REISEN: «Singles sind für uns wichtige Kunden»

Hotelplan Suisse ist zurück in der Gewinnzone. CEO Kurt Eberhard sieht gar die Voraussetzungen geschaffen für ein weiteres Wachstum. Und er sagt, weshalb es auch künftig nicht ohne Reisebüros gehen wird.

Dominik Buholzer
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Eine Frau sonnt sich an der Küste von Oaxaca in Mexiko. (Bild: Getty)

Eine Frau sonnt sich an der Küste von Oaxaca in Mexiko. (Bild: Getty)

Interview: Dominik Buholzer

Kurt Eberhard, Hotelplan Suisse hat turbulente Jahre hinter sich, kann jetzt für das Geschäftsjahr 2016/17 aber ein Plus von fast 10 Prozent schreiben. Ist man raus aus der Gewitterzone, oder ist dies nur ein Zwischenhoch?

Ich hoffe doch sehr, dass Ersteres der Fall ist. Es läuft auch im aktuellen Geschäftsjahr gut. Wenn sich die Sicherheitslage nicht markant ändert, sind bei uns die Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum gegeben.

Wachsen kann Hotelplan Suisse auch durch Akquisitionen. Wonach halten Sie gerade Ausschau?

Akquisitionen sind für uns stets ein Thema, das ist richtig. Wir erhalten auch regelmässig Angebote. Aber eine Firma muss auch wirklich zu uns passen.

Finden derzeit Übernahmegespräche statt?

Es liegen Dossiers auf meinem Tisch. Aber ich will jetzt nicht in die Details gehen.

Dann reden wir doch über ein anderes Thema: Frauen. Sie haben vor wenigen Wochen eine Studie über das Reiseverhalten von alleinstehenden Frauen veröffentlicht. Wird der CEO von Hotelplan Suisse nun auch noch zum Frauenversteher?

(lautes Lachen bei Kurt Eberhard und Kommunikationschefin Pris­ca Huguenin-dit-Lenoir) Die Kommunikationschefin entgegnet als Erste: «Das ist er schon!» «Ich hoffe, das sagt auch meine Frau von mir», meint Eberhard.

War das wirklich mehr als ein Werbegag?

Singles sind für uns eine wichtige Kundengruppe. Es gibt zahlenmässig immer mehr davon. Alleinstehende Frauen geben in der Regel mehr Geld für ihre Ferien aus als Männer und sind erst noch online-affiner.

Vor einem Jahr beschlossen die Briten den Brexit. Damals hegten Sie die Befürchtung, dass künftig weniger Engländer bei uns Wintersportferien machen werden. Bewahrheitet sich dies?

Ich bin froh, dass es bislang nicht so weit gekommen ist. Hotelplan UK verzeichnet derzeit starke Vorausbuchungen für Ferien in den Alpen. Man muss allerdings sagen, dass der Brexit ja noch nicht vollzogen worden ist. Wie es danach aussieht, wissen wir jetzt noch nicht.

Kann Hotelplan Suisse auch davon profitieren?

Ja, Ferien in England sind wegen der Abschwächung des britischen Pfunds attraktiver geworden. Vor allem Städtereisen nach London haben stark zugelegt.

Es kam wegen des Brexit bis heute noch nicht zu einem Einbruch. Blieb auch der Trump-Effekt aus?

Wir verzeichnen für die USA bei den Passagierzahlen wie auch beim Umsatz ein Plus von 6 Prozent. Das Wachstum wäre wohl ohne Trump noch höher ausgefallen.

Welche Anzeichen haben Sie dafür?

Ich kann meine Vermutung nicht mit Zahlen belegen. Wir wissen aber, dass es Kunden gibt, die wegen Trump bewusst auf ihre US-Reise verzichten. Gerade zu Beginn seiner Amtszeit bekamen wir einige solcher Rückmeldungen. Jetzt hat sich dies wieder ein wenig beruhigt. Nicht ganz so ausgeprägt verlief dies übrigens schon bei George W. Bush.

Themenwechsel: Hotelplan Suisse profitiert davon, dass Schweizer wieder vermehrt Skiferien in der Schweiz buchen. Erstaunt Sie diese Entwicklung?

Nicht wirklich. Hotels sowie Bergbahnen haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht. Und wahrscheinlich hat so mancher gemerkt, dass das Gras ennet dem Hag nicht grüner ist. Viel erstaunlicher ist doch eigentlich, dass die Leute bei uns ihre Skiferien in der Schweiz buchen. Sie könnten dies ja direkt beim Hotel tun.

Was ist Ihre Erklärung dafür?

Dass wir sehr gute Angebote haben. Angebote, die es so nur bei uns gibt. Wir können bessere Konditionen herausholen, als wenn der Gast alles selber bucht.

Schöner Werbespruch.

Wir bieten in Engelberg eine Hotelübernachtung mit Halbpension für 112 Franken pro Nacht an – Skipass inklusive. Das holen Sie selber nicht raus.

Noch etwas ganz anderes: In den letzten Jahren ist immer wieder von einem Comeback der Reisebüros die Rede. Ist dies wirklich mehr als Wunschdenken?

Comeback ist vielleicht der falsche Begriff. Man hat die Reisebüros viel zu früh für tot erklärt. Wenn wir mit den Reisebüros kein Geld verdienen würden, würden wir nicht gut 100 führen. Es kam zwar in den vergangenen Jahren zu einer gewissen Marktbereinigung. Aber wir werden auch in fünf Jahren nicht ohne auskommen.

Wohin geht die Reise beim stationären Vertrieb?

(lacht) Wenn ich das wüsste ... Es wird noch mehr Technik geben. Den ersten Schritt haben wir mit den VR-Brillen ja bereits getan. Bis Ende Jahr sollte jedes Reisebüro mit diesen Brillen ausgestattet sein. Wir wollen daneben, dass alles noch viel flexibler wird. Wer zu Hause im Internet ein Angebot gefunden hat, das ihn interessiert, aber noch nicht völlig in seine Reisepläne passt, soll ohne Probleme in einem unserer Reisebüros die Diskussion fortsetzen können. Wir sind dabei, die entsprechende Technik zu schaffen.

Mehr Technik, das wird die ältere Kundschaft weniger freuen.

Ja, aber dafür haben wir unsere Berater. Wir wollen unsere Reisebüros neu gestalten, Barrieren abschaffen.

Die Beratung im Reisebüro soll transparenter werden?

Ja, wir wollen nicht mehr, dass der Reiseberater abgetrennt vom Kunden hinter einem Bildschirm sitzt. Der Kunde soll noch viel stärker in den Beratungsprozess integriert werden.

Hinweis

Kurt Eberhard ist CEO von Hotelplan Suisse. Der 57-jährige gebürtige Schwyzer wurde im Jahre 2010 Mitglied der Geschäftsleitung von Hotelplan Suisse, seit Juli 2014 ist er CEO. 2016 wurde er mit dem Travel Personality Award ausgezeichnet.