Es habe Natur, Traditionen, sehr gute Hotelstandards. Und es ist sehr sicher. Wolkenkratzer werden hier nicht gebaut wie in den benachbarten Emiraten. Es gibt auch keine Skihallen in der Wüste. Insgesamt weniger Chichi, so Schlatter. Oman biete abwechslungsreichere Landschaften und eigne sich ideal für Mietwagen-Touren. Laut Schlatter perfekt für Rundreisen. Es werde viel in die Infrastruktur vor Ort investiert.

Hinzu kommen gute Flugverbindungen von der Schweiz aus. Oman Air fliegt täglich von Zürich direkt nach Maskat, der Hauptstadt. Auch Emirates, Etihad und Swiss bieten Via-Flüge nach Maskat. Auch bei Hotelplan Suisse zieht die Destination Oman immer mehr an. «Das Land ist ursprünglicher und traditioneller als die Vereinigten Arabischen Emirate», sagt Michèle Hungerbühler vom Reiseveranstalter. Man finde hier Ruhe und Entschleunigung. Oman biete faszinierende Landschaften: karge Steinwüsten, goldene Sanddünen, tiefblaues Meer. Auf Fahrten entdeckt man jahrhundertealte Festungsbauten und ausgetrocknete Flussbette, die Wadis. Die Hotels liegen an «herrlichen Stränden». Im Oman bietet Travelhouse, die Individualreise­marke von Hotelplan, Rundreisen im Bus oder im 4x4-Mietwagen an. Schweizer Touristen zeigen sich grundsätzlich offen für unbekannte Länder, beobachtet Hungerbühler. Sie sind neugierig und erleben gerne etwas Neues.

Wachsendes Interesse am früher gemiedenen Land: Iran

Zu den Neuheiten gehört auch der Iran. Ein Land, das sonst eher aus politischen Gründen für Schlagzeilen sorgte und daher trotz touristischer Attraktivität gemieden wurde. Doch das Bild ändert sich seit der Öffnung. In den Medien findet Iran mittlerweile öfter auch Platz in Form von Reiseberichten, erklärt Hungerbühler. Obwohl die touristische Infrastruktur in dem islamischen Land noch nicht ganz ausgebaut ist, wächst bei den Kunden das Interesse für «Zeitreisen ins wunderschöne alte Persien» stetig. Man verzeichnet ein Buchungsplus im zweistelligen Bereich. Die gewaltigen Gebirge im Iran sind sehenswert, vor allem aber die Kultur interessiert die Leute. Zu den Höhepunkten zählen die Ruinenstätte Persepolis, die Rosengärten in der Stadt Shiraz und die Metropole Isfahan im Zentral­iran mit ihren Palästen, Moscheen, Minaretten und der 33-Bogen-Brücke aus der Zeit der Safawiden.

Die Flugverbindungen in den Iran haben sich in den letzten Jahren verbessert. Via-Flüge nach Teheran gibt es ab Zürich mit Turkish Airlines oder Austrian Airlines. Etwas mehr Geld muss man aber auch bei diesem Newcomer ausgeben: Die Preise für Iran sind im Vergleich zu weniger exotischen Destinationen wie Kenia oder Thailand höher.

Die Ruinenstätte Persepolis im Iran. (Bild: Getty)

Die Ruinenstätte Persepolis im Iran. (Bild: Getty)