REISEN: Hotelplan greift nach der Zukunft

Das klassische Geschäft mit Ferienreisen erweist sich für die Konzerne zusehends schwieriger. Mit Bedfinder eröffnen sich Hotelplan interessante Aussichten.

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Die Hotelplan Group setzt auf stark auf Bedfinder, mit dem einfach und bequem Buchungen vorgenommen werden können. (Bild: Screenshot)

Die Hotelplan Group setzt auf stark auf Bedfinder, mit dem einfach und bequem Buchungen vorgenommen werden können. (Bild: Screenshot)

Es war am 6. September 2016. Genau 15 Minuten dauerte es, dann war die erste Hotelbuchung aus den USA perfekt. «Und das alles, ohne dass wir einen Schritt in die Staaten gemacht haben. Das ist fantastisch», sagt Thomas Stirnimann. Der Hotelplan Group-CEO ist beim Stichwort Bedfinder Feuer und Flamme.

Bedfinder ist die Weiterentwicklung der Online-Buchung. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Suchabfrage über Google wird der Kunde bei Angeboten der Hotelplan-Tochter nicht mehr auf eine externe Webseite verwiesen, sondern kann die Buchung gleich direkt auf der Seite mit den Suchabfragen vornehmen. «Wenn jemand über ein Gmail-Konto verfügt und seine Daten bereits hinterlegt hat, muss er nicht einmal mehr seine Kreditkarte zücken», erklärt Bedfinder-CEO Katja Altmann. Ein paar Klicks genügen. Das macht das Buchen einfacher und bequemer.

Die Zukunft des Onlinebuchens funktioniert heute auf Google lediglich in den USA und in den UK. Aber der Start war dermassen vielversprechend, dass Bedfinder bei Hotelplan nicht mehr als Projekt läuft, sondern bereits eine eigene Division im Schweizer Reisekonzern bildet. Bis Ende Oktober - das Geschäftsjahr dauert bei Hotelplan von November bis Oktober - wurde über Bedfinder ein Umsatz von 40'000 Franken generiert. Seither stieg er bis Ende Januar 2017 auf über 4,5 Millionen Franken. Zudem liegt die Buchungsrate mit 5 Prozent deutlich höher als bei herkömmlicher Werbung auf Google. Heute können über Bedfinder ausschliesslich Hotelübernachtungen gebucht werden, aber das ist erst der Anfang. Wenn möglich noch in diesem Jahr will man das Angebot auf Pauschalarrangements ausweiten.

«Wahnsinns-Herbst» rettet Geschäftsjahr

Hotelplan verdient mit Bedfinder Geld, auch wenn Stirnimann betont, dass es sich «noch um eine zarte Pflanze» handelt. Aber zeigt der neue Online-Kanal dem Konzern, wohin die Reise gehen könnte.

Neue Ideen sind gefragt. Denn das klassische Geschäft mit dem Verkauf von Ferienreisen gestaltet sich immer schwieriger. Hotelplan befindet sich im Vergleich zu anderen Konzernen noch in einer vergleichbar komfortablen Situation. Dies zeigte sich auch im vergangenen Geschäftsjahr. Das Umfeld war 2015/2016 mit den zahlreichen Terroranschlägen und den geopolitischen Ereignissen schwierig. Trotzdem spricht Stirnimann von einem «soliden Ergebnis». Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent auf 1435,1 Millionen Franken. Erfolgreich entwickelten sich die Geschäfte in Grossbritannien, wo Hotelplan UK den Umsatz um 23,1 Prozent 244,0 Millionen britisches Pfund hochschraubte (303,62 Millionen Franken), und beim Ferienhausvermittler Interhome (3,7 Prozent mehr Buchungen; Steigerung Umsatz um 2 Prozent auf 322,8 Millionen Franken). In der Schweiz dagegen schrieb Hotelplan nur dank einem «wahnsinnigen Herbst» (Zitat Stirnimann) nicht rote Zahlen.

Für das aktuelle Geschäftsjahr sieht es gut aus. Ausser bei der Türkei (-52 Prozent), Ägypten (-30 Prozent) sowie Thailand (-6 Prozent) sieht es in allen Märkten gut aus.

2016/2017 könnte also für Hotelplan ein sehr erfreuliches Jahr werden. Erst recht, wenn auch Bedfinder weiterhin so gut gedeiht. Google will den Dienst weiter ausdehnen. Zur Diskussion stehen Länder wie Kanada, Neuseeland, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Die Schweiz ist bislang nicht auf dem Radar. Hiesige Kunden können aber über www.bedfinder.com die Angebote buchen.

Wer das Rennen macht, ist offen. Hotelplan sind diesbezüglich die Hände gebunden, den entsprechenden Entscheid fällt Google alleine. Doch das spielt eh keine Rolle. Durch die Zusammenarbeit mit Google wurden andere Metasuchmaschine wie die Reiseportale Trivago, Tripadvisor oder Kayak auf Bedfinder Aufmerksam. Mit allen dreien steht Hotelplan im Gespräch, peilt man eine Zusammenarbeit an. Die Vorzeichen stehen laut Altmann gut, dass es dieses Jahr zu einem Vertragsabschluss kommt. Angst, dass ein Konkurrent plötzlich Hotelplan vor der Sonne stehen könnte, hat Stirnimann nicht. «Klar versuchen nun viele andere unser System zu kopieren. Aber nur bei den wenigsten sind die entsprechenden technischen Voraussetzungen dazu vorhanden.»

Dominik Buholzer