Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ROTKREUZ: Schielen auf den Detailhandel

Im April ist das Joint Venture zwischen Glaxo Smith Kline und Novartis offiziell gestartet. Gemeinsam wollen sie Innovationen im Bereich der rezeptfreien Medikamente vorwärtstreiben.
Roman Schenkel
Ein Grossteil der rezeptfreien Medikamente wird in Apotheken verkauft. Im Bild die Alte Suidtersche Apotheke in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Ein Grossteil der rezeptfreien Medikamente wird in Apotheken verkauft. Im Bild die Alte Suidtersche Apotheke in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Roman Schenkel

Sie sind keine Blockbuster. Mit ihnen erwirtschaften die Pharmafirmen in der Schweiz keine Milliarden. Doch die Produkte kennt jeder: Sie heissen Voltaren, Panadol, Neocitran oder Otrivin. Es gibt sie ohne Rezept – in der Apotheke, beim Arzt und zum Teil auch bei Coop oder Migros –, sogenannte OTC-Medikamente. OTC steht für «over the counter», also «über die Ladentheke». Mineralstoffe und Halspastillen gehören ebenso dazu wie etwa die Pille danach oder Medikamente gegen Lippenherpes. Der Umsatz mit rezeptfreien Medikamenten in der Schweiz lag im Jahr 2014 laut Branchenverband Interpharma bei 750 Millionen Franken (siehe Grafik), was 14 Prozent oder rund einem Siebtel des Volumens des Schweizer Medikamentenmarktes (5,1 Milliarden Franken) entsprach.

Bild: Grafik / Neue LZ

Bild: Grafik / Neue LZ

Jedes vierte Medikament rezeptfrei

Nimmt man statt des Werts die Mengen, so wird klar, weshalb die OTC-Medikamente jedermann kennt: Von den 209,3 Millionen Packungen Medikamente, die schweizweit verkauft wurden, waren 85,2 Millionen Packungen OTC-Medikamente. Jedes vierte verkaufte Medikament ist also ein rezeptfreies. Hinzu kommt: OTC-Produkte sind vom Werbeverbot befreit. Novartis hat vor wenigen Jahren die Einführung einer neuen, schmerzstillenden Salbe mit einer grossen Kampagne begleitet.

Da die Margen im OTC-Geschäft aber klein sind, ist Grösse ein entscheidender Vorteil. Vor gut zwei Jahren hat sich im OTC-Markt eine starke Veränderung angekündigt. In einer Grosstransaktion übernahm Novartis vom britischen Gesundheitskonzern Glaxo Smith Kline (GSK) das Krebsgeschäft. Umgekehrt übernahm GSK die Impfsparte von Novartis. Und in einem dritten Schritt schliesslich, brachte das Basler Unternehmen seine rezeptfreien Medikamente in ein Gemeinschaftsunternehmen mit GSK ein.

Den grösseren Teil des Joint Ventures haben die Briten beigesteuert. Mit einer Beteiligung von 63,5 Prozent üben sie die Kontrolle über GSK Consumer Healthcare, so heisst das gemeinsame Unternehmen, aus und werden die Geschäftszahlen voll konsolidieren. Die bekanntesten Produkte des neuen Joint Ventures sind Voltaren, Panadol, Otrivin, Mebucaine, Fenistil sowie Sensodyne, Odol-med3 oder Zovirax.

Das Unternehmen soll jährlich rund 10 Milliarden US-Dollar umsetzen und in allen Regionen der Welt eine führende Stellung einnehmen. «Gemeinsam wollen wir mit Innovationen auftrumpfen», sagt Alexander Boppel, Geschäftsführer von GSK Consumer Healthcare Schweiz. Der 44-jährige Deutsche verantwortet das Schweizer Geschäft des Joint Ventures. Zuvor hat er bereits die Schweizer OTC-Sparte von Novartis geleitet. 60 Mitarbeitende umfasst das Unternehmen, 10 davon sind von GSK aus Münchenbuchsee dazugestossen.

Frühestens nach drei Jahren kann Novartis seine 36,5-Prozent-Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen ganz oder in Teilen veräussern. Die Novartis-Spitze hat jedoch betont, dass die Abgabe der Führung an GSK kein grundsätzlicher Entscheid gegen das OTC-Geschäft war.

Vor Monatsfrist wurde der Zusammenschluss zwischen GSK und Novartis im Bereich der rezeptfreien Medikamente rechtlich abgeschlossen. In der Schweiz ist das Joint Venture mit Sitz in Rotkreuz Marktführer. «Das ist aber keine Überraschung, weil bereits die Sparte von Novartis in der Schweiz Marktführerin war», sagt Boppel. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen sei gut angelaufen, erzählt er beim Gespräch auf dem Suurstoffi-Areal in Rotkreuz. «Die Werte der beiden Firmen sind sehr ähnlich.» Unterschiede gebe es aber schon. So sei Novartis sehr amerikanisch geprägt – mit starker Leistungsorientierung und Direktheit. «Bei GSK wird Kritik hingegen mit viel britischer Diplomatie angebracht», sagt Boppel.

Geschäftlich passen die beiden OTC-Sparten bestens zusammen. So ist Novartis mit Produkten zur Schmerzlinderung oder gegen Atemwegserkrankungen stark auf den Apothekermarkt konzentriert. Produkte wie Voltaren oder Neocitran sind gefragte Produkte. «Apotheken haben sich bewährt, die Beratung durch gut ausgebildetes Personal funktioniert», sagt Boppel. GSK auf der anderen Seite hat sich im Bereich der therapeutischen Zahnpflege einen Namen gemacht. «Die beiden Bereiche ergänzen sich daher gut», erklärt er.

Besonders spannend sei, dass die rezeptfreien Produkte aus dem GSK-Haus bereits im Schweizer Detailhandel zu finden sind. Die Produkte stehen zum Beispiel in den Regalen von Coop. «Der Detailhandel ist für die Mehrheit der Mitarbeitenden ein neuer Absatzkanal», so Boppel.

Was bringt das Heilmittelgesetz?

Es sei deshalb spannend, zu sehen, wie die Heilmittelgesetzrevision im Detail ausgearbeitet werde, erklärt Boppel. Der auf dem Tisch liegende Entwurf sieht vor, dass nicht rezeptpflichtige Medikamente auch in Drogerien erhältlich sein sollen und Arzneimittel mit geringem Risikopotenzial gar im Detailhandel. «Das bietet uns neue Chancen», sagt Boppel. Es sei sinnvoll, Produkte, die einem Menschen kaum Schaden zufügen können, auch im Detailhandel anbieten zu können. Ein salzwasserhaltiger Nasenspray zum Beispiel müsse nicht zwingend von einem Apotheker verkauft werden. Rezeptfrei bedeute aber nicht, dass die Medikamente weniger wirksam seien, betont Boppel. «OTC-Medikamente gelten als so sicher und nebenwirkungsarm, dass sie keine ärztliche Kontrolle brauchen», sagt er.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.