Pharma
Roche zeigt sich immun gegen das Trump-Virus

Die Basler zeigen keine Angst vor dem Preisdiktat des neuen US-Präsidenten.

Daniel Zulauf
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Der Pharmakonzern Roche nimmt die scharfen Worte von Donald Trump gelassen und schaut den vom US-Präsidenten angekündigten Reformen des Gesundheitssystems zuversichtlich entgegen. «Wir sind gut positioniert in den USA», sagte Konzernchef Severin Schwan gestern in Basel auf der Bilanzmedienkonferenz. Roche setze traditionell ganz auf Innovation und auf lebenswichtige Medikamente, betonte der Österreicher in der unausgesprochenen Erwartung, dass sich Trump kaum trauen werde, dort Hand anzulegen. Am ersten Treffen des neuen Präsidenten mit Vertretern der Pharmaindustrie diese Woche war Schwan im Unterschied zu Novartis-Chef Joseph Jimenez nicht zugegen. «Wenn sich eine Gelegenheit für ein Treffen ergeben sollte, wäre ich sicher interessiert», sagte Schwan mit auffallender Zurückhaltung.

Die jüngsten Einreisebeschränkungen in den USA scheint man bei Roche vorläufig für ein vorübergehendes Phänomen zu halten. Der Konzern beschäftigt 25 000 Mitarbeiter in den USA, darunter Spezialisten aus vielen Ländern. «Ich bin zuversichtlich, dass sich über die Zeit die Gesamtsicht durchsetzen wird», sagte Schwan angesprochen auf weitere mögliche politische Manöver, die auch Roche und der gesamten amerikanischen Pharmabranche schaden könnten. Die USA profitierten in hohem Mass von der Life-Sciences-Industrie und müssten deshalb ein Interesse daran haben, die Rahmenbedingungen nicht zu verschlechtern.
Investitionen seien ganz klar abhängig von den lokalen Standortbedingungen, zu denen auch das Preissetzungssystem gehöre. Schwan sagte, Roche habe in den vergangenen fünf Jahren 3000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen.

Gleichzeitig hatte Roche aber auch den traditionsreichen Standort in Nutley in New Jersey geschlossen und dabei rund 1000 Stellen abgebaut. Der Umbau geht auch dieses Jahr weiter. In Spanien, Irland und wiederum in Amerika kommt es zur Schliessung von Produktionsstandorten. In Amerika ist diesmal eine Fabrik in Florence im Bundesstaat South Caroline betroffen, die bis vor kurzem 270 Angestellte zählte und bis 2019 geschlossen oder verkauft werden soll.

Amerika ist für Roche zentral

Die USA sind der mit grossem Abstand wichtigste Markt für Roche. Von dem im vergangenen Jahr erzielten Gesamterlös von 50,6 Milliarden Franken stammten nicht weniger als 43 Prozent aus den USA. Der Anteil Europas bewegt sich bei etwas über 25 Prozent.

Als Zugpferde wirken weiterhin MabThera, Avastin und Herceptin, drei Krebsmedikamente, die zusammen etwa gleichgewichtig fast 21 Milliarden Franken Umsatz auf die Waage bringen. MabThera und Herceptin haben ihren Patentschutz in Europa bereits verloren. Billigere Konkurrenzprodukte gab es bislang keine, weil sich die Herstellung biologischer Generika als deutlich schwieriger erwiesen hat als die Herstellung rein chemischer Nachahmerpräparate. Doch inzwischen sind die ersten Produkte marktreif, darunter auch ein Generikum des Lokalrivalen Sandoz (Novartis). 2018 und 2019 werdendie Patente von MabThera und Herceptin auch in den USA auslaufen, und 2020 ist in den USA und in Europa die Bahn auch für Kopien von Avastin ganz frei.

Schwan verwies selbstbewusst auf die starke Pipeline an neuen Medikamenten und erklärte, er gehe klar davon aus, die Umsatzverluste durch die GenerikaKonkurrenz ganz durch die Verkäufe neuer Medikamente ausgleichen beziehungsweise sogar überkompensieren zu können. Tamiflus und Pegasys, wie Präparate zur Behandlung von Infektionskrankheiten, verlieren ihren Patentschutz ebenfalls und dürften, was sich nach Einschätzung von Roche schon 2017 in den Zahlen bemerkbar machen könnte. Die beiden Mittel brachten 2016 einen Umsatz von über ein Milliarde Franken ein. Trotz der sich abzeichnenden Unwägbarkeiten rechnet Roche für das laufende Jahr mit einer erneuten Gewinnsteigerung und setzt mit der Erhöhung der Dividende von 8.10 Franken auf 8.20 Franken je Titel ein entsprechendes Zeichen. Für Schwan sinkt die Gesamtentschädigung im homöopathischen Bereich von 11,9 Millionen auf 11,6 Millionen Franken.

Die Börse quittierte die Ergebnisse von Roche mit Kursaufschlägen. Roche hat Novartis im zurückliegenden Jahr sowohl in puncto Börsenwert als auch in puncto Umsatz und Gewinn deutlich distanziert. Die Formkurven der beiden Konzerne laufen offensichtlich in die entgegengesetzte Richtung.