Kommentar
Rekordtiefer Referenzzins: Mieter müssen jetzt selber aktiv werden

Mieterinnen und Mieter können nicht in jedem Fall davon ausgehen, dass ihre Verwaltung die Miete senkt.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti

Maurizio Minetti

Mindestens eine Milliarde Franken. Um diesen Betrag müssten die Mieten in der Schweiz jetzt zurückgehen, weil der Referenzzinssatz auf das Rekordtief von 1,25 Prozent gesunken ist. Doch die Realität ist eine andere: Viele Liegenschaftsbesitzer werden den Mietzins nicht automatisch nach unten anpassen. Und ebenso viele Mieterinnen und Mieter werden schlicht nichts unternehmen.

Die Haltung der Hauseigentümer ist durchaus legitim. Weil das Mietrecht bei der Anpassung des Referenzzinssatzes keinen Automatismus bei den Mieten vorsieht, sind die Liegenschaftsbesitzer nicht gezwungen, etwas zu unternehmen. Erfreulich ist, dass erstaunlich viele Hausbesitzer in der Zentralschweiz trotzdem schon jetzt beschlossen haben, die Mieten proaktiv zu senken. Das ist lobenswert.

Doch Mieterinnen und Mieter können nicht in jedem Fall davon ausgehen, dass ihre Verwaltung auf sie zukommt. Sie müssen selber aktiv werden und eine Mietzinssenkung beantragen. Wer sparen will, muss dieses Spiel mitspielen, solange sich das Gesetz nicht ändert. Notfalls kann sich auch der Gang vor die Schlichtungsbehörde lohnen.

Nicht vergessen sollten die Mieter, dass das Pendel früher oder später in die andere Richtung schwingen wird. Wenn die Zinsen wieder steigen, werden viele Liegenschaftsbesitzer wohl schneller reagieren als jetzt. Ein Argument mehr für die Mieter, jetzt aktiv zu werden.