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REISEN: Fernbus darf Gotthard-Kolonnen umfahren

Auf den 10. Dezember dürfte Domo Reisen mit seinem Fernbusnetz starten. Auch Göschenen wird angesteuert. Von dort geht es direkt durch den Gotthard-Tunnel nach Süden, auch bei Stau.
Gerhard Lob, Bellinzona
Ein Doppelstock-Bus von Domo Reisen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Kloten, 1. November 2017))

Ein Doppelstock-Bus von Domo Reisen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Kloten, 1. November 2017))

Gerhard Lob, Bellinzona

Domo Reisen zeigt sich zuversichtlich. Tatsächlich dürfte das Busunternehmen aus Glattbrugg der erste inländische Fernbusanbieter der Schweiz werden. «Wir rechnen in diesen Tagen mit der Konzession», sagte Patrick Angehrn, Leiter Linienbusverkehr bei Domo Reisen Anfang Woche anlässlich eines Fachseminars zum Thema Fernbusse in Zürich. Andreas Windlinger, Sprecher des Bundesamtes für Verkehr (BAV), lächelte zustimmend. Doch den genauen Termin der Konzessionsvergabe konnte oder wollte er nicht nennen. Am Bushof von Zürich – nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt – ist das Schild einer Haltestelle von Domo Reisen jedenfalls schon montiert.

Den inländische Fernbus gibt es bisher nur in ganz bescheidenem Rahmen. Der Tellbus zwischen Luzern und Altdorf fällt etwa in diese Kategorie. Mit den anstrebten Linien, die quer durch die ganze Schweiz führen, betritt Domo Reisen daher im wahrsten Sinne des Wortes Neuland. Das Unternehmen will seinen «Schweiz Express»-Doppelstock-Bus auf folgenden Linien rollen lassen: Von Chur via Zürich/Bern und Montreux nach Sitten (Grüne Linie), von St. Gallen über Winterthur/Zürich Flughafen via Solothurn und Neuenburg nach Lausanne und Genf (Rote Linie), zwischen Zürich und Basel-Euroairport (Gelbe Linie), von Basel via Gotthard-Route nach Bellinzona/Lugano (Blaue Linie). Der Fernbus auf der Nord-Süd-Achse soll Haltepunkte in Sursee, Luzern, Stans, Flüelen, Göschenen, Airolo und Biasca ansteuern.

Rollstuhlgängiges WC ist Pflicht

Der Bundesrat hat am 18. Oktober grundsätzlich grünes Licht für die Einführung nationaler Buslinien gegeben, insofern diese ins bestehende ÖV-System eingebunden sind und «keine wesentliche Konkurrenzierung» stattfindet. Das heisst: Halbtax- und General-Abonnemente müssen anerkannt werden. Die Anforderungen an das Rollmaterial sind hoch: Die Busse müssen beispielsweise ein rollstuhlgängiges WC haben.

Domo Reisen verfügt über solche Busse und ist zuversichtlich, im Markt bestehen zu können. «Ein Angebot für Leute, die mehr Zeit und weniger Geld haben», wie Angehrn sagt. Denn die Preise im öffentlichen Verkehr seien heute für viele Menschen in der Schweiz nicht mehr erschwinglich. Der Ansatz von Domo Reisen beträgt die Hälfte eines Bahntickets. Angeboten werden Sitze 1. und 2. Klasse, Verpflegung am Platz und kostenloses Wifi. Ab 10. Dezember ist eine Hin- und Rückfahrt pro Linie und Tag geplant, ab 10. Juni 2018 sollen es zwei Kurse pro Tag sein.

Sonderregel soll lange Verspätungen verhindern

Doch was macht Domo Reisen auf der Gotthard-Route, wenn sich dort vor den Portalen die Fahrzeuge kilometerlang stauen? Müssen die Busse dann von Göschenen zurück bis Wassen oder gar Erstfeld, bevor sie weiter nach Süden fahren? Keinesfalls. «Wir dürfen als ÖV-Anbieter dann in Göschenen und in Airolo vom Werkplatz direkt in den Gotthard-Tunnel fahren – das ist uns so zugesagt», meint Angehrn gegenüber dieser Zeitung. Das ist kein Detail, wenn man stundenlange Verspätungen vermeiden will.

Ob es diese nationalen Fernbusse überhaupt braucht, wird unter Branchenvertretern nach wie vor heiss diskutiert. Die Gewerkschaft SEV und Pro Bahn Schweiz als Kundenorganisation lehnen die nationalen Fernbusse ab, weil sie glauben, dass dadurch am hervorragenden öffentlichen Schweizer ÖV-System geritzt wird. Gemäss dem Motto: Wehret den Anfängen. Geplante Taktverdichtungen und Angebotsausbauten könnten möglicherweise gefährdet werden. Auch der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) fordert vom Bundesamt für Verkehr klarere Aussagen, wo allenfalls eine Grenze für den Transport mit nationalen Fernbussen gezogen wird.

«Wir sind eine Ergänzung zum bestehenden ÖV und keine Konkurrenz», verteidigt sich hingegen Angehrn. Und verweist auch auf die Grössenverhältnisse. Die SBB beförderten allein 1,25 Millionen Fahrgäste pro Tag im Nah- und Fernverkehr. Domo Reisen komme möglicherweise auf rund 600 Passagiere täglich – bei acht Fahrten mit Bussen zu 75 Plätzen.

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