Zypern-Krise
Rettungsfonds statt Spareinlagen

Zypern legt einen Plan B vor: Mit dem Geld von Kirche, Pensionskasse und weiteren Einrichtungen soll ein Fonds gebildet werden, der seinerseits Obligationen ausgibt. Es fehlt dennoch eine Milliarde Euro.

Matthias Niklowitz
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Gestern liefen die Bancomaten auf Zypern noch: Eine Kundin hob am Mittwoch Euros von ihrem Konto ab.

Gestern liefen die Bancomaten auf Zypern noch: Eine Kundin hob am Mittwoch Euros von ihrem Konto ab.

KEYSTONE

Im Stundentakt ändern sich die Verhältnisse auf Zypern: Nach massivem Druck der EU hat die zypriotische Regierung am Mittag einen «Plan B» mit einer Alternative zur Teilenteignung der Spareinlagen vorgestellt. Kernpunkt ist eine Art Fonds. Pensionskassen, Kirche, die staatlichen Goldreserven der Zentralbank und weitere Einrichtungen sollen diesen alimentieren. Dieser Fonds soll dann spezielle Anleihen emittieren.

Damit sollen 4,8 Milliarden Euro zusammenkommen. Gemäss dem Plan der EU sollte die Inselrepublik 5,8 Milliarden Euro zur Rettung der Banken und Staatsfinanzen auftreiben.

Um diese Lücke zu schliessen, soll zusätzlich eine begrenzte Zwangsabgabe für Guthaben über 100000 Euro vorgenommen werden. Eine solche Abgabe würde diese in Europa als sakrosant geltende Grenze intakt lassen und die Gefahr eines Bank-Runs mindern, glauben Beobachter.

Am Vormittag hatte die Europäische Zentralbank EZB in Frankfurt mitgeteilt, dass sie die Nothilfe für die zypriotischen Banken nur noch bis nächsten Montag fortführen wird. Mit dieser Nothilfe wird die Geldversorgung der Banken gesichert. Wenn sich Zypern bis dahin nicht mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds IWF einigen sollte, wird diese Hilfe abgeklemmt. Die EZB hält die zypriotischen Banken, die laut Medienberichten technisch pleite sein sollen, über ihre ELA-Notfallfazilität am Leben.

Die ELA (Emergency Liquidity Assistance) ist eine Einrichtung der in der Eurozone zusammen geschlossenen Notenbanken. Gegen die Hinterlegung von Sicherheiten können illiquide Banken kurzfristig Geld beziehen. Das letzte Wort haben hier zwar die nationalen Notenbanken. Aber diese tragen auch die Kosten und Risiken und gelten damit als die allerletzten Geldgeber für Notfälle. Diese Hilfen können aber nicht unbegrenzt laufen, weil die zyprische Notenbank selber ihre Reserven schon angegriffen hat.