Vernetzte Roche-Chefin verlässt Rotkreuz

Der grösste Zuger Arbeitgeber verliert seine Chefin. Annette Luther bleibt aber im Bankrat der Zuger Kantonalbank.

Maurizio Minetti
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Wechselt per 1. April 2020 an den Basler Hauptsitz: Annette Luther, hier auf dem Campus Rotkreuz.

Wechselt per 1. April 2020 an den Basler Hauptsitz: Annette Luther, hier auf dem Campus Rotkreuz.

Bild: Jan Pegoraro (4. September 2019)

Die Information steht ganz am Schluss der Medienmitteilung: «Nachfolgerin von Gottlieb Keller als Sekretär des Verwaltungsrates wird Annette Luther, derzeit Leiterin von Roche Diagnos­tics International in Rotkreuz.» Mit diesem Satz teilte der Pharmariese Anfang dieser Woche mit, dass die langjährige Chefin des Rotkreuzer Standorts zurück nach Basel wechselt.

Die 49-jährige Luther leitet Roche Diagnostics International seit Oktober 2014. Sie engagiert sich zudem unter anderem im Vorstand der Zuger Wirtschaftskammer und beim Technologieforum Zug. Ihren Wechsel begründet sie auf Anfrage so: «Nach über fünf Jahren als General Manager der Roche Diagnostics International war ich offen für eine neue Herausforderung innerhalb des Unternehmens.» Die Stelle als Sekretär des Verwaltungsrates auf Konzernebene, verbunden mit der Vertretung von Roche in Schweizer Wirtschaftsverbänden, erlaube es ihr, «die Rolle als Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Gemeinwesen über den Kanton Zug hinaus wahrzunehmen und so eine grössere Wirkung zu entfalten.»

Am Basler Hauptsitz wird Luther auch die Verantwortung für die Bereiche Government Affairs, das Roche Forum Buonas und das historische Archiv übernehmen. Ihre neue Funktion wird sie per 1. April 2020 antreten. Roche-Sprecherin Karin Freyenmuth sagt, Luthers Nachfolge in Rotkreuz werde zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Nachfolgerin von Matthias Michel im Bankrat

Roche Diagnostics ist mit über 2700 Beschäftigten der grösste Arbeitgeber im Kanton Zug, in der gesamten Zentralschweiz steht Roche in Bezug auf die Firmengrösse an Position fünf. Luthers Weggang aus Rotkreuz ist auch insofern von Bedeutung, als sie seit diesem Frühjahr im Bankrat der Zuger Kantonalbank sitzt, und zwar als Nachfolgerin des alt Regierungsrats und heutigen Ständerats Matthias Michel (FDP).

Diese Wahl begründete der Zuger Regierungsrat unter anderem damit, dass Annette Luther Teil der Zuger Wirtschaft sei, was dem Anforderungsprofil entspreche. Obwohl Luther bald nicht mehr im Kanton Zug arbeiten wird, soll sie nun aber weiterhin im Bankrat der Zuger Kantonalbank bleiben, wie der zuständige Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) gestern auf Anfrage sagte. Auch Kantonalbank-Sprecherin Carmen Wyss bestätigt dies und betont:

«Der Lebensmittelpunkt von Annette Luther befindet sich auch zukünftig im Kanton Zug.»

Luther ist im Kanton Freiburg aufgewachsen und ist Bürgerin von Mettmenstetten ZH. Sie wohnt seit Jahren im Kanton Zug. Roche-Sprecherin Freyenmuth sagt, die Zuger Kantonalbank wie auch die Zuger Regierung seien über den Wechsel ­informiert worden. Die neue Aufgabe als Sekretär des Verwaltungsrates habe keinen Einfluss auf Luthers Rolle im Bankrat der Zuger Kantonalbank. Durch die neue Rolle werde sie zusätzliche Kompetenzen einbringen können, sei es im Bereich der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) oder auch «durch die enge Vernetzung mit Schweizer Wirtschaftsverbänden», so die Roche-Sprecherin.

Frage im Zuger Kantonsrat

Die Wahl von Luther in den Bankrat ging im vergangenen Frühjahr nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. So sagte SP-Fraktionspräsident Alois Gössi im Kantonsrat, er bedau­ere es ausserordentlich, «dass der Regierungsrat seinen Einfluss auf die Zuger Kantonalbank nicht mehr direkt mit der Delegation eines Regierungsratsmitglieds in den Bankrat wahrnehmen will − was er in den letzten Jahrzehnten immer getan hat», heisst es im Protokoll vom 11. April 2019. Ob das Interesse des Kantons Zug nur darin bestehe, dass die Wirtschaft im Bankrat vertreten sei, fragte Gössi. Und wollte von ­Finanzdirektor Heinz Tännler wissen, «welche anderen Gründe die Regierung zu ihrem Entscheid bewogen hat».

Tännler begründete die Wahl von Luther unter anderem damit, dass die Finanzmarktaufsicht Finma es immer weniger schätze, «wenn Regierungsräte Einsitz in den Verwaltungsrat oder in ähnliche Gremien staatsnaher Betriebe nehmen.» Der Regierungsrat habe als Mehrheitsaktionär gerade bei der Zuger Kantonalbank über seine Aktionärsrechte viel mehr Einfluss als durch einen Sitz im Verwaltungsrat.

Der Rat bestätigte schliesslich die Wahl von Annette Luther zum Mitglied des Bankrats der Zuger Kantonalbank für die Amtsdauer von 2019 bis 2022 mit 62 Ja-Stimmen zu 10 Nein-Stimmen.

Roche hat in Rotkreuz Grosses vor

Seit 50 Jahren ist Roche in Rotkreuz präsent. Nun hat der Basler Konzern Land gekauft, um den Diagnostik-Standort in Zug weiter auszubauen. Die Belegschaft könnte sich langfristig verdoppeln.
Maurizio Minetti