Roche prescht vor: Neuer Antikörper-Test soll schon Anfang Mai verfügbar sein

Roche hat einen Test zur Ermittlung von Covid-19-Antikörpern entwickelt. Er soll in rund zwei Wochen bereit sein.

Gregory Remez
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Roche engagiert sich in der Immunitätsforschung.

Roche engagiert sich in der Immunitätsforschung.

Bild: Remko De Waal/EPA

Der Pharmakonzern Roche kann im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus einen weiteren Durchbruch vermelden. Nachdem das Unternehmen bereits Mitte März den ersten vollautomatischen Schnelltest zum Nachweis des Virus auf den Markt gebracht hat, soll nun ein sogenannter Antikörpertest folgen. Wie Roche gestern mitteilte, wird dieser bereits Anfang Mai europaweit zur Verfügung stehen. Zudem arbeitet der Konzern mit der US-Gesundheitsbehörde FDA zusammen, um schnellstmöglich eine Notfallzulassung für den US-Markt zu erhalten.

Antikörpertests gelten als nächster wichtiger Schritt bei der Bekämpfung der Pandemie. Anders als bei den bisherigen Coronatests geht es nicht darum, Infizierte zu erkennen, um diese allenfalls hospitalisieren zu können. Stattdessen sollen all jene Personen identifiziert werden, die sich bereits mit dem Virus angesteckt haben – und deshalb höchstwahrscheinlich immun dagegen sind (siehe Text unten: Offene Fragen zur Immunität).

Immunisierungsgrad als wichtiger Richtwert

Der Immunisierungsgrad der Bevölkerung ist eine wichtige Richtgrösse, um den richtigen Fahrplan für die Lockerung der Coronamassnahmen zu ermitteln. Virologen gehen davon aus, dass eine Immunisierung von 70 Prozent der Bevölkerung ausreicht, um zu einem normalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben zurückzukehren – inklusive Fussballspiele und Konzertbesuche.

Freilich ist die Schweiz von solchen ­Werten noch weit entfernt; gegenwärtig wird der Immunisierungsgrad hierzulande auf wenige Prozent geschätzt. Nichtsdestotrotz wird es in Zukunft – vor allem mit Blick auf die Verfügbarkeit eines Impfstoffes, was diesen Prozess massgeblich beschleunigen wird – wichtig sein, zu wissen, welcher Teil der Bevölkerung bereits immun gegen das Virus ist. Und dies geht nur mit Hilfe von sicheren Bluttests zum Nachweis von Covid-19-Antikörpern.

Massive Erhöhung der Kapazität bis Juni

In den letzten Wochen haben mehrere kleinere Firmen, allen voran aus dem asiatischen Raum, Antikörpertests auf den Markt gebracht. Ein Problem war jedoch stets deren mangelnde Zuverlässigkeit. Roche ist nun das erste grosse Pharmaunternehmen, das einen solchen Test entwickelt. Der Clou: Die Infrastruktur für die Durchführung des Tests ist in vielen Labors und Spitälern bereits vorhanden. Er läuft, wie schon der Test zum Nachweis des Virus, auf den von Roche Diagnostics in Rotkreuz entwickelten Cobas-Geräten. Nach Angaben des Konzerns sind weltweit rund 40000 solcher Geräte im Einsatz, die Uni Zürich beispielsweise verfügt über zwei.

Das Prozedere sei vollständig automatisiert, was die Gefahr einer Kontamination oder eines Benutzerfehlers reduziere und den Test «sehr zuverlässig» mache, lässt Roche verlauten. Nach dem Start im Mai solle die «Produktionskapazität bis Juni auf eine hohe zweistellige Millionenzahl pro Monat» hochgefahren werden, erklärte gestern Thomas Schinecker, Chef der Diagnostiksparte von Roche.

Offene Fragen zur Immunität

In den vergangenen Tagen säte eine Meldung aus Südkorea Zweifel an der Annahme, dass sich Personen nach einer durchgestandenen Infektion für eine bestimmte Zeit nicht mehr mit dem Coronavirus anstecken könnten. 91 zuvor erkrankte Menschen seien zunächst negativ und dann erneut positiv auf das Virus getestet worden, teilte die südkoreanische Seuchenschutzbehörde KCDC mit. Es war nicht das erste Mal, dass Diskrepanzen bei Testergebnissen bekannt wurden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kündigte daraufhin an, den Fällen nachzugehen. Sie fügte hinzu, dass es wichtig sei, bei der Probeentnahme äusserst sorgfältig vorzugehen.

Diesen Hinweis hatten Experten bereits bei früheren Berichten über vermeintliche Neuinfektionen ins Feld geführt. Denn auch wenn die letzte Sicherheit mangels Studien dazu noch fehlt: Sehr wahrscheinlich ist ein anderes, harmloses Phänomen die Ursache für das angebliche Wiederaufflammen. Der Berliner Virologe Christian Drosten etwa erklärte in seinem NDR-Podcast, dass der Erreger gerade zum Ende der Erkrankung zeitweise nachweisbar sein könne und zwischendurch wieder nicht – da sei auch Zufall dabei.

Die Gesundheitsbehörde in Südkorea brachte dagegen die Erklärung ins Spiel, dass Sars-CoV-2 bei den nun entdeckten Patienten reaktiviert worden sei. Dieses Phänomen kennt man von anderen Erregern. Das Herpes-simplex-Virus zum Beispiel verbleibt ein Leben lang im Körper, löst aber nur gelegentlich die unangenehmen Lippenbläschen aus. Ob diese Entwicklung auch beim neuen Coronavirus auftreten könnte, ist allerdings (noch) unklar. (gr)