REISEN: SBB schliessen Check-in-Schalter

Die SBB haben die Zahl der Standorte für das Check-in von Fluggepäck reduziert und auf zwei Airlines beschränkt. Neu kann das Gepäck aber an der Haustüre aufgegeben werden.

Roman Schenkel
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Es muss wieder mehr selbst geschleppt werden. Die Zahl der Bahnhöfe, an denen das Check-in von Fluggepäck möglich ist, wurde von den SBB von 57 auf 35 reduziert. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Es muss wieder mehr selbst geschleppt werden. Die Zahl der Bahnhöfe, an denen das Check-in von Fluggepäck möglich ist, wurde von den SBB von 57 auf 35 reduziert. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Roman Schenkel

Wer das Reisegepäck schon am Vortag eincheckt, spart Energie und Nerven. Weder muss man den schweren Rucksack durch die Flughafengänge schleppen noch sich mit dem sperrigen Koffer in die Schlange vor dem Check-in-Schalter stellen. Bequem – nur mit Handgepäck bestückt – gehts am Reisetag direkt zum Gate. Statt am Vortag am Flughafen einen Check-in-Schalter aufzusuchen, kann das Reisegepäck ebenfalls am Vortag auch an Bahnhöfen der SBB aufgegeben werden. Alles, was es braucht, ist ein Flugticket, ein Pass und gegebenenfalls ein Visum.

Diese Dienstleistung wurde aber vor kurzem eingeschränkt. So haben die SBB die Zahl der Check-in-Standorte von 57 auf 35 reduziert. «Die Reduktion der Check-in-Bahnhöfe erfolgte wegen geringer Nachfrage», sagt SBB-Sprecher Oli Dischoe. Das Reisegepäckangebot habe nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprochen. «Die Kunden benützen vermehrt Rollkoffer und kleinere Gepäckstücke», erklärt Dischoe. Hinzu kam die sinkende Nachfrage: In den letzten Jahren seien die Zahlen des «Check-in am Bahnhof» rückläufig gewesen. «Die Anzahl Abfertigungen im Fluggepäck hat gegenüber 2014 um rund 10 Prozent abgenommen», so der SBB-Sprecher. Deshalb haben die SBB Standorte mit geringen Check-in-Abfertigungen geschlossen. Zahlen zum Geschäft der Schalter geben die SBB keine bekannt. Mit der Reduktion der Check-in Bahnhöfe könnten aber «hohe Kosten» eingespart werden, so der SBB-Sprecher.

Luzern und Zug noch dabei

In Luzern war die Auslastung des Check-in Schalters offenbar noch hoch genug. Ebenso wie in Zug und Engelberg. Flugreisende können dort ihr Gepäck nach wie vor einchecken und aufgeben. Pro Gepäckstück bezahlt der Kunde 22 Franken. Allerdings ist die Zahl der Fluggesellschaften eingeschränkt. Nur noch für Flüge mit Swiss und Edelweiss ist der Check-in möglich. «Die SBB mussten gezwungenermassen das Check-in auf die Airlines Swiss und Edelweiss reduzieren», sagt Dischoe. Das bisherige Check-in-System – mit vielen verschiedenen Airlines – habe das Ende der Laufzeit erreicht. Neu nutzten die Airlines eigene, speziell auf sie zugeschnittene Systeme. «Die SBB konnten weder früher noch können sie heute entscheiden, welche Airlines für das Check-in möglich sind», erklärt Dischoe. Vielmehr müssten die Airlines selbst das Check-in am Bahnhof system- und sicherheitstechnisch zulassen.

So blieb den SBB, sich auf das Check-in-System mit den zwei Airlines Swiss und Edelweiss zu konzentrieren. «Damit kann das Angebot wenigstens für 65 Prozent der Kunden aufrechterhalten werden», sagt Dischoe. Kunden aller anderen Fluggesellschaften könnten jedoch ihr Gepäck ohne Check-in an die SBB-Flughafenschalter in Zürich oder Genf senden und dort für das Check-in beziehen.

Fluggepäck am Vorabend abgeben

Gleichzeitig mit der Reduzierung der Check-in-Standorte haben die SBB den Tür-zu-Tür-Gepäckservice ausgebaut. Bis anhin gab es die Dienstleistung nur für den Transport für Gepäckstücke innerhalb der Schweiz. Im Dezember haben die SBB dieses Angebot in Zusammenarbeit mit Swissport auf das Fluggepäck ausgeweitet. Kunden, die ab Zürich oder Genf mit Swiss, Edelweiss oder Air Berlin Group (Air Berlin, Belair und Niki) fliegen, können ihr Fluggepäck zu Hause abholen lassen. «Am Vorabend der Reise übergibt der Transporteur den Kunden die Bordkarte und bringt das Gepäck direkt an den Flughafen», erklärt Dischoe die Funktionsweise. Bei der Landung am Zielflughafen erhält der Kunde dann bei der Gepäckausgabe seine Koffer wieder. Pro Gepäckstück kostet der Tür-zu-Tür-Service 22 Franken. Hinzu kommt eine Sendungspauschale von 40 Franken.

Bei der Rückreise in die Schweiz können die Kunden direkt die Heimreise antreten, ohne am Gepäckband zu warten. Ihr Gepäck wird direkt nach Hause geliefert. Dieser Service ist weltweit ab allen Flughäfen und unabhängig von der Airline möglich.

Reisebürogeschäft eingestellt

Neben dem Abbau beim Check-in haben sich die SBB Ende 2015 aus dem Reisebürogeschäft zurückgezogen (wir berichteten). An den SBB-Schaltern werden seither keine Flugreisen, Badeferien oder Kreuzfahrten mehr verkauft. Der Rückzug aus dem Reisebürogeschäft sei aufgrund des seit Jahren rückläufigen Volumens und vermehrter Onlinebuchungen erfolgt. Das Geschäft hätte nur mit Verlust betrieben werden können. Den betroffenen 80 Mitarbeitenden konnten die SBB eine andere Tätigkeit anbieten; es habe keine Entlassungen gegeben.