ROTKREUZ: Roche ist neue Nummer 1 in Zug

Der Gesundheitskonzern Roche beschäftigt in Zug 2200 Personen und ist damit der grösste private Arbeitgeber. Das Wachstum scheint ungebrochen.

Ernst Meier
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Job-Motor im Kanton Zug – die Diagnostik-Sparte von Roche in Rotkreuz: Seit 2006 hat der Konzern sechs Neubauten erstellt und über 400 Millionen Franken in den Standort investiert. Im «Roche-Dorf» arbeiten 2200 Personen aus über 50 Nationen. (Bild: PD)

Job-Motor im Kanton Zug – die Diagnostik-Sparte von Roche in Rotkreuz: Seit 2006 hat der Konzern sechs Neubauten erstellt und über 400 Millionen Franken in den Standort investiert. Im «Roche-Dorf» arbeiten 2200 Personen aus über 50 Nationen. (Bild: PD)

Jürg Erismann, herzliche Gratulation – Roche Diagnostics ist mit 2200 Mitarbeitern der grösste private Arbeitgeber im Kanton Zug. Als Sie 2008 die Leitung übernahmen, waren es erst 800 Angestellte. Hatten Sie damals mit dieser Entwicklung gerechnet?

Jürg Erismann: 2008 war klar, dass der Standort Rotkreuz vor einer grösseren Veränderung steht. Es war bereits entschieden, dass einige globale Funktionen von Deutschland in die Schweiz verlagert und damit Rotkreuz zu einem zentralen Standort für die Division Diagnostics werden wird. Die Dynamik des Wandels und die Internationalisierung des Standorts waren und sind bereichernd – und diese dynamische Entwicklung hält an.

Woher kommt diese Dynamik?

Jürg Erismann: Rotkreuz ist abhängig vom weltweiten Geschäftsverlauf. Die globale Nachfrage nach Diagnostics-Produkten und -Dienstleistungen wächst seit Jahren überdurchschnittlich. Zum einen gibt es immer mehr Krankheiten, für welche die Sparte einen Beitrag zur Behandlung leisten kann – mit diagnostischen Tests, die zu Therapieempfehlungen führen. Weiter steigen in vielen Ländern Lebensqualität und Wohlstand und damit der Anspruch an die Gesundheitssysteme – speziell in den Schwellenländern Lateinamerikas und Asiens. Dementsprechend entwickeln sich die Märkte im Gesundheitssystem.

Die Mitarbeiterzahl hat sich seit 2006 vervierfacht – trotz Finanz- und Wirtschaftskrise.

Erismann: Wir haben die Wirtschaftskrise in den letzten Jahren auch zu spüren bekommen. So nahm der Spardruck in der Gesundheitsbranche zu. Der Gesamttrend sowie das Wachstum in den neuen Märkten überwog jedoch. Wir profitierten während dieser Zeit in Rotkreuz auch von Standortverlegungen aus anderen Ländern.

Innert nur einem Jahr sind in Rotkreuz fast 300 Stellen hinzugekommen. Die Belegschaft wuchs damit um über 10 Prozent.

Erismann: Das hat vor allem mit der 2013 vorgenommenen Standortkonzentration zu tun. Wir haben den Bereich Blutgasanalyse und Elektrolyten mit 280 Stellen von Graz nach Rotkreuz transferiert; entwickeln und produzieren nun hier. Zirka 30 Mitarbeiter sind von Österreich in die Schweiz gezogen. Für die restlichen Stellen haben wir neues Fachpersonal rekrutiert – darunter sind vor allem Ingenieure und Techniker. Die Standortverlegung, die wir vor kurzem abschliessen konnten, verlief erfolgreich.

Was macht Rotkreuz besser als Graz?

Erismann: Dem Entscheid zur Standortverlegung ging eine ganzheitliche Analyse voraus. Graz ist eher ein kleiner Standort innerhalb von Roche, die kritische Grösse war im Rahmen der weiteren Branchenentwicklung nicht mehr gegeben. In Rotkreuz bieten sich aufgrund der Synergiemöglichkeiten sowie der benachbarten Abteilungen mehr Vorteile; ausserdem war das Marketing dieses Geschäftsbereiches bereits in Rotkreuz. Zudem stimmt das Gesamtpaket der Wirtschaftsregion.

Rechnen Sie mit weiteren Verlagerungen nach Rotkreuz?

Erismann: Derzeit sind keine grösseren Anpassungen geplant. Die Standorte innerhalb von Roche und deren Wettbewerbsfähigkeit werden aber regelmässig überprüft. Da sind auch wir in Rotkreuz laufend gefragt und müssen uns bewähren, um neue Projekte nach Rotkreuz holen zu können.

Der Trend der letzten Jahre war aber klar: Verlegung nach Rotkreuz. Sehen Sie dies gefährdet, nachdem der Bund die Zuwanderung begrenzen muss?

Erismann: Man muss zuerst einmal sehen, wie die Zuwanderungsinitiative in die Praxis umgesetzt wird. Tatsache ist, dass Roche Diagnostics auf Fachleute aus dem Ausland angewiesen ist. Der Ausländeranteil am Standort Rotkreuz beträgt rund 40 Prozent. Für gewisse Stellen suchen wir Spezialisten, von denen es in der Schweiz nur wenige oder gar keine gibt. Diese und alle anderen Stellen werden von uns jeweils weltweit ausgeschrieben. Wenn die Schweiz nun auf ein Kontingentierungssystem umstellt, ist dessen Auslegung von grosser Bedeutung für uns.

Ist in einem Unternehmen wie Roche Diagnostics die Mindestlohninitiative auch ein Thema?

Erismann: Nur 4 Prozent unserer Belegschaft in Rotkreuz weist keinen Ausbildungsabschluss auf. Dabei handelt es sich um Angestellte in den Bereichen Personalrestaurant, Transport oder Logistik. Unter den regulären Angestellten ist aber niemand, der weniger als 4000 Franken verdient.

Das starke Wachstum in Rotkreuz sieht man auch als Besucher gut. Das «Roche-Dorf» besteht heute aus acht eigenen Gebäuden. Sechs davon entstanden seit 2006. Und doch scheint es schon wieder eng zu sein.

Erismann: Wir sind bereits wieder daran, die Kapazitäten zu erweitern. Im letzten Jahr haben wir ein Gebäude um drei Geschosse aufgestockt. Darin sind heute die neuen Stellen aus Graz sowie 120 Lehrlinge tätig. Trotzdem reicht der vorhandene Platz derzeit nicht aus. Zirka 400 Mitarbeiter sind in zugemieteten Büroräumen oder in provisorischen Containern untergebracht. Wir planen daher den Bau eines neuen Gebäudes für rund 450 Mitarbeiter auf unserem Gelände. Das Bauprojekt wird Ende Jahr vorliegen. Ausserdem wird unser Personalrestaurant bis Ende nächsten Jahres durch einen Anbau erweitert.

Wie wird sich Roche Rotkreuz in den nächsten zwei bis drei Jahren weiterentwickeln?

Erismann: Wir verzeichnen derzeit weiteres Wachstum und stellen auch neue Mitarbeiter ein. Was den Umsatz betrifft, rechne ich mit einem soliden Wachstum. Wir sind Marktleader, und Rotkreuz hat im weltweiten Diagnostics-Geschäft eine Schlüsselfunktion. Eine genaue Voraussage zur weiteren Entwicklung zu machen, ist aber schwierig. Der Einfluss des internationalen Geschäftsverlaufs spielt wie gesagt eine wichtige Rolle.