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Zwölf Automarken unter einem Dach: So würde der grösste Autokonzern der Welt aussehen

Renault und Fiat-Chrysler wollen den weltgrössten Autokonzern schmieden. Möglich wurde die Annäherung durch die Affäre des Renault-Bosses Carlos Ghosn.
Stefan Brändle, Paris
Mit über 15 Millionen verkauften Fahrzeugen (Stand 2018) entstünde der mit Abstand grösste Autokonzern der Welt. (Bild: Toms Kalnins / EPA)

Mit über 15 Millionen verkauften Fahrzeugen (Stand 2018) entstünde der mit Abstand grösste Autokonzern der Welt. (Bild: Toms Kalnins / EPA)

Renault bestätigte am Montag «Interesse» mit Fiat Chrysler (FCA) für eine technische Kooperation oder eine Fusion. Das Angebot geht von dem italienisch-amerikanischen Konzern aus. Er hielt am Montag in einem Communiqué fest: «Der vorgeschlagene Zusammenschluss würde einen globalen Autohersteller schaffen. Er wäre führend bei Umsatz, Volumen, Rentabilität und Technologie und würde einen Vorteil für die Anteilseigner der Unternehmen darstellen.»

Fiat und Chrysler verfügen über veraltete Modelle und grössere Absatzprobleme, weshalb sie seit langem einen Partner suchen. Sie hatten auch schon Kontakte mit dem französischen PSA-Konzern (Peugeot, Citroën), mit dem sie einen gemeinsamen Personenwagen herstellen. Konkret ist Fiat an Renaults Elektro- und Hybridtechnologie interessiert.

FCA brächte einen Umsatz von 115,4 Milliarden Euro in die Ehe, Renault 57,4 Milliarden. Beide Seiten haben 2018 einen Milliardengewinn erzielt. Der neue Konzern wäre komplementär. Fiat und Chrysler sind in Europa und Nordamerika stark, Renault und sein japanischer Partner Nissan von Europa bis nach Asien und in der südlichen Hemisphäre. Eine gemeinsame – wichtige – Lücke bestünde in China.

Die Angebotspalette würde von Renaults rumänischem Billigmodell Dacia bis zu Nobelmarken wie Maserati reichen. Insgesamt kämen ein Dutzend Marken unter ein Dach – je sechs von beiden Seiten: FCA brächte Alfa Romeo, Fiat, Chrysler, Dodge, Jeep und Maserati in die Ehe ein, Renault seine Töchter Dacia, Lada sowie indirekt seine Partnermarken Nissan, Mitsubishi und Datsun. Ohne den Partner Nissan käme FCA-Renault auf 8,7 Millionen verkaufte Autos; das wäre Nummer drei im Weltmarkt.

Mit über 15 Millionen verkauften Fahrzeugen (Stand 2018) entstünde der mit Abstand grösste Autokonzern der Welt. Die aktuelle führende Volkswagen-Gruppe kommt auf knapp 10,8 Millionen, Toyota auf etwas weniger als 10 Millionen Autos.

Die Bildung von FCA-Renault zeugt auch vom Streben der Branche nach Grösse und Volumen, um nicht zuletzt die teuren Investitionen in umweltfreundliche Technologien und das autonome Fahren zu finanzieren. Die Synergieeffekte des neuen Konzerns würden auf über 5 Milliarden Euro geschätzt. Die globale Marktaufstellung würde es FCA-Renault erlauben, Absatzkrisen in einzelnen kontinentalen oder Landesmärkten aufzufangen.

Carlos Ghosn. (Bild: Ren Onuma / AP)

Carlos Ghosn. (Bild: Ren Onuma / AP)

Dass die Franzosen heute bereit sind, mit FCA über eine technische oder kapitalistische Kooperation zu reden, ist eine Folge der Affäre um den bisherigen Renault-Nissan-Boss Carlos Ghosn. Seine Inhaftierung in Tokyo gefährdet die franko-japanische Allianz, die für Renault sehr einträglich ist, weil die Franzosen 43 Prozent der Anteile an Nissan halten und so jährlich Milliarden nach Paris ableiten können. Dass sich Ghosns Nachfolge so schwierig gestaltet, hat seinen Grund auch in der Forderung der Japaner, das Verhältnis mit Renault ausgeglichener zu gestalten.

Die Franzosen fürchten sich deshalb um die Weiterexistenz ihrer Allianz mit Nissan. Wenn sie nun auf das FCA-Buhlen eingehen, versuchen sie damit nicht zuletzt ihre Stellung gegenüber Nissan zu stärken und die Firma unter Zugzwang zu bringen. Ihr Chef Hiroto Saikawa hat sich bisher nicht zu den Fusionsplänen geäussert. Sein Unternehmen hält 15 Prozent an Renault.

Wird als Konzernchef gehandlet: Mike Manley. (Bild: Paul Sancya / AP)

Wird als Konzernchef gehandlet: Mike Manley. (Bild: Paul Sancya / AP)

Sollte es zu einer Fusion zwischen FCA und Renault kommen, dürften beide Seiten je 50 Prozent der Anteile halten, wobei Renault etwas nachzahlen müsste. Als Konzernleiter wird eher FCA-Vorsteher Mike Manley als der erst seit kurzem amtierenden Renault-Chef Thierry Bolloré gehandelt.

Heikel ist die Frage, was mit dem 15-prozentigem Anteil des französischen Staates an Renault geschehen würde. Der französische Präsident Emmanuel Macron beteiligt sich dem Vernehmen nach persönlich an den Verhandlungen. Priorität hat ein Szenario, wonach die Agnelli-Holding Exor ihren Anteil von 29 Prozent an FCA im neuen Unternehmen halbieren würde. Die französische Regierung würde ihrerseits noch 7,5 Prozent des Kapitals halten; sie verlöre auch ihre doppelten Stimmrechte. Die an der italienischen Regierung beteiligte Partei Lega kritisiert allerdings die Beteiligung des französischen Staates und verlangt Gegenrecht zugunsten einer italienischen Mitsprache.

Die französische Regierung bezeichnete die geplante Fusion am Montag als «recht positiv», liess aber durchblicken, dass sie zur Fusion nur bereit wäre, wenn sie Arbeitsplatzgarantien erhalten. Renault beschäftigt 180'000 Angestellte – davon mehr in Asien als in Europa -, FCA deren 198'000. Das neue Unternehmen soll an den Börsen in Mailand, Paris und New York kotiert sein. Die Fiat- wie auch die Renault-Aktien legten am Montag um über 15 Prozent zu.

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