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ROTKREUZ: Der künstliche Anlageberater

Algorithmen verdrängen klassische Kundenberater. Die Finanzbranche müsse die Veränderung mitmachen, sonst drohe ihr der Untergang, so der Tenor einer Konferenz.
Im Kantonsspital macht ein Pilotprojekt mit einem Roboter der medizinische Verbauchsartikel transportiert und verteilt. VM (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Im Kantonsspital macht ein Pilotprojekt mit einem Roboter der medizinische Verbauchsartikel transportiert und verteilt. VM (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Es war wohl Zufall, dass die gestrige Swiss Digital Finance Conference ausgerechnet in einem Raum stattfand, der nach Alan Turing benannt ist. Der britische Mathematiker erfand 1950 den sogenannten Turing-Test, um festzustellen, ob eine Maschine wie ein Mensch denken kann. Dabei führt ein Fragesteller ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie denkende Menschen sind. Wenn der Fragesteller nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden.

Vielleicht werden bald auch Bankkunden nicht mehr recht wissen, ob sie es nun mit einer Person aus Fleisch und Blut oder einer Künstlichen Intelligenz zu tun haben. Georges Grivas, Informatikdozent an der Hochschule Luzern, eröffnete gestern die Konferenz auf dem Rotkreuzer Suurstoffi-Areal mit den Worten: «Künstliche Intelligenz in der Finanzindustrie ist kein Hype, sondern ein langfristiger Trend.» Er sprach gar in Anspielung an «mobile first» von «A. I. first», wobei A. I. für Artificial Intelligence steht. Nach Meinung von Grivas, der sich seit Jahrzehnten mit dieser Thematik beschäftigt, birgt Künstliche Intelligenz ein enormes Potenzial für die Finanzindustrie.

Regulierungen verhindern Innovationen

Für die Brücke von der Theorie in die Praxis sorgten danach viele Redner aus der Technologie- und Bankenbranche. Sie zeigten beispielhaft, dass Banken wie UBS oder die Liechtensteinische Landesbank (LLB) vermehrt auf technologische Hilfsmittel bei der Anlageberatung setzen. Man spricht in der Branche auch gern von «Robo-Advisors». Der Ausdruck ist allerdings irreführend, sind damit doch nicht etwa Roboter gemeint, sondern vielmehr Algorithmen, die dabei helfen, die richtige Anlageentscheidung zu treffen. Die Fachkenntnisse des erfahrenen Beraters spielen dabei eine immer geringere Rolle.

Künstliche Intelligenz ist vermehrt auch im Kundendienst ein Thema. Wo Bankkunden heute noch ein Callcenter kontaktieren müssen, werden sie sich künftig vermehrt mit einem Chatbot-Programm unterhalten, das menschenähnlich Hilfe leisten wird.

Einige global tätige Banken haben die Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz bietet, längst für sich entdeckt. Es gebe in der Schweiz aber noch viel Aufholpotenzial, waren sich die Vertreter der Schweizer Fintech-Szene einig. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang einmal mehr die Rolle des Staates, der sich zu stark um Regulierungen kümmere und der Finanzbranche wenig Raum für Innovationen lasse. «Die Schweizer Fintech-Szene wächst nicht dank, sondern trotz der aktuellen Politik», meinte Urs Haeusler vom Verband Swiss Finance Start-ups.

Die Branche zeigte sich aber durchaus auch selbstkritisch. Die grösste Herausforderung sei nicht die Technologie, sondern die Veränderung der Kultur einer Bank, hiess es. Oliver Bussmann, ehemaliger UBS-Informatikchef und einer der bekanntesten Fintech-Vordenker der Schweiz, sprach von einem Strukturwandel, der nicht mehr aufzuhalten sei: «Die Banken müssen sich darauf vorbereiten.»

Dass sich die Banken bewegen müssen, sagte auch Post­finance-Manager David Kauer. Er sprach von einem «digitalen Darwinismus»: Nicht die grössten Banken würden überleben, sondern jene, die sich am besten anpassen können.

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

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