Hotelplan
Reisen wird im nächsten Sommer teurer – zum ersten Mal seit zehn Jahren

Der Chef der Hotelplan-Gruppe Thomas Stirnimann rechnet mit 2 bis 3 Prozent Aufschlag.

Philipp Felber
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KEYSTONE

Reisen wird im nächsten Sommer teurer. Das erste Mal seit 10 Jahren, wie Hotelplan-Chef Thomas Stirnimann an einer Medienkonferenz sagte. Er geht davon aus, dass Reisen im Sommer 2018 zwischen 2 und 3 Prozent mehr kosten werden. Das habe vor allem damit zu tun, dass boomende Destinationen wie Spanien teurer werden. «Man kann natürlich auch in diesem Jahr günstiger reisen, doch dafür muss man flexibel sein in der Wahl des Ziels», sagt Stirnimann.

Er erwähnt dabei Tunesien, Ägypten und die Türkei als Ausweichziele. In diesen Ländern hat sich die touristische Nachfrage nach Terroranschlägen und politischen Turbulenzen noch immer nicht vollständig erholt. Zwar profitierten diese Länder davon, dass die Wirkung von Terroranschlägen heutzutage schneller nachlässt als früher. Es habe sich ein gewisser Fatalismus ausgebreitet, sodass die Touristenströme stabiler geworden seien, sagt Thomas Stirnimann. Die Buchungen für Tunesien sind denn bei Hotelplan auch um 70 Prozent gestiegen, für Ägypten um 130 und für die Türkei um 180. Aber diese Erholung ändert nichts daran, dass diese Länder nach wie vor weit von ihren besten Zeiten entfernt sind. Noch immer bevorzugen viele Reisende die höhere politische Sicherheit in Spanien. Damit steigen die Preise dort weiter an. Dazu kommt der stärkere Euro.

Hotelplan mit mehr Kunden

Die zur Migros gehörende Hotelplan-Gruppe hat im letzten Jahr einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Dieser beträgt zirka 5 Millionen Franken, bei einem Konzernumsatz von fast 1,4 Milliarden Franken. Der Umsatz der Firma ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent gesunken. Dies habe vor allem mit dem Verkauf von Hotelplan Italien zu tun. Und mit Mindereinnahmen wegen des Brexits. «Keine Angst, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist weit höher», sagt Stirnimann. Genauere Zahlen gibt Hotelplan nicht bekannt. Im letzten Jahr schaute noch ein Defizit von rund 11 Millionen Franken heraus. Das Fazit des Chefs ist positiv: «Wir haben gut gearbeitet, einiges besser als im letzten Jahr.» Sämtliche Geschäftseinheiten hätten Gewinn ausgewiesen. Mit Ausnahme des neu aufgebauten Portals Bedfinder. Die Anzahl der Kunden konnte Hotelplan über die gesamte Gruppe hinweg um 5,5 Prozent steigern. Der Schweizer Ableger von Hotelplan hat einen Umsatz von 590 Millionen Franken gemacht.

Der Brexit bereitet dem Hotelplan-Chef Bauchweh. Das tiefe Pfund habe dazu geführt, dass bei Hotelplan UK trotz einem Umsatzplus in Pfund umgerechnet 26 Millionen Franken weniger erwirtschaftet werden konnten. Stirnimann rechnet damit, dass das tiefe Pfund auch auf die Touristenzahlen aus England Einfluss haben wird. Das Hauptgeschäft von Hotelplan UK ist der Skitourismus in europäischen Ländern. Ein entscheidender Faktor sei zudem der künftige Umgang mit der Personenfreizügigkeit. Fällt diese für Grossbritannien weg, könnte sich die Anstellung von 1500 englischen Mitarbeitern, welche Hotelplan-Skitouristen betreuen, erschweren.

Zusammenarbeit mit Tripadvisor

Um die Abhängigkeit vom Skigeschäft zu verringern, hat Hotelplan neue Angebote lanciert. So reisten 12 000 Gäste vor Weihnachten nach Lappland. «Santa’s Lapland» heisst das neue Angebot, welches mit Charterflügen von England aus junge Familien in den hohen Norden, in die Heimat des Weihnachtsmanns, bringt. Zudem will Hotelplan in Island ein Jurtendorf bauen. Dies, weil im boomenden Island zu wenige Unterkünfte vorhanden und diese sehr teuer seien. Bis spätestens Sommer 2019 soll es in Betrieb sein.

Beim neuen Online-Buchungsportal von Hotelplan, Bedfinder, arbeitet man seit neustem eng mit Tripadvisor zusammen. Neben der Reise-Bewertungswebsite arbeitet Hotelplan auch mit anderen Grössen der Reisebranche zusammen, sagt Stirnimann gegenüber den Medien. So etwa mit Airbnb, booking.com oder auch mit Trivago.