Luftverkehr
Riskante Strategie der Airlines: Business fliegen, Economy bezahlen

Airlines verramschen im Sommerloch leere Business-Sitze. Passagiere aus der «Holzklasse» sollen dadurch auch den Komfort der gehobenen Klasse kennenlernen. Doch die Experten sind skeptisch.

Matthias Niklowitz
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Bequemer fliegen: Dank Aktionen sollen Kunden von der «Holzklasse» in die Businessclass wechseln.HO

Bequemer fliegen: Dank Aktionen sollen Kunden von der «Holzklasse» in die Businessclass wechseln.HO

Wer im Juli oder August bequem unter der Woche nach San Francisco, São Paulo, Schanghai oder Singapur reisen möchte, kann das jetzt mit Lufthansa oder Swiss ab deutschen Flughäfen zu Economy-Preisen machen - und dennoch Businessclass fliegen.

Diese Woche hat der deutsche Luftverkehrskonzern eine kurzfristige Preisaktion lanciert, um die im Hochsommer traditionell leeren Business-Klasse-Sitze auf Langstrecken zu füllen. Tickets für die oben genannten Destinationen sind zwischen 1700 und 2200 Euro erhältlich - umgerechnet 2200 bis 2700 Franken. Zum Vergleich: Wer im September mit Swiss nach San Francisco fliegen will, zahlt für die bequemen Sitze zwischen 5800 und 6500 Franken. Ein flexibles Ecomony-Ticket kostet dann 3400 Franken retour.

«Da werden Frühbucher keine Freude haben», sagt Max Ungricht, Airline-Experte und Chefredaktor der Zeitschrift «Cockpit», «allerdings sind die Businessclass-Reisenden in der Regel kurzfristige buchende Geschäftsreisende.» Solche Kunden könne man mit Aktionen nicht zurückgewinnen. «Es geht darum, Touristen aus der ‹Holzklasse› anzuziehen», sagt Ungricht. «Die Sommermonate sind flau bei Geschäftskunden.»

Nachfrage soll stimuliert werden

«Der Sommer ist die Saison, während der Airlines das meiste Geld verdienen. Aktionen wie diese zeigen, dass viel Kapazität am Markt ist», sagt Luftfahrt-Experte Kurt Hofmann. «Die Gefahr dabei ist, dass der potenzielle und zahlungswillige Businessclass-Kunde vergrämt wird. Es ist zudem nicht einfach, zu den hohen Tarifen zurückzukehren.»

«Natürlich soll damit die Nachfrage stimuliert werden», räumt Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky ein. Wobei: «Solche Aktionen lassen nicht auf schwache Auslastungen schliessen. Wir beabsichtigen natürlich auch, dass Economyclass-Passagiere dadurch in der Businessclass fliegen und das Produkt kennen lernen.»

«Die Buchungsentwicklung für Juli und August auf den Langstreckenflügen in der Businessclass stimmt uns positiv», sagt auch Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack. «In einem kompetitiven Umfeld müssen wir insbesondere in Monaten, in denen der Geschäftsverkehr infolge Ferienzeit eingeschränkter ist, präsent sein.»

Und was raten die Experten? «Sobald wie möglich buchen», sagt Hofmann, «denn die Flieger werden auch diesen Sommer sehr voll sein.» «Preise vergleichen», rät Ungricht. «Und wer kann, soll auch zuwarten.» Aber Fliegen sei nicht nur eine Preisangelegenheit, sondern eine Komfortangelegenheit. «Ich bin gerne bereit, etwas mehr zu investieren.»