Konsumentenschützerin
«Roaming-Gebühren sind reine Geldmacherei»

In der EU gehören Roaming-Gebühren bald der Vergangenheit an. Für Schweizer sollen die Extrakosten für die Handynutzung im Ausland ebenfalls weg, fordert Konsumentenschützerin Sara Stalder.

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Konsumentenschützerin Sara Stalder fordert die Politik auf, für tiefere Preise zu sorgen.

Konsumentenschützerin Sara Stalder fordert die Politik auf, für tiefere Preise zu sorgen.

Keystone

EU-Bürger müssen im EU-Ausland bald keine Extragebühren für die Handynutzung mehr zahlen: Die so genannten Roaming-Gebühren fallen definitiv weg. Schweizer bezahlen immer noch Gebühren. Konsumentenschützerin Sara Stalder fordert nun die Politik auf, für tiefere Preise zu sorgen.

Frau Stalder, EU-Bürger können ab Sommer 2017 unbeschwert telefonieren: Ab dann dürfen Anbieter innerhalb der EU keine Roaming-Gebühren mehr verlangen. Ihre Reaktion?

Sara Stalder: Ich freue mich natürlich, auch wenn das die Schweizerinnen und Schweizer leider nicht betrifft. Aber es ist ein starkes Zeichen, das hoffentlich endlich den Schweizer Parlamentariern die Augen öffnet! Technologisch macht es keinen Sinn, an Roaming-Gebühren festzuhalten, es ist eine reine Geldmacherei. Unsere Forderung ist klar: Auch in der Schweiz sollen die Roaming-Gebühren fallen.

Das sind sie doch schon. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten hatte der Blaue Riese mehrere Preissenkungsrunden vorgenommen.

Ja, wenn man bereit ist, für ein Abo monatlich 179 Franken oder im Jahr 2148 Franken zu bezahlen! Bei den normalen Abos auch im Prepaid-Bereich ist es nach wie vor so, dass wir Gebühren bezahlen.

Telecom-Unternehmen, wie Swisscom, behaupten, dass dies nicht von ihnen abhänge, sondern von den Partner-Firmen im Ausland.

Die Ausrede haben wir vor Jahren in der EU gehört. Und doch hat sich hier etwas bewegt. Inzwischen beschweren sich auch Touristen in der Schweiz, dass wir so hohe Gebühren haben. Es ist nach wie vor ein Riesen-Ärger für die Bevölkerung und wirft zudem ein schlechtes Licht auf die Schweiz als Reisedestination!

Im Parlament wurde die Abschaffung der Roaming-Gebühren abgelehnt. Politisch ist also der Zug abgelaufen.

Ja, man vertraut zu stark auf die Kräfte des Markts und den Wettbewerb, der leider kaum existiert. Unserer Meinung nach muss die Regulationsbehörde mehr Kompetenzen erhalten. Etwa eine Dachobergrenze festzulegen, wenn der Wettbewerb versagt.