Rezession
Rezession: Ist das Schlimmste vorbei?

Die Schweizer Wirtschaft ist erstmals wieder gewachsen. Damit ist die Rezession offiziell vorbei. Seco-Chefökonom Aymo Brunetti verspürt dennoch kein Grund zur Euphorie. Nur eine Frage bleibt unbeantwortet: Wann kommt der Aufschwung?

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Aymo Brunetti

Aymo Brunetti

Nach vier negativen Quartalen in Folge ist das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorquartal erstmals wieder gewachsen, und zwar um 0,3 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Die Schweiz hat damit wie ihre Nachbarländer die Rezession überwunden. Die Wirtschaftsleistung blieb aber um 1,3 Prozent hinter dem Vorjahresquartal zurück.

Eine wichtige Konjunkturstütze blieben die Konsumenten. Der private Konsum nahm im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 Prozent zu, nach 0,5 Prozent im zweiten Quartal. Den ersten Wachstumsbeitrag nach fünf negativen Quartalen lieferten die Investitionen mit einem Anstieg von 3,4 Prozent. Dies ist einer Zunahme der Ausrüstungsinvestitionen um 5,5 Prozent zu verdanken. Das Wachstum wurde allerdings durch Investitionen im Waggonbau überzeichnet, wie Seco-Chefökonom Brunetti sagte. Die Bauinvestitionen nahmen um 0,7 Prozent zu. Hier und beim Staatskonsum, der um 1,3 Prozent stieg, dürften laut Brunetti die Stabilisierungsprogramme des Bundes geholfen haben.

Nach einer rasanten einjährigen Talfahrt zogen auch die Exporte erstmals wieder an um 2,6 Prozent. Die Importe nahmen um 2,2 Prozent zu. Der Blick auf die Produktionsseite zeigt, dass alle Sektoren mit Ausnahme der Industrie einen Beitrag zur Wertschöpfung leisteten. Das gilt auch für die Finanzbranche mit einem minimen Plus von 0,2 Prozent nach sechs negativen Quartalen in Folge.

Es sei sicher positiv, dass die Wirtschaft wieder wachse, sagte Brunetti. Es handle sich aber erst um eine Bodenbildung und es gelte abzuwarten, wie nachhaltig der Aufschwung sei. Dabei spielt die Auslandnachfrage eine entscheidende Rolle. Das Seco schätzt den Rückgang des BIP im laufenden Jahr bisher auf 1,7 Prozent, eine neue Prognose wird Mitte Dezember veröffentlicht.

Der Purchasing Managers' Index (PMI) vom November lässt auch auf eine Erholung der Industriekonjunktur schliessen. Diese Erholung geht laut Credit Suisse und dem Schweizerischem Verband für Materialwirtschaft und Einkauf (SVME) allerdings von einem äusserst tiefen Niveau aus.

Dass die Schweiz im dritten Quartal 2009 aus der Rezession herausgefunden hat, kommt für führende Ökonomen nicht überraschend, wie eine AP-Umfrage ergab. Sie rechnen in den nächsten Quartalen mit weiterem Wachstum. Ziehe die Weltwirtschaft aber nicht markant an, würden die Schweizer Exporte nicht wieder das alte Niveau erreichen, gab Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, zu bedenken. Und wenn im Inland die Sparpolitik Überhand nehme und die Arbeitslosigkeit hoch bleibe, werde sich das BIP in der Schweiz nur auf tiefem Niveau stabilisieren und der Aufschwung ausbleiben. Die Ökonomen rechnen nicht damit, dass die Nationalbank bei ihrer bevorstehenden geldpolitischen Lagebeurteilung das erwartete Wachstum mit einer Leitzinserhöhung abwürgen wird. Zinsschritte werden erst im Verlaufe von 2010 erwartet.