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REPARATUREN: Mehr Schrott – höhere Umsätze

Kommt es dem Hersteller gelegen, wenn ein Kühlschrank schnell kaputtgeht? Der Konsumentenschutz hegt einen Verdacht. Er fordert griffigere Gesetze.
Rainer Rickenbach
Immer mehr Haushaltsgeräte landen auf dem Müll, weil ihre Lebensdauer zu kurz ist. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Immer mehr Haushaltsgeräte landen auf dem Müll, weil ihre Lebensdauer zu kurz ist. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Die Schweizerische Stiftung für Konsumentenschutz hat 400 Schadens- und Reparaturfälle zusammengetragen, die Ärger und kostspielige Folgen nach sich zogen. Darunter finden sich zahlreiche Beispiele, bei denen der Verdacht nicht von der Hand zu weisen ist, es stecke System dahinter: Die Firma X ist offensichtlich nicht interessiert daran, ihr Produkt so anzufertigen, dass es lange über die Garantiezeit von zwei Jahren hinaus funktioniert. So ebnet sie sich mit Blick auf die nächste Produktgeneration den Weg zu satten Umsätzen.

Kurzlebigkeit belebt den Umsatz

«Der Preis spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Oft ist es sogar so, dass günstigere Fabrikate länger tadellos funktionieren als die teureren Varianten mit einem klingenden Markennamen», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Die Marken der meisten Elektronikprodukte unterscheiden sich zwar im Design. Doch dahinter verbergen sich oft die haargenau gleichen Komponenten.» Was Produkte-Kurzlebigkeit angeht, prasselt die Kritik vorab auf die Smartphone-Hersteller nieder. US-Gigant Apple zum Beispiel verschloss das iPhone 4 mit der berüchtigten Pentalobe-Schraube. Den passenden Schraubenzieher dazu haben bloss seine Vertragspartner – und die sind teuer. Was bei den Kunden schnell einmal die Frage aufwirft, ob sie anstelle einer Reparatur ihr Geld nicht gleich besser für ein neues Exemplar der Fünfergeneration ausgeben sollen.

Der Hardware-Keuschheitsgürtel von Apple kommt auch den Telecom-Anbietern gelegen: Dank ihm fällt es den reisenden Konsumenten schwer, in Südamerika oder Asien mit einem SIM-Chip des Ferienlandes die teuren Roaming-Gebühren zu umschiffen. Dank findigen Köpfen bietet sich freilich im Internet ein Ausweg (www.ifixit.com).

Der deutsche Ökonomieprofessor Christian Kreiss vermutet, die «kreative Destruktivität» sei von handfesten wirtschaftlichen Interessen getrieben: Da Konzerne wie Apple den Gewinnerwartungen der Investoren gerecht werden müssen, erschweren und verteuern sie Reparaturarbeiten, um möglichst fette Renditen einzufahren. Die Wertschöpfung bleibt bei Reparaturen und erst recht beim Neukauf so oder so unter Konzern-Kontrolle. Der Elektroschrott wächst unterdessen ungehemmt weiter.

Defektes Kühlschrank-Türscharnier

Kein Wunder, ist der Anteil Wutkonsumenten in der Sparte Telekommunikation recht hoch. Er wird nur von den Branchen Computer, Internet, Drucker und Kopierer übertroffen (Grafik).

Bei den 400 Klagen gab es indes auch banalere Vorrichtungen, deren Wiederinstandstellung keine Software-Kenntnisse voraussetzt. Die Spanne reicht von Elektrozahnbürsten über Markenjeans bis hin zu Kaffeemaschinen.

Ein Konsument etwa ärgert sich über seinen Kühlschrank von V-Zug. Der Gerätetyp kostet neu über 3000 Franken, ist aber über Internet schon seit vier Jahren nicht mehr erhältlich. «Bei diesem Gerät ist mir schon zum zweiten Mal das gleiche Türscharnier gebrochen. Kostenpunkt: rund 294 Franken. Das Problem sind die Kunststoffteile in den Scharnieren.» Der Konsumentenschutz kommentiert dazu: «Mit hohen Preisen für Ersatzteile versuchen Hersteller, die Konsumenten zu einem Neukauf statt zu einer Reparatur zu überreden.» Zudem seien Ersatzteile nach Ablauf der Garantiefrist oft nicht mehr lieferbar.

«Entsteht ein Schaden nach der Garantiefrist, kann ein normales Reparaturgeschäft viel versprechend sein. Denn unabhängige Reparaturgeschäfte verfügen oft über Ersatzteile, die der Hersteller längst nicht mehr am Lager hat», rät der Konsumentenschutz dem frustrierten Kühlschrankbesitzer.

V-Zug: «Wir sind kulant»

Unabhängige Reparaturwerkstätten aufzusuchen, sei bei Produkten mit Marke V-Zug nicht nötig, entgegnet das Unternehmen der Kritik aus dem Kreis des Konsumentenschutzes. «Wenn es zu einem frühzeitigen Ausfall eines Scharniers ohne Fremdeinwirkung kommt, sind wir auch nach Ablauf der Garantiezeit kulant», versichert Philipp Hofmann, Leiter Marketing Services bei V-Zug. Beim beanstandeten Scharnier handle es sich um ein Teil, das die Zuger von einem Lieferanten beziehen, der auch Konkurrenten damit beliefere.

Der Küchengeräte-Hersteller hält sich gemäss Hofmann an die Richtlinien Fachverband für Elektroapparate Schweiz und biete eine Ersatzteilgarantie von 12 Jahren, bei einigen sogar bis zu 17 Jahren. Dem vom Konsumentenschutz geschilderten Schadensfall sei man zwar bereits nachgegangen, könne ihn aber nicht nachvollziehen.

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