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ROOT: Sage Schweiz: Ackermann will Administration abschaffen

Anfang dieses Jahres hat Tobias Ackermann die Leitung beim Softwarehersteller Sage Schweiz AG übernommen. Der Solothurner hat klare Vorstellungen darüber, was KMU brauchen.
Maurizio Minetti
Der neue Chef von Sage Schweiz, Tobias Ackermann, vor dem Haupteingang in Root. (Bild: Manuela Jans-Koch (19. Januar 2018))

Der neue Chef von Sage Schweiz, Tobias Ackermann, vor dem Haupteingang in Root. (Bild: Manuela Jans-Koch (19. Januar 2018))

Maurizio Minetti

Die Administration, so sagt man, ist ein notwendiges Übel für alle mittelständischen Betriebe. Rechnungswesen, Lohnbuchhaltung, Mehrwertsteuerabrechnung, Fakturierung: Wer ein Unternehmen führt, muss stets Papierkram erledigen. Tobias Ackermann kennt das aus eigener Erfahrung. «Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen; meine Eltern führen zwei Kleinfirmen. Für meinen Vater war die Administration ein lästiges Übel, um das er sich in seiner Freizeit kümmern musste.»

Heute versucht Tobias Ackermann genau solche Firmen zu entlasten: Das Unternehmen, das er führt, entwickelt Geschäftssoftware für Start-ups, KMU und Grossunternehmen. Anfang Jahr hat der 37-jährige Solothurner die Leitung der Sage Schweiz AG mit Sitz in Root von Marc Ziegler übernommen, der Chef der Auto AG wird.

Sage ist ein britischer Softwarekonzern, dessen Lösungen in der Schweiz nicht unbekannt sind. Das hat historische Gründe: Den Schweizer Markt betrat Sage im Jahr 1999 mit dem Kauf des Baarer Softwareherstellers Soft­inc, der für das Finanzbuchhaltungsprogramm Sesam bekannt war. 2005 hat Sage dann die Altishofer Simultan von Helvetic-Airways-Gründer Peter Pfister übernommen. Später kamen weitere Schweizer Zukäufe hinzu. Heute beschäftigt Sage in Root knapp 180 Personen, davon ein Viertel Software-Entwickler. Die Firma bedient rund 60000 Firmenkunden und gehört neben anderen Playern wie Bison in Sursee und Opacc in Kriens oder Mitbewerbern wie Abacus in St. Gallen zu den führenden Schweizer Herstellern von Geschäftssoftware für KMU.

Grosser Aufwand wegen ISO und Mehrwertsteuer

Ackermann möchte nun den Horizont von Sage Schweiz etwas erweitern. «Ich habe seit Mitte 2015 bei Sage in Irland in internationalen Positionen gearbeitet und dadurch eine etwas globalere Sicht auf den Konzern als mein Vorgänger», sagt der Betriebswirtschafter. «Wir haben innerhalb des Konzerns viele Innovationen, die ich vermehrt einbringen möchte», sagt Ackermann. Einen besonderen Fokus will er auf die Attraktivität von Sage Schweiz als Arbeitgeber setzen. Sein Ziel: «Sage Schweiz soll der attraktivste Schweizer Arbeitgeber im IT-Bereich werden.» Die entsprechende Auflistung auf externen Bewertungsplattformen müsse man zwar nicht überinterpretieren, räumt Ackermann ein. «Aber letztlich informieren sich Talente online, wenn sie einen neuen Arbeitgeber suchen. Und dort müssen wir auch präsent sein.» Wer bei Sage in Root arbeite, soll künftig mehr Möglichkeiten haben, innerhalb des 13 000 Mitarbeiter zählenden Konzerns neue Entwicklungsmöglichkeiten kennen zu lernen, sagt Ackermann.

Sage Schweiz orientiert sich dabei an der Produkte-Roadmap des Konzerns, doch die Schweizer Lösungen werden gemäss Ackermann hauptsächlich in Root entwickelt. «Das hat auch mit den spezifischen Schweizer Gesetzen und Vorschriften zu tun, die ständig in der Software abgebildet werden müssen.» So habe die Senkung der Mehrwertsteuer per Anfang dieses Jahres viel Arbeit für den Support mit sich gebracht, und auch die Umstellung auf den neuen Zahlungsverkehrsstandard ISO 20022 war ein grosser Aufwand für die Entwicklung: «Wir haben rund 1690 Stunden Entwicklungsarbeit für die Umsetzung der neuen ISO-20022-Formate aufgewendet», sagt Ackermann. Kunden, die mit Postfinance arbeiten, mussten ihre Systeme bereits per Anfang Jahr umstellen. Bis Mitte dieses Jahres werden nun Firmen umstellen müssen, die ihren Zahlungsverkehr automatisiert mit Banken abwickeln. «Wir sind bereit, aber viele Unternehmen haben noch Nachholbedarf.»

Viele KMU brauchen Word und Excel

Die Umstellung beim Zahlungsverkehr habe man genutzt, um den Kunden auf dem Weg zu «zero admin» einen Mehrwert etwa beim automatisierten Abgleich von E-Banking und Buchhaltung zu liefern, sagt Ackermann. «Zero admin» soll heissen, dass sich der Kunde im Idealfall praktisch nicht mehr um die Administration kümmern muss. In Wahrheit muss er das natürlich schon, aber die Software soll ihm die Arbeit erleichtern. In Zukunft etwa damit, dass für das Bezahlen einer Rechnung das Abfotografieren eines QR-Codes reicht und nicht mehr die ganze IBAN-Nummer umständlich abgetippt werden muss. Eine weitere Vereinfachung ist zum Beispiel, wenn Kunden ihre Geschäftssoftware nicht mehr wie früher üblich für viel Geld kaufen und intern teure Infrastrukturen betreiben und pflegen müssen, sondern im Abo-Modell aus der Cloud beziehen und eine fixe monatliche Miete bezahlen.

Die Cloud, also die Speicherung von Daten in externen Rechenzentren, ist für viele KMU aber noch immer weit weg. «Erstaunlich viele Kleinfirmen nutzen heute immer noch Excel und Word für ihre Buchhaltung», weiss Ackermann.

Dass dies langfristig wohl keine gute Lösung ist, hat mittlerweile auch Ackermanns Vater eingesehen. Nach einer Evaluation hat er sich vor zwei Jahren für Sage Start entschieden. «Ich hatte auf den Software-Entscheid keinen Einfluss», beteuert Ackermann. «Mein Vater hat nun einfach eingesehen, dass es klüger ist, in eine preiswerte Software zu investieren, statt wertvolle Zeit zu vergeuden.»

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