ROAMING: So surfen Sie am günstigsten

Mobiles Internet im Ausland ist billiger geworden. Die Swisscom hat die Preise deutlich gesenkt. Trotzdem gibt es immer noch einige Fallstricke zu beachten.

Bernard Marks
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Dank des jüngsten Preisrutsches ist auch das Surfen am lauschigen Strand für Herrn und Frau Schweizer bezahlbarer geworden. Von der Nutzung von Filmen und Radio raten Experten aber ab. (Bild: Keystone/Friso Gentsch)

Dank des jüngsten Preisrutsches ist auch das Surfen am lauschigen Strand für Herrn und Frau Schweizer bezahlbarer geworden. Von der Nutzung von Filmen und Radio raten Experten aber ab. (Bild: Keystone/Friso Gentsch)

Herr und Frau Schweizer haben beim Telefonieren im Ausland (Roaming) seit dem Jahr 2009 rund 1,8 Milliarden Franken zu viel bezahlt. Das schätzt das Konsumentenmagazin «K-Tipp». «Die Tarife für Telefonie ausserhalb der Schweiz verharren auf hohem Niveau», bestätigt auch der Telekomexperte Ralf Beyeler von comparis.ch. Orange habe seit 2003 den gleichen Standardtarif, ähnlich sieht es bei Sunrise aus, welche die Preise seit 2004 nicht angepasst hat. Einzig bei der Swisscom sind die Preise für Telefonate im Ausland in den letzten Jahren günstiger geworden.

Swisscom hat die Nase vorn

Anders sieht es für die Internetnutzung im Ausland aus. Hier tut sich etwas. Alle drei grossen Anbieter erlauben die Aktivierung der Sparoptionen – welche üblicherweise dann innerhalb von Minuten aufgeschaltet werden. Einen deutlichen Preisrutsch gibt es jetzt bei der Swisscom. Per 1. Juli kostet zum Beispiel das 50-MB-Paket in der EU neu nur noch 9 statt 24 Franken, ausserhalb Europas ist es ab 15 Franken erhältlich. Zum Vergleich: Das gleiche Angebot kostet bei Orange mit dem Travel Pack derzeit 30 oder bei Sunrise 50 Franken (siehe Tabelle). Sparoptionen bei Sunrise sowie bei Orange bringen nur für Gespräche und SMS Preisvorteile. Der Preis für die Daten reduziert sich bei Orange nur in wenigen Tarifen. Der Blaue Riese hängt mit seinen neuen Angeboten also seine Schweizer Konkurrenz deutlich ab. Laut Angaben von comparis.ch ist Swisscom 17-mal günstiger als die Mitanbieter. «Endlich können sich auch Normalsterbliche die Datennutzung im Ausland leisten», sagt Beyeler.

Tarife prüfen im Ausland

Wer mit dem eingeschalteten Handy die Grenze ins Ausland überquert, erhält beim Wechsel auf ein Fremdnetz eine SMS mit Kostenhinweisen für das Roaming. Diese sollte jeder beachten. «Doch die wenigsten Reisenden beschäftigen sich wirklich damit», sagt Beyeler. Die meisten wollen einfach nur in den Ferien das Handy benutzen und nicht stundenlang Tariflisten studieren, so Beyeler. Schnell aber verliert der Reisende den Überblick darüber, wie viele Daten er bereits verbraucht hat. Wer einmal Googlemaps aufruft, verbraucht zum Beispiel 2 MB, eine mobile Nachrichtenseite oder eine Nachrichten-App benötigt lediglich einige 100 Kilobyte. Auch einmal kurz sein Facebook-Profil aufzurufen, sei laut Beyeler heute im Ausland kein Problem mehr.

Prepaid-Kunden profitieren nicht

Auch Textnachrichten über Whats­app lassen sich sorglos verschicken. «Das kann man heute als Swisscom-Kunde mit dem neuen Datenpaket ohne Angst vor zu hohen Gebühren machen», sagt Beyeler. Von der Nutzung von Radio, Filmen würde der Experte allerdings auch bei Swisscom-Tarifen grundsätzlich abraten. Auch Skype verbrauche schnell grosse Datenmengen. «Da hat man schnell die Limite erreicht», so Beyeler. Die aktuelle Swisscom-Offensive hat einen Nachteil: Wer mit einem Prepaid-Angebot telefoniert und surft, profitiert nicht von der Preisreduktion. Die günstigen Tarife bestehen einzig für Abo-Kunden. Allerdings profitieren auch diese nicht automatisch. Sie müssen sich aktiv um die Tarife kümmern und ein Datenpaket kaufen. Anders als bei Orange und Sunrise können Swisscom-Kunden dasselbe Angebot innerhalb eines Monats nochmals kaufen.

Orange-Kunden müssen hingegen ein komplett anderes Paket erwerben. Ein Angebot kann nur einmal monatlich erworben werden. Orange bietet zum Beispiel eines für 10 Franken an. Darin enthalten sind 10 Minuten, 10 SMS und 10 Megabyte. Der Nachteil: Man muss es wieder abbestellen, sonst verlängert sich diese Option automatisch Monat für Monat.

Sunrise verfügt über keine Datenpakete zum Surfen im mobilen Internet im Ausland. Hier kostet ein Megabyte schlicht und einfach 1 Franken innerhalb der EU-Länder. Im übrigen Ausland kann dies aber ins Geld gehen. Wie zum Beispiel bei einem Aufenthalt in den USA: Dort zahlen Sunrise-Kunden 15 Franken pro Megabyte.

Telefonieren: Oft helfen Optionen

Nach wie vor ist das Telefonieren im Ausland teuer. Die meisten Anbieter berechnen für eine verschickte SMS zwischen 20 und 50 Rappen. «Das ist ein weltweiter Einheitspreis», sagt Beye­ler. Die Telefonate werden im Roaming bei allen Anbietern leider immer noch im Minutentakt abgerechnet. Anrufe aus Deutschland in die Schweiz kosten bei Swisscom 0,75 Rappen, bei Sunrise und Orange 1,70 Franken. «Beim Telefonieren rechnet sich oftmals eine Option», sagt Beyeler. Aber man sollte nach den Ferien nicht vergessen, diese wieder zu kündigen.