Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ROHSTOFFE: Goldpreis unter erhöhtem Druck

Die Talfahrt des Goldpreises nimmt kein Ende. Gestern markierte Gold ein neues Mehrjahrestief. Experten glauben, dass keine Besserung in Sicht ist.
Geschätzt zwei Drittel allen raffinierten Goldes kommen aus der Schweiz, wie hier bei Metalor in Neuchâtel. (Bild: Keystone/Sandro Campardo)

Geschätzt zwei Drittel allen raffinierten Goldes kommen aus der Schweiz, wie hier bei Metalor in Neuchâtel. (Bild: Keystone/Sandro Campardo)

Bernard Marks

Viele Anleger schätzen das Gold als eine vermeintlich krisenfeste Geldanlage. Während Geld massiv an Kaufkraft verlieren kann, trifft das auf das begehrte Edelmetall nicht zu, so die These. Doch besonders in jüngster Vergangenheit scheint sich alles gegen das Gold verschworen zu haben. Noch im Jahr 2011 kostete die Feinunze (31,10 Gramm) über 1900 Dollar. Seither ist Gold im Abwärtstrend. Trotz Eurokrise, Ebola-Epidemie in Afrika und militärischer Konflikte im Nahen Osten schafft das Krisenmetall nicht die Wende. Im Gegenteil: War der Goldpreis kürzlich bereits auf ein Fünfjahrestief gerutscht, fiel er in dieser Woche sogar noch weiter. Gestern lag der Preis für eine Feinunze Gold zeitweise bei nur noch 1083 Dollar (siehe Grafik) – ein Wert, der zuletzt im März 2010 erreicht worden war.

Weniger Goldreserven als gedacht

Hat das Gold als sicherer Hafen in Krisenzeiten ausgedient? «Nein, aber aktuell fehlen der Anlage positive Impulse», sagt Alex Müller, Leiter des Investmentgeschäftes der Zuger Kantonalbank. Zurzeit setzen dem Goldpreis laut Müller diverse Faktoren zu. Enttäuschend waren einerseits die Daten bezüglich Chinas Goldreserven. Ende des Jahres 2002 besass das Reich der Mitte gerade einmal 600 Tonnen. 2009 kaufte China 454 Tonnen hinzu und belegt seitdem einen Platz unter den fünf Ländern mit den grössten Goldreserven. In den letzten sechs Jahren hatte China zwar weitere 600 Tonnen des Edelmetalls zugekauft. «Doch die Goldkäufe lagen unter den Erwartungen der Finanzinvestoren», erläutert Müller weiter. China besitzt demnach wesentlich weniger Gold als gedacht.

Zinswende möglich

«Zudem dürften auch die Entspannung um die Krise in Griechenland sowie die immer noch tiefe Inflation zu einem erhöhten Druck auf den Goldpreis führen», sagt Müller. Des Weiteren hinterlässt auch der starke Dollar seine Spuren beim Goldpreis. Der Grund für die Erstarkung des «Greenbacks» ist die mögliche Zinswende in den Vereinigten Staaten. «Wir gehen von einer ersten Zinserhöhung der kurzfristigen Zinsen im US-Dollar im Jahr 2015 aus», sagt Müller. Ob die langfristigen Zinsen in den USA aufgrund der positiven konjunkturellen Entwicklung mitziehen, bleibe abzuwarten, ist aber laut Müller wahrscheinlich. Höhere Zinsen machen aber den Dollar als Anlagewährung attraktiver, darunter leidet der Goldpreis.

In der Folge könne sich aufgrund der historisch hohen Zinsdifferenz auch ein überraschender Zinsanstieg in Europa einstellen, obwohl die europäische Zentralbank EZB mit ihrem Anleihen-Kaufprogramm entgegenwirkt. «Wir erwarten hier moderate Bewegungen, die aber Anleger durchaus verunsichern können», sagt Müller. In der Schweiz bleiben die Zinsen vorerst tief, werden sich allerdings langfristig auf Dauer nicht von den internationalen Tendenzen vollständig abkoppeln können.

Rückläufige Nachfrage

Mehr als 2700 Tonnen Gold wurden laut Schätzungen des U. S. Geological Survey (USGS) 2014 weltweit gefördert. Grösster Produzent ist mittlerweile China, gefolgt von Australien und den USA. Doch die weltweite Nachfrage nach Gold sinkt. Im ersten Quartal 2015 betrug die Nachfrage nach dem Edelmetall nur noch 1079,3 Tonnen. Das sind zwar nur 11 Tonnen weniger als im Vorjahr. Doch auch die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen oder minus zehn Prozent im Vergleich zu 2014.

Die geringere Beliebtheit von Gold spiegelt sich auch in den sinkenden Beständen der grossen Goldfonds wider. «Vom Top von knapp über 2600 Tonnen vor drei Jahren sind heute nur noch 1600 Tonnen übrig», schreibt das deutsche «Handelsblatt». Die Analysten von Vontobel Asset Management schätzen, dass das Überangebot an Gold in einer Zeit schleppender Anlegernachfrage wahrscheinlich ein Problem bleiben wird. Denn es sei unwahrscheinlich, dass die Goldminen ihre Produktionsmenge senken.

Aktienkurse brechen ein

Diese Befürchtung spiegelt sich bereits in den Aktienkursen zahlreicher Minenbetreiber wider. Zum Teil sind in diesem Bereich die Kurse regelrecht eingebrochen. So fiel zum Beispiel die Aktie der kanadischen Barrick Gold Corporation, der weltweit grössten Goldminenbetreiberin, allein gestern um über fünf Prozent auf einen absoluten Tiefststand seit dem Jahr 1991. Die Aktie der südafrikanischen Goldproduzentin Gold Fields verlor nur seit Jahresbeginn über 30 Prozent ihres Wertes. Auch der Aktienkurs des 1954 gegründeten kanadischen Goldunternehmens Goldcorp ist von seinen Höchstständen von über 40 Dollar aus dem Jahr 2011 weit entfernt und notiert derzeit bei lediglich 12 Euro.

Mit Zukäufen noch zuwarten

Vieles spricht demnach für weiter fallende Goldpreise. Experten raten daher privaten Anlegern zur Vorsicht. Bei der Zuger Kantonalbank empfiehlt man den Kunden, aus Diversifikationsgründen nur einen kleinen Anteil ihres Portfolios in Gold zu halten. «Aktuell ist dieser Anteil bei rund 2 Prozent des Portfoliowertes und damit sehr gering», sagt Müller. Sollten Anleger allerdings noch kein Gold halten, könne der aktuelle Ausverkauf für Zukäufe genutzt werden. «Persönlich würde ich aber auf eine Bodenbildung beim Goldpreis warten», sagt Müller.

Auch von anderen Rohstoffarten rät Müller aktuell ab. Die kurzfristige Erholung an den Rohstoffmärkten im zweiten Quartal dieses Jahres sei bereits wieder verpufft. Zudem erachtet Müller die Struktur des Marktes als eher ungünstig für private Anleger. «Die Zeit, auf breiter Basis in Rohstoffe zu investieren, ist noch nicht gekommen. Anleger sollten sich von dieser Anlageklasse fernhalten», so das Fazit von Alex Müller.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.