Roche investiert über eine Milliarde in Gentherapie

Der Pharmakonzern mit Sitz in Rotkreuz geht einen Deal mit einer US-Biotechfirma für die Behandlung einer Muskelkrankheit ein.

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Roche hat eine Lizenzvereinbarung mit der US-Biotechfirma Sarepta Therapeutics angekündigt.

Roche hat eine Lizenzvereinbarung mit der US-Biotechfirma Sarepta Therapeutics angekündigt. 

Alexandra Wey/Keystone

(sda) Der Pharmakonzern Roche erhöht die Schlagzahl. Erst vor wenigen Tagen hatte der Pharmakonzern die Übernahme des Genspezialisten Spark Therapeutics vollzogen. Nun kündigt Roche eine Lizenzvereinbarung mit der US-Biotechfirma Sarepta Therapeutics an.

Konkret sichert sich Roche die Exklusivrechte an einer Gentherapie zur Behandlung des erblich bedingten Muskelschwundes namens Duchenne-Muskeldystrophie. Die Krankheit ist eine der am weitesten verbreiteten und schwerwiegendsten Formen von fortschreitendem Muskelschwund. Etwa eines von 5000 Kindern ist betroffen, meistens betrifft sie Jungen.

Roche leistet eine Einmalzahlung in Höhe von insgesamt 1,15 Milliarden Dollar. Dabei zahlen die Basler 750 Millionen in bar und die restlichen 400 Millionen in Aktien. Zudem hat Sarepta Anspruch auf bis zu 1,7 Milliarden Dollar an erfolgsabhängigen Zahlungen plus Lizenzgebühren auf den Umsätzen der Gentherapie. Derweil wird das US-Unternehmen weiterhin für die klinische Entwicklung und Herstellung der Behandlung verantwortlich sein, wobei die weltweiten klinischen Entwicklungskosten zu gleichen Teilen mit Roche geteilt werden.

Durch die Vereinbarung verstärkt Roche seine Präsenz im Bereich der Gentherapien. Dank der Übernahme von Spark Therapeutics für mehr als vier Milliarden Dollar hat sich der Konzern bereits den Zugang zu einer Gentherapie zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie gesichert. Dabei musste der Konzern ganze zehn Monate auf die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden warten.

Grosses Interesse seitens Roche

Neben Roche ist auch Novartis im Bereich der Gentherapie aktiv. Die Genersatztherapie Zolgensma zur Behandlung der Muskelerkrankung SMA hat bislang in den USA die Zulassung erhalten. Mit einem Preis von mehr als zwei Millionen Dollar gilt diese einmalige Therapie denn auch als die teuerste weltweit.

Analysten äussern sich positiv zur Kooperation von Roche. Nach der jüngsten Übernahme von Spark sei die heutige Nachricht keine Überraschung, schreibt die Bank Vontobel. «Roche interessiert sich für die Gentherapie und dafür, seine Position in dieser recht neuen und potenziell sehr wirkungsvollen Behandlungsmethode zu stärken», schreibt der Experte der Bank. Die ersten Gentherapien seien gerade erst auf den Markt gekommen. Daher sei es sinnvoll, das Risiko einzugehen und auch Produkte in einem frühen Entwicklungsstadium im Blick zu haben, so wie das bei Gentherapie von Sarepta der Fall sei.

Ähnlich positiv klingt die Zürcher Kantonalbank. Der Schritt von Roche, in die zukunftsweisende Gentherapie einzusteigen, sei begrüssenswert, auch wenn im vorliegenden Fall nur eine Aufteilung der Entwicklungskosten vorgenommen werde und Roche lediglich für den Vertrieb ausserhalb der USA zuständig sei. Der Analyst der Bank sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Gentherapie zugelassen werde. Deren Nutzen – bis hin zur möglichen Heilung – sei gross.

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